LICHTENFELS

An Wünschen der Schutzbefohlenen orientieren

Hier befüllt Ernst bei der Firma Fischer projekt ein Kinderwürfelspiel mit dem dazugehörigen Obst. Ernst hat einen Vollzeitarbeitsplatz bei Fischer projekt. Foto: Ingrid Kohles

„Wie kann man Menschen mit Handicap am ersten. Arbeitsmarkt integrieren?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Besprechung zwischen Landrat Christian Meißner und dem Leitungsteam der Werkstätten St. Joseph am Standort Lichtenfels.

Zu der Besprechung hatten Thomas Neugeboren, Geschäftsführer und Werkstattleiter der Standorte Burgkunstadt und Neuensee, und Nicole Metze, Prokuristin und stellvertretende Werkstattleitung für Lichtenfel,s auf Initiative von Barbara Püls, Psychologin M.Sc. (Master of Science) eingeladen.

Bandbreite der arbeiten Menschen in Werkstätten nicht zu unterschätzen

Die Bandbreite der Menschen, die in den Werkstätten arbeiten, sei nicht zu unterschätzen, führte Thomas Neugeboren eingangs aus. In den Werkstätten St. Joseph an den Standorten Lichtenfels, Burgkunstadt und Michelau würden von rund 100 angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Moment 410 Menschen mit Handicap begleitet, betreut und gefördert.

„Uns ist es wichtig, dass

die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter mit Behinderung selbst entscheiden, wo sie arbeiten und welche

Tätigkeiten sie ausüben. “

Thomas Neugeboren, Geschäftsführer der Werkstätten

„Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung selbst entscheiden, wo sie arbeiten und welche Tätigkeiten sie ausüben. Hier kommt unsere Inklusionsbegleiterin Barbara Püls ins Spiel, die seit April 2021 für die betriebsintegrierten Arbeitsplätze zuständig ist“, so Neugeboren.

„Wir folgen gerne den Wünschen unserer Schutzbefohlenen, die außerhalb der Werkstätten arbeiten möchten.“ Wer den „Schutzraum Werkstatt“ verlassen möchte, soll eine Chance dazu haben, denn die „Werkstätten für behinderte Menschen“ (WfbM) seien laut Gesetz eigentlich Rehabilitationsstätten, um Menschen wieder fit zu machen für den Arbeitsmarkt, führte Barbara Püls aus. „Auch Menschen mit Handicap haben ein Recht auf freie Arbeitsplatzwahl. Deshalb sind wir stetig auf der Suche nach Arbeitgebern, die Gehandicapte im ersten Arbeitsmarkt beschäftigen.“

Erfreuliche Resonanz bei den Betrieben

Als sehr erfreulich wurde die Resonanz bei den Betrieben beschrieben. Im Moment hätten die Werkstätten acht Partnerfirmen, bei denen betriebsintegrierte Arbeitsplätze angesiedelt werden konnten. Namentlich wurden die Firmen Koinor Polstermöbel, Fischer projekt, Christa Gartengestaltung, MK-Bau Neuses, Caritas Lichtenfels und die Obermain Therme genannt. Ganz neu hinzugekommen sind die Kindergärten St. Anna Weismain und Mainleus. Hier unterstützen zwei Mitarbeiterinnen das Personal in der Hauswirtschaft.

Landrat Christian Meißner (2. v. li.) kam gerne zum Gedankenaustausch in die WfbM am Eichenweg. Er wurde von Geschäftsfü... Foto: Ingrid Kohles

Es seien viele Modelle möglich, wie man einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz anbieten könne oder wolle. Das könnten Ganztagesangebote sein, Saisonarbeiten im Sommer und im Winter, dann wieder in der WfbM, oder nur zwei bis drei Tage in der Woche. Die Menschen behielten dabei aber ihren Werkstatt-Status, seien dort auch sozial- und unfallversichert. Menschen Behinderung arbeiteten außerhalb der WfbM in einem Betrieb ihrer Wahl. Der Patenbetrieb werde durch die Inklusionsbegleitung der WfbM unterstützt und beraten. Und entrichte ein Entgelt für die erbrachte Arbeitsleistung an die WfbM.

Barbara Püls sprach auch das Modell „Integra Mensch“ in Bamberg an, das von der Herzog-Friedrich-Universität Bamberg unterstützt wird. Nach der Gründung einer eigenen Werkstatt „Integra Mensch“ sei es gelungen, dass im Augenblick rund 140 Menschen auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz betreut werden.

„Wir müssen eine

Veränderung im Bewusstsein der Gesellschaft bewirken.

Die hohe Flexibilität

in der Gestaltung der

Beschäftigungsverhältnisse bringt daneben eigentlich nur Vorteile für die Unternehmer.“

Christian Meißner, Landrat

Püls appellierte an Landrat Meißner, die verschiedenen Beschäftigungsmöglichkeiten im Landkreis bekannt zu machen. Dieser nahm den Ball gerne auf und versprach als Erstmaßnahme, im Landratsamt nach Möglichkeiten zur Beschäftigten von Menschen mit Handicap zu suchen. Als konkretes Ziel nannte er die Vorstellung der Modelle in einer Bürgermeister-Dienstbesprechung durch Barbara Püls.

„Wir müssen eine Veränderung im Bewusstsein der Gesellschaft bewirken. Die hohe Flexibilität in der Gestaltung der Beschäftigungsverhältnisse bringt daneben eigentlich nur Vorteile für die Unternehmer“, so Landrat Meißner.

Thomas Neugeboren und Nicole Metze dankten für das angenehme Gespräch und kündigten an, dass im 1. Halbjahr 2022 eine Podiumsdiskussion zu dem Thema angestrebt wird.

Informationen: Interessierte Arbeitgeber können sich schon jetzt bei Barbara Püls über diese Projekt erkundigen unter Email: b.puels@wstj.de (red)

 

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