LICHTENFELS

Wenn es im Sekundentakt kracht

Chancenlos: Reihenweise mussten sich die Herausforderer im AWG-Modecenter der Weltmeisterin im Tischkicker, Josefine Heb... Foto: Manuel Stark

Inmitten der Verkaufsständer mit Hosen, Jacken und Tops des AWG Modecenters in der Mainau hat sich ein kleiner Pulk von Menschen versammelt. Aus ihrer Mitte tönt beinahe im Sekundentakt ein knallendes Geräusch, das an Kanonenschläge erinnert. Immer wenn es knallt, folgen ärgerliche Stimmen, aber auch Gelächter: „Das gibt’s doch nicht. Das kann doch nicht sein“, ruft ein Rentner. „So ein verdammter Mist, das geht so schnell, da seh ich ja nicht einmal was passiert“, lacht ein Student.

Die Weltmeisterin im Tischkicker, Josefine Heber, ist mit einem Profi-Tischkicker zu Gast in dem Geschäft und stellt sich im roten Nationaltrikot den Herausforderern. Von Freitag bis Samstag rissen die Spiele kaum ab. Nur zweimal musste sie sich geschlagen geben, beide Male alleine gegen ein Doppel. Das Erste trat am Freitag, das andere am Samstag gegen die amtierende Weltmeisterin und Nationalspielerin an.

„Wir spielen hier immer nur bis fünf Punkte, da kann es schnell einmal passieren, dass ein paar glückliche Treffer reingehen und schon ist es zu Ende“, schmunzelt sie. Gelächter ertönt und ein Mann mittleren Alters tritt an den Profi-Tisch. „Ich war sowieso unterwegs und habe zufällig gelesen, dass du hier bist. Da dachte ich mir: Das muss ich mir jetzt aber mal geben“, lacht Marco Urban. Die Umstehenden mustern den Neuankömmling.

Was sie nicht wissen: Der Lichtenfelser und die Bambergerin Josefine Heber spielen in derselben Liga. Die Weltmeisterin tritt in der Herren-Liga an, da es zu wenig Damen für eine gut funktionierende eigene Bundesliga im professionellen Tischkicker gibt. „Ach ne, das kann ja jetzt was werden“, seufzt Josefine Heber.

Aber in ihren Augen glitzert es, der Eifer und die Wettkampffreude haben sie gepackt. Sie geht in Position. Nach wenigen Sekunden ertönt der erste Schlag, als der Ball in den Torkasten der Weltmeisterin donnert. Eins zu Null für den Herausforderer. Doch ein weiteres Donnern wenige Sekunden später bringt den Ausgleich. Gekämpft wird schnell und effektiv. Rums, wieder landet der Ball im Kasten von Josefine Heber. Wieder gelingt ihr nach wenigen Sekunden der Ausgleich.

Für einen kurzen Moment nimmt sie die Hände von den Griffen des Spieltisches und atmet einmal tief ein, dann beugt sie sich wieder vor. „Gut“, sagt sie und das Spiel geht weiter. Krach – die Weltmeisterin geht das erste Mal in diesem Match in Führung. Drei zu Zwei. Danach geht alles sehr schnell. Ein weiterer Rums, ein weiterer Knall und das Spiel ist entschieden. Fünf zu zwei für Josefine Heber.

Eine Niederlage, doch Marco Urban lächelt. Freundschaftlich schüttelt er seiner Konkurrentin die Hand und verabschiedet sich. „Er ist ein wirklich guter Spieler, normalerweise geht das nicht so klar aus“, gesteht die Weltmeisterin. „In unserer Liga sehen wir Spieler das Kickern als wirkliche Sportart an. Natürlich beinhaltet das regelmäßiges Training.“

Am Wochenende trainiert sie mit ihrem Freund oder Mannschaftskollegen oft stundenlang. „Ich verbringe auch mal ein bis zwei Stunden alleine am Tisch, um einen neuen Schuss zu trainieren“, erzählt sie. Seit etwa vier Jahren tragen diese Mühen auch finanzielle Früchte. Tischkicker wird immer mehr als Profisport anerkannt und immer häufiger für PR- und Marketingzwecke, aber auch zur Unterhaltung bei Veranstaltungen gebucht. „Es ist eben ein Spiel, das jedem gefällt. Wer hat denn schon nicht irgendwann in seinem Leben mal eine intensive Kicker-Phase durchlebt?“, fragt Josefine Heber lächelnd.

Wie um ihre Worte zu bestätigen klopft der nächste Herausforderer an den Kicker-Tisch. „Dürfte ich auch mal spielen?“, fragt er selbstbewusst. „Natürlich“, versichert ihm Josefine Heber und los geht’s. Nach etwa einer halben Minute stutzt der Herausforderer: „Was, es ist schon vorbei? Das ging ja schnell.“

„Das ist alles Technik, beim Tischkicker werden weder Muskeln, noch Gelenke belastet“, erklärt Josefine Heber. Deswegen stelle es auch überhaupt kein Problem dar, Frauen und Männer auf nationaler Ebene in derselben Liga spielen zu lassen. Selbst zum Kickern gekommen ist die 27-jährige Deutschlehrerin durch ihren Freund. „Der ist schon Jahre lang zum Kickern mit seinen Kumpels auf Turniere gerannt. Irgendwann hat es mir gereicht und ich bin mal mit. Es hat nicht lange gedauert, dann hatte mich das Wettkampffieber gepackt.“

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