LICHTENFELS

Appell an die Bürger: Wasser sparen

Verbrauch im Blick: Helfen Gartenwasserzähler beim Sparen?
Aufgrund der niedrigen Grundwasserpegelstände und der ausbleibenden Niederschläge hat die Stadt Burgkunstadt eine Einschränkung des Wasserbrauchs aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung angeordnet. Im Stadtgebiet ist es nun bis auf weiteres verboten, beispielsweise seinen Rase... Foto: Christin Klose (dpa-mag)

Am Freitag vor einer Woche hat die Stadt Burgkunstadt die Reißleine gezogen. Aufgrund der niedrigen Grundwasserpegelstände und der ausbleibenden Niederschläge hat sie eine Einschränkung des Wasserbrauchs aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung angeordnet. Im Stadtgebiet ist es nun bis auf weiteres verboten, beispielsweise seinen Rasen zu bewässern, private Schwimmbecken zu befüllen oder sein Auto auf dem eigenen Grundstück zu waschen.

„So eine Anordnung habe ich in meiner Laufbahn im öffentlichen Dienst noch nie erlebt“, sagt Stadtkämmerin Heike Eber und erklärt, wieso der Erlass vom 15. Juli notwendig gewesen war: „Wir sind der öffentliche Wasserversorger, und auch wenn die Trinkwasserversorgung aktuell nicht gefährdet ist, müssen wir die Bürgerinnen und Bürger aufrütteln und zum Wasser sparen aufrufen, bevor es fünf vor zwölf ist.“ Dabei verweist sie auf die drei 140 Meter tiefen städtischen Tiefbrunnen, aus denen Burgkunstadt seine Einwohner mit Wasser versorgt. „Wir lassen jedes Jahr von einem Ingenieurbüro den Pegelstand überprüfen. Und es ist leider so, dass dieser nach den zu trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020 zu niedrig ist.“ Selbst das etwas feuchtere Jahr 2021 habe nicht zur Erholung des Pegels beitragen können, und auch dieses Jahr sei viel zu trocken.

Heike Eber betont, dass mit der Anordnung das tägliche Leben nicht eingeschränkt werde. Duschen und Baden sei natürlich weiterhin möglich, und dass man bei der aktuellen Trockenheit nicht Wasser verschwende, um den Rasen zu wässern, sage einem eigentlich der gesunde Menschenverstand, so die Kämmerin.

Auch der Landkreis hat auf das Ausbleiben von Niederschlägen und die Trockenheit reagiert. Am Montag, 18. Juli, erklärte er daher die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen als nicht mehr zulässig. Doch wie sieht es in den zehn weiteren Städten und Gemeinden im Landkreis aus? Planen auch diese eine Anordnung zur Einschränkung des Wasserverbrauchs? Und wie sehen bei diesen die Pegelstände der Tiefbrunnen beziehungsweise Schüttungen der Quellen aus? Übrigens betonen alle Kommunen, dass die Trockenheit keine Auswirkung auf die Qualität des Trinkwassers hat.

Werkleiter Dietmar Weiß (Lichtenfels): Sparsam mit Wasser umgehen

„Die Stadt beziehungsweise Stadtwerke Lichtenfels planen derzeit keine Einschränkung bei der Nutzung der öffentlichen Wasserversorgungseinrichtungen. Trotzdem appellieren wir an alle Bürgerinnen und Bürger sowie Industrie und Gewerbe, sparsam mit unserem wichtigsten Lebensmittel umzugehen.

Die Stadt bezieht ihr Trink- und Brauchwasser für die Kernstadt und die Ortsteile aus folgenden Wasserversorgungsanlagen: Schwabthaler Quellen und Döritzquelle, Tiefbrunnen bei Roth, Tiefbrunnen bei Mistelfeld, Tiefbrunnen bei Buch, eine Quelle bei Klosterlangheim, Zusatzwassereinspeisung durch die Fernwasserversorgung Oberfranken. Weiterhin versorgen die Zweckverbände der Wasserversorgung der Rothmannstaler Gruppe und der Banzer Gruppe Stadtteile der Stadt Lichtenfels.

Der Grundwasserspiegel der Tiefbrunnen sowie die Schüttungen aus den Quellen bewegen sich auf niedrigem Niveau, sind aber konstant.“

Bürgermeister Michael Zapf (Weismain): Keine Einschränkung

„Kurzfristig gesehen haben wir nicht vor, Einschränkungen bei der Nutzung der öffentlichen Wasserversorgungseinrichtungen anzuordnen. Derzeit haben die Schüttungen unserer Quellen sowie die Brunnen und Tiefbrunnen nicht wirklich nachgelassen. Allerdings wird unser Wasserwerk in kürzeren Intervallen die Fördermengen kontrollieren. Sollte mittelfristig dennoch ein signifikanter Rückgang festgestellt werden, ist eine Reglementierung wie in Burgkunstadt nicht ausgeschlossen.

Unsere Ortsteile sind ja über die FWO versorgt, einzig die Stadt Weismain wird durch Wasser aus den Brunnen und Quellen versorgt (unter Beimischung von FWO-Wasser). Alles in allem wirkt sich die Trockenheit (noch) nicht auf die Wasserversorgung in Weismain aus.“

Tobias Walter (Ebensfeld): Pegel im Tiefbrunnen gleich geblieben

„Für die Wasserversorgung des Marktes Ebensfeld ist die Anordnung ,Einschränkung bei der Nutzung der öffentlichen Wasserversorgungseinrichtungen für das Versorgungsgebiet‘ momentan nicht vorgesehen. Der Markt Ebensfeld bezieht sein Trinkwasser vom Tiefbrunnen Ebensfeld, von der FWO und für ein paar Ortsteile von der Banzer Gruppe. Der Pegelstand im Tiefbrunnen Ebensfeld ist im Vergleich zu den Vormonaten gleich geblieben.“

Heinrich Dinkel (VG Redwitz- Marktgraitz): Gibt genug Wasser

„Seitens der Gemeinden Redwitz und Marktgraitz ist keine derartige Anordnung wie in Burgkunstadt geplant. Eine solche ist nicht notwendig, da sowohl Redwitz als auch Marktgraitz ihr Trinkwasser von der FWO beziehen. Dort ist momentan noch genügend Trinkwasser vorhanden, auch wenn der Wasserverbrauch im Juni überdurchschnittlich hoch war. Dennoch bleibt auch die Bevölkerung bei uns aufgefordert, mit Trinkwasser sparsam umzugehen, da befürchtet werden muss, dass sich auch in Zukunft mehr trockene Jahre wiederholen werden, was sich auch auf die Speicher der FWO auswirken würde.“

Jörg Michalek (VG Hochstadt- Marktzeuln): Pegel unverändert

„Die Gemeinde Hochstadt versorgt das Gemeindegebiet mit Trinkwasser aus zwei eigenen Tiefbrunnen. Der Pegelstand ist derzeit unverändert, bedingt durch Tiefe der Brunnen von zirka 150 Meter. Eine Anordnung im Zusammenhang mit dem Wasserverbrauch ist derzeit nicht vorgesehen.

Wir bitten jedoch die Bürgerinnen und Bürger sparsam mit dem Wasser umzugehen, zumal wir derzeit den Hochbehälter der Wasserversorgung sanieren und nur eine Wasserkammer zur Verfügung steht. Hierdurch kann es durchaus zu Engpässen in der Wasserversorgung kommen.

Regentonne oder Zisterne: Wasser sparen in Haus und Garten
Wasser aus einer Regentonne ist ideal zum Gießen in Garten. Aufgrund der Trockenheit appellieren die Kommunen im Landkre... Foto: Jens Schierenbeck (tmn)

Der Markt Marktzeuln versorgt sein Gemeindegebiet mit Fernwasser von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO). Nach Auskunft der FWO kommt dieses Wasser aus der Talsperre Mauthaus-Ködeltalsperre. Diese hat eine ausreichende Kapazität, dass die Versorgung mindestens für zwei aufeinanderfolgende Trockenjahre gewährleistet ist. Aufgrund des aktuellen Pegelstandes ist somit nicht mit Einschränkungen zu rechnen. Solange von der FWO keine Einschränkungen bei der Wasserversorgung angekündigt werden, beabsichtigt der Markt Marktzeuln auch keine Anordnungen zu beschränkten Nutzung der Wasserversorgungseinrichtungen zu erlassen.

Auch wenn derzeit in der VG Hochstadt-Marktzeuln keine Wasserknappheit zu befürchten ist, sollte allein aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes sparsam und schonend mit dem wertvollen Gut ,Trinkwasser‘ umgegangen werden.“

Alexander Pfaff (Altenkunstadt): Setzen auf Freiwilligkeit und Vernunft

„Eine derartige Anordnung wie in Burgkunstadt ist aktuell noch nicht geplant. Wir setzen noch auf Freiwilligkeit und Vernunft. Die Gemeinde Altenkunstadt bezieht ihr Wasser aus zwei gemeindeeigenen Tiefbrunnen und aus einem Brunnen der Firma SüdWasser GmbH. Vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde ihr Wasser aus tieferen Lagen bezieht, beeinflussen thermische Wettereignisse die Versorgungssicherheit (Pegelstände) erst einmal nur wenig. Aber mittel- oder langfristig ist zeitlich versetzt mit negativen Folgen zu rechnen.“

Fabian Leppert (Bad Staffelstein): Sparmaßnahmen stehen an

„Die Stadt Bad Staffelstein bezieht ihr Trinkwasser aus verschiedenen Wassergewinnungsanlagen:

• Bad Staffelstein (Kernstadt), Schönbrunn, Unterzettlitz, Romansthal: Versorgung durch fünf eigene Brunnen der Stadt im Maintal.

• Wolfsdorf, Grundfeld, Vierzehnheiligen, Eichelsee, Wiesen: Versorgung mittels Fernwasserversorgung (FWO).

• Zilgendorf: Versorgung durch Wasser des Zweckverbands zur Wasserversorgung der Banzer Gruppe.

• Horsdorf, Loffeld, Stublang: Versorgung durch eigene Quellen.

• Uetzing, Weisbrem, Gößmitz, Serkendorf: Versorgung durch eigene Quellen.

• Frauendorf: Versorgung durch Wasser der Stadtwerke Lichtenfels.

• Kaider, Krögelhof, Kümmersreuth: Versorgung mittels Fernwasserversorgung (FWO) über die Stadt Scheßlitz beziehungsweise Rothmannsthaler Gruppe.

• Schwabthal, End, Tiefenthal: Versorgung durch die Wassergewinnung der Rehaklinik Lautergrund.

Der Pegelstand ist derzeit durchweg noch ausreichend, aber stetig abnehmend. Es ist jedoch bis September mit einem weiteren Rückgang der Pegel zu rechnen, und aus diesem Grund bereiten wir aktuell Maßnahmen zur Trinkwassereinsparung vor, die wir in Kürze bekanntgeben werden. Gleiches gilt auch für den Zweckverband zu Wasserversorgung der Banzer Gruppe.“

Stephan Meier (Michelau): Pegel einen halben Meter niedriger als 2021

„Die Gemeinde Michelau plant derzeit keine Anordnung zur Einschränkung des Wasserverbrauchs wie die Stadt Burgkunstadt. Die Gemeinde betreibt zwei eigene Flachbrunnen. Ergänzend wird die Hochzone von Schwürbitz mit Trinkwasser der Fernwasserversorgung Oberfranken versorgt. Zusätzlich besteht für Michelau eine Notversorgung über die FWO und die Stadt Lichtenfels. Der derzeitige Pegelstand liegt 0,5 Meter unter dem des Vorjahres.“

 

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