LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels urteilt über Streit

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Zu einem folgenreichen Zwischenfall kam es am 2. August des vergangenen Jahres auf einem Parkplatz in Burgkunstadt. Es war 13.45 Uhr und zwei Parteien begegneten sich. Auf der einen Seite ein heute 32-Jähriger und auf der anderen Seite eine ihm bekannte Hausfrau nebst Tochter und ihrem damaligen Freund. Dann kam es zu massiven Beleidigungen und einem Faustschlag auf die Hand der 40-Jährigen. Die genauen Umstände suchte man am Dienstag während eines Prozesses am Amtsgericht zu klären. Vorsätzliche Körperverletzung und Beleidigung standen im Raum.

Es hatte mit einem Facebook-Post zu tun, den der 32-Jährige über den 22-jährigen Freund der Hausfrautochter las und der diesen in schlechtes Licht rückte. Auch der angeklagte 32-Jährige hielt nicht mehr von dem 22-Jährigen, sagte ihm das und es kam zu allgemeinem Streit. Die Hausfrau erinnerte sich im Zeugenstand, dass der Angeklagte gedroht habe, dem Freund ihrer Tochter „den Kopf einzuschlagen“. „Er war so aggressiv, da ist ihm die Sonnenbrille aus dem Gesicht gefallen und er hatte ganz rote Augen“, erklärte sie und deutete damit an, dass der Mann wohl unter Einfluss von Drogen gestanden habe. Tatsächlich bekräftigte die Frau noch, dass der derzeit arbeitslose Angeklagte einst über ihr gewohnt habe und sie darum wisse, dass er „mit Drogen zu tun hat“.

Beleidigungen der übelsten Art

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Daniela Jensch wollte wissen, was es mit der Körperverletzung auf sich gehabt habe und die 40-Jährige erzählte davon, wie sie einen Faustschlag auf ihre Hand erhielt und diese davon dick anschwoll. Auch ist ihr „fette Hure“ und „Miststück“ an den Kopf geworfen worden. Es stand im Zusammenhang damit, dass sie sich schützend an die Seite des Freundes ihrer Tochter begab und etwas abbekam. Der Grund, weshalb sie sich an die Seite des 22 stellte, habe darin gelegen, dass dieser eine Form der Behinderung hat, mit welcher er dem Angreifer ausgeliefert gewesen wäre.

Auch die 17-jährige Tochter der Frau wurde Augenzeugin des Geschehens. „Ich war unter Schock – meine Mutter fasst keiner an“, gab sie zu Protokoll. Doch die klarsten Worte zu dem Geschehen fand ein an der Sache unbeteiligter Mann, 60-jähriger Vertreter, der die Szenerie beobachtete. „Ich habe gesehen, dass der junge Mann auf die Frau eingeschlagen hat.“ Diese Aussage provozierte eine Entrüstung beim Angeklagten, was wiederum einen bekräftigenden Satz des Zeugen mit sich brachte: „Ich sage nichts falsches.“

Überdies schilderte der Zeuge den Angeklagten als seinerzeit „ziemlich zugedröhnt“. Zum Schluss sollte auch der 22-Jährige noch angehört werden und der schilderte den Sachverhalt als von Anfang an emotional hoch aufgeladen. „Was guckst du so? Ich haue dir in die Fresse!“ Dergestalt, so der junge Mann, sei die Art der Begrüßung ausgefallen und bald habe der Angreifer „um sich geschlagen, weil er mich treffen wollte“.

Beim Verlesen des Auszugs aus dem Bundeszentralregister wurde klar, dass da kein unbescholtenes Blatt vor Richterin Jensch saß. Das Register gab Auskunft über eine versuchte räuberische Erpressung, über Beleidigungen, Diebstahl und eine gefährliche Körperverletzung, welche der Mann schon auf dem Kerbholz hatte. Allerdings sind diese Dinge abgegolten.

Zu einem Punkt aber suchte Jensch mehr zu erfahren, denn auch ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz kam dem Angeklagten schon unter. Auf die richterliche Frage, wie es mit Betäubungsmitteln aussieht, antwortete der 32-Jährige: „Ich kiffe ab und zu.“ Dann ging es ans Plädoyer.

Für Staatsanwalt Mario Geyer war klar, dass der Angeklagte besonders durch den 60-jährigen Zeugen überführt wurde. Allerdings räumte Geyer ein, dass es zu keine wirklich schlimmen Verletzungen kam. „Es braucht keine Freiheitsstrafe, aber eine höhere Geldstrafe von 1500 Euro wegen Körperverletzung und Beleidigung.“ Das von Jensch gefällt Urteil sollte Minuten später auf 1200 Euro Geldstrafe lauten.

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