LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels: Rätsel um Einbruch in eine Kneipe

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Der Blick war beredt. Und die Frage erst recht. „Ihre Einschätzung?“, fragte Richterin Daniela Jensch den Staatsanwalt Mario Geyer. Seine Antwort: „Hm, das wird schwer.“ Gemeint war der Tatnachweis zu einem Vorfall in einer Kronacher Kneipe, wegen dem sich ein 32-jähriger Mann aus Lichtenfels vor dem Amtsgericht verantworten musste. Vorgeworfen wurden ihm Einbruch und Gelddiebstahl.

Der Tatzeitraum konnte nur grob eingegrenzt werden: Zwischen dem 19. und dem 23. Dezember 2018 soll der Lichtenfelser die Tür zu dem Lokal eingetreten und somit einen Schaden in Höhe von 300 Euro verursacht haben. Bei dem Einbruch habe er es habe er es auf einen Lederbeutel abgesehen gehabt, in dem Geld aufbewahrt wurde. Davon habe der Angeklagte gewusst, so der Staatsanwalt. 720 Euro aus dem Beutel fehlten nach dem Einbruch. Außerdem sollen Spirituosen entwendet worden sein.

Das Vorstrafenregister spricht gegen den Angeklagten

Der Verdacht fiel auf den Lichtenfelser, weil er einen Rechtsstreit mit dem Wirt verwickelt war. Außerdem ließ das Vorstrafenregister des Mannes so etwas wie ein Muster erkennen. Immerhin war er bereits sechs mal im Zusammenhang mit Diebstahl verurteilt worden.

„Ich habe vom Einbruch erst durch die Vorladung bei der Polizei Kenntnis erhalten“, versicherte der Angeklagte. Sein letzter Arbeitstag in dem Lokal sei am 7. Dezember 2018 gewesen. Es habe Spannungen zwischen ihm und dem Arbeitgeber gegeben, weil er auf einem Arbeitsvertrag bestanden habe, diesen aber trotz Zusage nie erhielt. Dann habe er seine „Schlüsse daraus gezogen“ und sei gegangen. Dass ein gezogener Schluss gleich zum Entschluss für einen Diebstahl geführt habe, vermutete die Staatsanwaltschaft. Doch die Beweisführung sollte nicht gelingen.

Zwar trat ein ehemaliger Kollege des 32-Jährigen als Zeuge auf, doch er war nur bedingt Augenzeuge des Geschehens. Den Einbruch sah er nicht, aber er entdeckte „das große Loch in der Tür.“ Der 35-jährige Koch bestätigte, dass nur die Mitarbeiter wussten, wo das Geld aufbewahrt wurde. Somit komme nicht nur der Angeklagte in Frage. Seines Wissens habe die Summe sich nur auf 400 bis 500 Euro belaufen. Und dass dessen Fingerabdrücke auf dem Behältnis sichergestellt wurden, war wegen seiner vorherigen Tätigkeit dort zu erwarten.

Der Koch entdeckt das Loch in der Eingangstür

Darum war es nicht möglich, ihn der Tat zu überführen. Für einen Freispruch reichten die Zweifel allerdings auch nicht, so dass das Verfahren ohne Auflage für den Angeklagten eingestellt wurde.

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