LICHTENFELS

Rollenspiele und Rauschbrille

Performance: Die Gruppe „No Names“ der Redwitzer Schule setzte sich mit Nikotinkonsum handgreiflich auseinander. Foto: Andreas Welz

Ab wie viel Jahren darf man alkoholische Getränke kaufen? Welche Inhaltsstoffe sind in Zigaretten enthalten? Welche Risiken gibt es bei legalen Suchtmitteln? Diese und noch mehr Fragen beschäftigen 296 Schüler und Schülerinnen der 6. Klassen fast aller Mittelschulen des Landkreises sowie die 6. Klassen des Meranier-Gymnasiums beim „Klar-Sicht“-Mitmach-Parcours, der seit gestern und heute in der Lichtenfelser Stadthalle ausgerichtet wird. Veranstalter war die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der Polizeiinspektion Lichtenfels.

Wer den Durchblick hat, ist cool. Dennoch trüben circa ein Drittel der 16- bis 17-Jährigen einmal im Monat ihren Blick und trinken sich in einen Rausch. Und zwölf Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen vernebeln sich mit Zigaretten die Sicht. Doch mit erhobenem Zeigefinger und klugen Belehrungen ist niemandem geholfen. Projektleiter Sebastian Thiel erklärte die Grundidee des Mitmach-Parcours „KlarSicht“: „Jugendliche und junge Erwachsene brauchen altersgerechte Präventionsangebote. In Rollenspielen, Diskussionen und mit eigenen Fragen sollen sie sich mit den Themen Alkohol und Tabak auseinandersetzen. Wir vermitteln ihnen Entscheidungshilfen für einen gesundheitsförderlichen Umgang damit, und die Jugendlichen reflektieren gleichzeitig ihr eigenes Konsumverhalten.“

Die Jugendlichen der Pater-Lunkenbein-Volksschule Ebensfeld, der Friedrich-Baur-Mittelschule Burgkunstadt, der Johann-Puppert-Schule Michelau, der Adam-Riese-Schule Bad Staffelstein, der Albert-Blankertz-Volksschule Redwitz sowie der Herzog-Otto-Mittelschule, der St. Katharina-Schule und des Meranier-Gymnasiums aus Lichtenfels trafen an den einzelnen Stationen immer auf zwei professionelle Ansprechpartner/-innen. Sie erklärten ihnen die Spiele und kamen so mit ihnen ins Gespräch. Das Moderatoren-Duo besteht jeweils aus Mitarbeitern des „KlarSicht“-Teams der BZgA sowie Mitarbeitern der Kooperationspartner vor Ort, die im Vorfeld extra für die Mitmach-Aktion geschult wurden.

Ein Highlight unter den fünf Stationen des Parcours war der „Drunk-Buster“. Diese Rauschbrille simuliert einen Promillewert von etwa 1,3 bis 1,5. Unter anderem sollten die Jugendlichen damit auf einer gestrichelten Linie gehen - oder es vielmehr versuchen, denn kaum ein Schritt traf die Linie. Klar im Kopf, aber betrunken im Blick; dieses persönliche Erleben ging vielen nahe.

Die zwei Stationen „Alkohol“ und „Tabak“ informierten spielerisch und interaktiv über die Gefahren beim Konsum von Alkohol und Zigaretten. Dabei ging es nicht darum, den Alkoholkonsum per se zu verteufeln. Vielmehr wurde den Teilnehmern ein kritischer und bewusster Umgang mit Alkohol vermittelt. Unvernebelt war die Aussage beim Tabak: Nichtrauchen ist nicht nur gesund, sondern auch ganz schön clever.

An der Station „Talkshow“ wurden in der Gruppe Geschichten entwickelt, in denen es um Probleme ging, die im Umgang mit Alkohol oder Tabak entstehen können - erfundene und erlebte, anonym erzählt. Gemeinsam wurde überlegt, wie die auftretenden Probleme hätten verhindert werden können, beziehungsweise wo Betroffene Hilfe finden. An der fünften Station „Images“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit Werbeversprechen der Alkohol- und Tabak-Industrie auseinander. Am „Tor der Entscheidung“ wurde ihnen zunächst eine Einstiegsfrage zum Thema gestellt. Nach dem Parcours beantworteten die Teilnehmer die gleiche Frage noch einmal. Die Einschätzungen vor und nach dem Parcours wichen zum Teil stark voneinander ab.

Helmut Fischer, Stellvertreter des Landrats, bedauerte, dass die Eltern bei der Veranstaltung fehlten. Gerade sie seien in Umgang mit Nikotin und Alkohol oft keine Vorbilder. Bürgermeister Andreas Hügerich lobte das Engagement der Jugendbeauftragten und der Polizei, die mit Präventivmaßnahmen viel erreichten. Die Jugendbeauftragte der Polizei, Heidi Hansen berichtete von erfolgreichen Aufklärungsveranstaltungen in Schulen und Vereinen. „Wir müssen mit den Jugendlichen reden“, sagte sie. Für die Abteilungsleiterin Gesundheit im Landratsamt, Dr. med. Anja Grottker war die Vernetzung der einzelnen Aktionsgruppen wichtig. Ihr Mitarbeiter, Heribert Lempetzeder, der die Veranstaltung vor Ort organisierte, lobte die gute Vorarbeit durch die Jugendsozialarbeiterinnen.

Stellvertretend für alle Schulen sprach unsere Zeitung mit der Rektorin der Albert-Blankertz-Schule Redwitz, Elvira Tischler über das Thema Alkohol- und Nikotinkonsum bei Jugendlichen. Sie machte deutlich, dass Drogenprävention auch an ihrer Schule einen hohen Stellenwert habe. Besonders eindrucksvoll bezeichnete sie ein interaktives Theaterstück, das die Künstlergruppe „Chapeau Claque“ aus Bamberg für die 7. bis 9. Klassen in ihrer Schule aufgeführt hätte. Gut besuchte Elternabende, bei denen die Themen Alkohol und Rauchen angesprochen werden, gehörten zur Bewusstseinsbildung bei den Älteren. Auch allgemeine Themen wie Mobbing kämen zur Sprache. Großes Lob erhielten die Sozialpädagogen, die eine wichtige Funktion beim Kampf gegen Alkohol und Nikotin innehätten.

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