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Andreas Motschmann: Was Hühner mit Fasching zu tun haben

Andreas Motschmann: Was Hühner mit Fasching zu tun haben
Am „tollen Dienstag“ stand das Federvieh im Mittelpunkt. Früher war das Füttern der Hühner die Aufgabe der Kinder. Foto: Andreas Motschmann

Am Obermain gab es unzählige Faschingsbräuche. Viele sind heute vergessen. Überlebt haben nur Faschingsumzüge und -sitzungen, welche Corona bedingt in diesem Jahr nicht stattfinden. Was an den Faschingstagen auf dem Bauernhof früher zu beachten war, damit das Glück für die kommenden Monate in Haus und Hof nicht ausblieb, weiß heute kaum jemand. Im vergangenen Jahr stellten wir unter anderem die Verbote in den Spinnstuben vor. In diesem Jahr erinnern wir an weitere vergessene Faschingsbräuche am Faschingsdienstag. Diesmal stehen die Hühner im Mittelpunkt.

Mit Pressack für die Fastenzeit satt essen

Am Fosenachttag kam jedes Kind mit einem Presssack in die Schule; es galt, sich ordentlich für die Fastenzeit satt zu essen. Die Dienstboten bekamen schon früh zum Kaffee ihren Presssackanteil. Ein beliebtes Ritual: Wer im Hemd mit einem Presssack ums Haus lief und nicht erwischt wurde, durfte ihn behalten. Die Hausfrau kehrte vor Sonnenaufgang die Stube und warf den Kehricht auf des Nachbarn Miste; damit bannte sie Ungeziefer im Haus – sie durfte aber dabei nicht erwischt werden, sonst gab es Verdruss mit dem Nachbarn. Um 1925 gab es kein Stubenfegen, sondern nur das Stubenkehren. Aus selbstgesottener Seife (Abfallfett und Grünsoda) wurde ab und zu der Holzboden gereinigt und anschließend mit Sand bestreut. War der Sand verschmutzt, ist er ausgekehrt und neu bestreut worden.

Vor Sonnenaufgang drei Gabeln Mist auf die Misthaufen

Andreas Motschmann: Was Hühner mit Fasching zu tun haben
Am Faschingsdienstag wurde die Arbeit früher als sonst auf dem Bauernhof beendet. Foto: Andreas Motschmann

Vor Sonnenaufgang warf man drei Gabeln Mist auf die Misthaufen; auf diese Weise werde der Mist fürs ganze Jahr ausreichen. Mist war wichtig in Zeiten, in denen es keinen Kunstdünger gab. Beim Einschüren des Ofens wurden an diesem Tag Kienspäne verwendet, damit das Holz nicht ausgehe.

Der „tolle Dienstag“ auf dem Bauernhof war anders als andere Arbeitstage: Man putzte die Pferdegeschirre auf Hochglanz und reinigte den Taubenschlag, damit die Tauben nicht lausig werden. Kühe und Ochsen spannte man in diesen Zeiten vor die Wagen; Pferde konnten sich nur reiche Bauern leisten. In der Fosenocht wurde das Jungvieh zum Ziehen eingewöhnt, damit es in den kommenden Monat die Arbeit am Leiterwagen leichter lerne.

Die Sonne in den Stall sperren

Am Faschingsdienstag wurde am späten Nachmittag die Stallarbeit früher als sonst auf dem Bauernhof beendet. Denn abends sperrte man die Sonne in den Stall: Die Bauersleute mussten rechtzeitig, bevor die Sonne unterging, abstallen, mit der Stallarbeit fertig sein, sodass man übers Jahr bald mit der Arbeit fertig ist.

Gab man einem Armen an Fastnacht ein Almosen, bekam man später einen Gönner. Kein Wasser sollte man trinken, um nicht im Sommer von Schnaken gebissen zu werden.

Darüber dürften sich die Biertrinker gefreut haben! Die Fastnacht sagt die Zukunft voraus: Scheint Fastnacht die Sonne, werden die Ochsen teuer. In Bauernregeln heißt es: „Soviel Sonne am Fastnachtssonntag scheint, wird sie jeden Tag in die Fasten scheinen“ und „Wie sich Aschermittwoch stellt, die ganze Fasten sich verhält.“

Für die Hühner zur Fastnacht Hirse

Schon vor Sonnenaufgang holte die Bäuerin Holz, denn dann entdeckte sie alle heimlichen Hühnernester, die sich das Federvieh in der Holzlege oder der Scheune zulegte. Die Hühner bekamen als Fastnachtskost Hirse, damit sie unterm Jahr recht viele Eier legten. Der Blick an den Sternenhimmel weissagte die Zukunft – viele Sterne bedeuteten viele Eier in den nächsten Monaten.

Die Hühner wurden aus dem offenen Fenster in den Hof gelockt, damit sie das Jahr über nicht verlegten. Später zog die Bäuerin um den Tisch einen Kreidekreis und lockte die Hühner hinein. Jenes Huhn, das nicht hineinging, werde die Eier verlegen, hieß es.

Dieser Brauch hängt damit zusammen, dass vor über 100 Jahren im Winter der Hühnerstall oft unterm Ofen in der Stube war. Die Hausfrau durfte den Hof nicht verlassen, damit die Hühner zum Legen im Nest blieben. Apropos Hühnernest: wer gesottene Eier aß, bekam kein Halsweh, so der Volksglaube.

Huhn sorgt für eine Hochzeit

Öffnet ein junges Mädchen den Hühnerstall, und es fliegt ein Huhn über die Hand, kommt es übers Jahr zu einer Hochzeit, fliegt aber der Hahn, bricht der Bursche die Treue. Wirft ein junges Ding ein Ei in den Brunnen, und das Ei geht unter, bleibt der Rockenstubenbursche treu.

Die Fastnachtsbräuche und die Bräuche der zwölf Raunächte um die Jahreswende unterscheiden sich. Bei den Zwölfen hatte die Sorge um die Mächte der Unholde und Hexen sowie ein Blick in die Zukunft Vorrang. Bei den Fastnachtsbräuchen standen mehr das kleine Glück und die Erhaltung von Hab und Gut im Vordergrund. Dass dabei Hühner eine große Rolle spielten, verwundert nicht, waren doch die Eier Haupteinnahmequelle für die Bäuerin, denn Schmalz- und Butterverkäufe flossen in ihre Haushaltskasse.

 

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