LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels: Kopf gegen Pflaster geschlagen

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

War es womöglich nur ein Verständigungsproblem, welches da der Körperverletzung zugrunde lag? Rechtsanwalt Manfred Glöckner sollte dies dem Kneipenvorgang vom 27. Januar des vergangenen Jahres zugute halten. An diesem Tag legte ein Mann den anderen zwar nicht aufs Kreuz, aber auf den Bauch. Gewaltsam und nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch noch mit Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Richterin Daniela Jensch hatte zu entscheiden.

Ruhig saß der Angeklagte neben seinem Rechtsanwalt. Sortiert. Tätig in der Branche, die für Sicherheit bei Veranstaltungen zu sorgen hat. Der 33-jährige Coburger bestritt den durch Staatsanwältin Jana Müller verlesenen Vorwurf, einen polnisch sprechenden Mann vor der Tür des Hauses grundlos zu Boden gebracht und dann auch noch dessen Kopf dreimal gegen das Pflaster geschlagen zu haben.

„Ich hatte Dienst (…) und

eine aggressive Person

nach draußen begleitet.

Er wollte immer wieder rein. Und da habe ich ihn

auf den Rücken gelegt.“

Angeklagter,

33-jähriger Security-Mitarbeiter

„Ich hatte Dienst (…) und eine aggressive Person nach draußen begleitet“, so der Mann. Zu der Blutung, die der Gast am Auge erlitt, bemerkte der Angeklagte: „Wenn es von mir aus kam, tut' s mir leid. Es war keine Absicht.“ Richterin Jensch interessierte sich für die Frage, was unmittelbar vor der Auseinandersetzung geschehen ist. „Er wollte immer wieder rein. Und da habe ich ihn auf den Rücken gelegt“, so die Antwort.

Weiterer Anklagepunkt: 13-Jährigen angeblich heftig angefasst

Das war das eine. Aber Jana Müller verlas noch einen weiteren Anklagepunkt, den nämlich, wonach der 33-Jährige in Coburg einen 13-jährigen Schüler heftig angefasst haben soll, um einen Blick in dessen Handy-Fotogalerie zu werfen. Er vermutete, dass der Junge die Tochter seiner Freundin ungefragt fotografiert haben könnte.

„Ich habe eine geraucht,

und der Herr kam auf mich zu - sehr nahe. Und er sagte irgendwas, dann hat er mich auf den Boden gedrückt.“

Opfer

Was den Tatbestand der Körperverletzung anbelangt, so durfte man auf die Aussagen des Opfers gespannt sein. Dass er Opfer einer Gewalttat wurde, ist unzweifelhaft. Das belegen von der Polizei aufgenommene Fotografien, welche den aus einem Lichtenfelser Nachbarort stammenden 39-jährigen Polen mit blutiger Wunde über einem Auge zeigten. „Ich habe eine geraucht, und der Herr kam auf mich zu - sehr nahe. Und er sagte irgendwas, dann hat er mich auf den Boden gedrückt“, erinnerte sich der Mann (Übersetzung eines Dolmetschers) an das, was dem Geschehen vorausging.

Dass sein Kopf mehrmals gegen den Boden gedrückt wurde, war für den Enddreißiger unstrittig. Überhaupt zeigte er Verwunderung darüber, weshalb in seinem Krankenhaus-Befund davon die Rede war, dass er keine Schmerzen gehabt habe. Er habe sehr wohl Kopfschmerzen gehabt, und das vier Tage lang.

Mit 2,24 Promille im Blut ins Krankenhaus eingeliefert

Eingeliefert wurde er jedenfalls mit 2,24 Promille. Dieser Wert stellte für ihn einen weiteren Beleg dafür dar, keinesfalls vorher provoziert zu haben. In dem Zustand sei ihm so etwas gewiss nicht möglich gewesen.

Klar und deutlich wurde der Mann von Richterin Jensch gefragt, ob er im Angeklagten auch den Täter erkenne. Klar und deutlich bejahte der Gefragte.

In Bezug auf den zweiten angeklagten Sachverhalt trat der 13-jährige Schüler in den Zeugenstand und bekräftigte, dass er von dem 33-Jährigen bedrängt worden sei. Eine Klassenkameradin, eben die Tochter der Freundin des Angeklagten, habe einen Zwist mit dem Schüler gehabt und sich darüber beschwert, fotografiert zu werden. Aber die Vorgehensweise des Angeklagten sei doch ruppig gewesen. Überdies habe er den Teenager auch mit den Worten gewarnt, dass er wisse, wo sein Klassenzimmer sei.

3600 Euro Geld- statt Bewährungsstrafe

Ansonsten, das ließ sich aus dem Vorstrafenregister des Angeklagten ersehen, hatte er bislang einen Eintrag wegen gefährlicher Körperverletzung vorzuweisen. Eben darum plädierte Staatsanwältin Jana Müller auf eine Bewährungsstrafe. Fünf Monate Haft wollte sie verhängt sehen. Und stieß damit auf Widerstand bei Rechtsanwalt Manfred Glöckner. Der setzte sich für eine bloße Geldstrafe ein, deren Höhe er „ins Ermessen des Gerichts“ stellte. Auch der Angeklagte selbst sprang für sich ein und versicherte: „Ich würde mich persönlich bei ihm (dem Kind) entschuldigen.“

Dann sollte es nicht lange bis zur Urteilsverkündung dauern. Auf 3600 Euro Geldstrafe bemaß Richterin Jensch ihren Beschluss.

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