LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels: Ein Einbruch in nebulöser Nacht

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Dass sich 38-jährige Landkreisbewohner an diesen einen Augusttag des vergangenen Jahres nicht mehr erinnern kann, ist schon beinahe eigenwillig, denn es ist ihm wirklich viel passiert. „Ich sag' Ihnen alles was ich weiß“, so der Mann am Dienstagmorgen gegenüber Richterin Daniela Jensch im Amtsgericht.

Doch im nächsten Satz sagte er noch etwas: „Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht an viel erinnern.“ Es ging um einen Diebstahl, der dem Mann 500 Euro eingebracht haben soll. Aus einem Büroraum soll er sie entwendet haben, auch mittels eines nachgemachten Schlüssels. Doch abgesehen davon soll er auch einen Sachschaden angerichtet haben, der höher als der Wert des gestohlenen Geldes lag.

Woran sich der Mann während seiner Befragung allerdings erinnern konnte, war bemerkenswert. Er habe in jener Nacht vom 2. zum 3. August ein Antidepressivum eingenommen. Das aber dummerweise auch noch in Kombination mit Alkohol.

Auch noch in den Fluss gefallen

Irgendwann sei er auch noch in einen Fluss gefallen und am Morgen habe er gemerkt, dass er 300 Euro bei sich trug. „Ich habe gebetet, dass es nur ein Traum gewesen ist.“ Doch es war Realität, auch wenn während der Verhandlung kaum Näheres darüber bekannt wurde, wie diese Realität aufgedeckt worden ist.

Zwar brachte Roland-Stephan Lehnert vor, dass der wie auch immer entstandene Sachschaden weit unter dem von Staatsanwältin Anna Saam genannten Betrag lag, doch wieso Saam von 500 Euro ausging, wo doch die bestohlene Firma von einem „Gutmachbetrag“ von 300 Euro lag, erfuhr ein Prozessbeobachter nicht.

Zahlreiche Vorstrafen auf dem Kerbholz

Dafür erfuhr er von dem von Lehnert ins Feld geführten Umstand, dass sein Mandant damals Selbstanzeige erstattet habe. Dies bestätigte im Zeugenstand ein mittlerweile pensionierter Polizist.

An einem Punkt war es dann soweit, dass das Vorleben des Angeklagten zur Sprache kam. Wie Richterin Daniela Jensch verlas, stehen im Bundeszentralregister elf Einträge zu dem Landkreisbewohner. Wie sich zeigen sollte, hatte der Mann schon vier Anklagen wegen Diebstahl durchlebt, zwei wegen Körperverletzung und weitere wegen Sachbeschädigung oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Angeklagte zeigte sich einsichtig und vertrauensvoll. „Zu verteidigen gibt es nichts euer Ehren. Ich schäme mich wirklich, ich lege das Urteil in Ihre Hände.“ Doch wie teuer sollte ihn der Vorfall kommen?

Immerhin befand Saam in ihrem Plädoyer, das sie damit begann, dass der Sachverhalt im Wesentlichen bestätigt wurde, dass „130 Tagessätze mal 40 Euro tat- und schuldangemessen“ seien. Diese sich somit auf insgesamt 5200 Euro belaufende Geldstrafe sein aber die letzte, was danach folgen würde, wäre eine Haftstrafe.

Eine Haftstrafe sollte auch Richterin Jensch nicht aussprechen. Sie beließ es bei einer Geldstrafe, wenngleich auch um eine 400 Euro mildere als von Saam gefordert. „Jetzt noch mal 'ne Geldstrafe – dann möchte ich Sie hier auch nicht mehr sehen“, gab die Richterin dem Mann mit auf seinen Weg aus dem Gericht.

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