LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels: Rätsel um Sturz gegen Spiegel

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Weil er seine Verlobte verletzt haben soll, musste sich ein Lichtenfelser vor dem Amtsgericht verantworten. Doch die junge Frau zog ihre belastende Aussage während der Verhandlung zurück. Die Frage blieb allerdings, warum sie sich seinerzeit in einem Krankenhaus weitab von der Korbstadt behandeln lies.

Der 30-jährige Angeklagte schien von ruhigem Gemüt. Zumeist sprach ohnehin Rechtsanwalt Jochen Kaller für ihn. „Ich habe mir auch selber Schaden zugefügt, indem ich gegen Wände gehauen habe“, sagte er auf die Frage von Richterin Daniela Jensch nach dem Hergang des Geschehens vom 15. Juni vergangenen Jahres. Seine Freundin habe sich bei einem Sturz im Treppenhaus verletzt. Damit habe er nichts zu tun gehabt.

Staatsanwalt Daniel Killinger hielt ihm vor, dass sein inzwischen 22-jährige Verlobte durch seine Einwirkung mit dem Kopf gegen einen Spiegel gefallen sei. Auch eine Prellung am Unterarm habe sie erlitten.

Für Rätsel sorgte eine Polizeibeamtin mit ihrer Zeugenaussage. Die junge Frau habe sich nach dem Vorfall ausdrücklich nicht ins Lichtenfelser Klinikum bringen, sondern in einem unterfränkisches Krankenhaus behandeln lassen.

Das lasse vermuten, dass sie sich vor ihrem Verlobten habe verbergen wollen. Einen persönlichen Eindruck von der Frau hatte die Beamtin damals allerdings nicht bekommen, sondern die Aussage am Telefon aufgenommen. „Sie sagte, dass sie keine Anzeige und keinen Strafantrag stellen will“, sagte die Polizistin.

Niemand darf wissen, in welchem Krankenhaus die Frau liegt

Ein weiterer Polizist sagte aus, dass die Familie der jungen Frau „Angst vor dem Verlobten“ gehabt habe. Daher sei sie in das unterfränkische Krankenhaus verlegt worden. „Es wurde ziemlich Zinnober gemacht, denn keiner durfte wissen, dass sie dort im Krankenhaus liegt“, so der Beamte. Die junge Frau habe sich geweigert, gegen ihren Freund auszusagen.

Auch die Mutter der 22-Jährigen verweigerte die Aussage: „Ich werde keine Aussage machen, denn ich werde meine Tochter nicht belasten.“ Und das vermeintliche Opfer machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch: „Ich möchte keine Angaben machen.“

Da sich die Vorgängen am Tatabend nicht aufklären ließen, wurde das Verfahren eingestellt.

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

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