LICHTENFELS

Präzise und meisterhaft

In der ehemaligen Synagoge: Mit einem viel beachteten Konzert eröffnete das Trio Orfeo aus München den Musiksommer Ober... Foto: Gerda Völk

Das Trio Orfeo aus München gestaltete bereits in der 41. Konzertreihe des Musiksommers Obermain das Eröffnungskonzert. Bei ihren Eröffnungskonzert drei Jahre später ist es nicht die barocke Pracht eines Kaisersaals von Kloster Banz, sondern ein nicht weniger geschichtsträchtiger Ort: die ehemalige Synagoge in Lichtenfels. Seit zweieinhalb Jahren dient das 1798 errichtete Gebäude der Stadt Lichtenfels als Kunst-, Kultur- und Begegnungsstätte.

Als erster Höhepunkt in der noch jungen Geschichte fand am Sonntagnachmittag das Eröffnungskonzert der 44. Konzertreihe statt. Dazu wurde eigens ein Flügel bereitgestellt. Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner zeigte sich stolz und glücklich darüber, dass die Auftaktveranstaltung diesmal in Lichtenfels stattfindet. „Die Synagoge bietet den dazu passenden Rahmen“, sagte sie. Das Publikum erfährt von ihr einiges über die Interpreten, die sich vor vier Jahrzehnten als Trio Orfeo in Augsburg gründeten, und seitdem erfolgreich im In- und Ausland gastieren.

„Sie haben sich International einen Namen gemacht“, würdigt Rießner. Auf dem Programm stehen Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Frédéric Chopin.

„Die drei Musiker waren von der Idee fasziniert, ihre solistische orchestrale und kammermusikalische Erfahrung durch die Gründung eines Klaviertrios auf eine auf höchsten Niveau stehende künstlerische Basis zu stellen“, heißt es im Programmheft.

Dies wird spätestens im selten gespielten Klaviertrio von Frédéric Chopin (1810 – 1849) deutlich. Zum Einstieg in ein mehr als zweistündiges Konzertereignis wählen Sylvia Hewig-Tröscher (Klavier), Urs Stiehler (Violine) und Hartmut Tröndle (Violoncello) das einsätzige Klaviertrio WoO 39 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827). Der Komponist widmete es „seiner Freundin“, der damals zehnjährigen Maximiliane Brentano. Bereits hier zeigt sich die bemerkenswerte Perfektion der Interpreten.

Obwohl das eher selten zu hörende Klaviertrio von Frédéric Chopin als Jugendwerk des Komponisten gilt, offenbart er sich mit einer erstaunlichen künstlerischen Reife. Erstmals aufgeführt wurde das dem Fürsten Antoni Radziwill gewidmet Werk mehr als ein Jahr nach dessen Fertigstellung in privatem Kreis in Warschau. Einem leidenschaftlichen ersten Satz folgt ein klassisch verfeinertes Scherzo, dem sich ein hochromantisches Adagio anschließt und im vierten Satz in einem an wilde Tanzrhythmen erinnerndes Finale mündet.

Den Abschluss des Konzertes bildete das bekannte Klaviertrio in B - Dur Op. 99 D898 von Franz Schubert (1797 – 1828), in dem sich melodische Schönheit und freudestrahlenden Lebenswillen vereinigt. Am Ende gibt es minutenlangen Applaus und Bravo-Rufe für Künstler, die wieder einmal durch präzises Zusammenspiel und meisterhafte Interpretation auszeichneten. Mit dem hochkarätigen Eröffnungskonzert dürfte sich die ehemalige Synagoge in Lichtenfels hoffentlich in die Aufführungsorte des Musiksommers eingereiht haben, was auch an der besonderen Akustik des Raumes liegen dürfte. Als Zugabe darf sich das Publikum noch über ein Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy freuen.

Das nächste Konzert des Musiksommers Obermain erklingt am Sonntag, 22. Juni, 17 Uhr im Kaisersaal von Kloster Banz. Auf dem Programm steht „Festliches und Originelles“ mit dem Ventus Quintett Salzburg.

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