LICHTENFELS

Am Amtsgericht: Bruderzwist mit großen Folgen

Betrüger will die Leute „glücklich machen“

Es war eine Sache unter Brüdern, die am Dienstag im Amtsgericht beinahe verhandelt werden sollte. Schläge ins Gesicht – vorsätzliche Körperverletzung. Was letztlich wirklich Bestand haben sollte, war eine Anklage wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Angeklagte hatte über 200 Gramm Marihuana bei sich daheim.

Als das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Matthias Huber kurz nach 9 Uhr zusammentrat, da sollte sich schon bald die Ahnung verdichten, dass ein Zwist unter Brüdern keine weiteren Folgen haben dürfte. Einfach darum, weil es zwischen so nahen Verwandten ein Zeugnisverweigerungsrecht gibt. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, was hinter der Angelegenheit vom 17. November 2020 steckte.

Dem Bruder „unvermittelt ins Gesicht“ geschlagen

Der 30-jährige Angeklagte geriet mit seinem älteren Bruder in Streit und schlug diesem laut Staatsanwältin Anna Saam „unvermittelt ins Gesicht“. Als der getroffene 32-Jähriger dann vom Stuhl fiel, war laut Saam noch nicht Schluss, denn dann folgten noch zwei weitere Faustschläge. Auch wenn der ältere Bruder im Zeugenstand deutlich machte, dass er sich nicht zu dem Vorfall äußern wird und die Angelegenheit somit zu den Akten gelegt wurde, hatte genau dieser Vorfall doch auf anderem Gebiet ein Nachspiel für den Angeklagten.

Es bestand darin, dass im Zuge der Gewalttat einen Tag nach dem 17. November 2020 aufflog, dass er unter die Marihuana-Anbauer gegangen ist. 260 Gramm wurden sichergestellt, zwar von minderer Qualität aber ausreichend für eine Anklage und für den Verdacht, es sei zum Weiterverkauf bestimmt gewesen.

Seit der Tat „kein Kontakt mehr mit dem Stoff“

Eben das bestritt der von Rechtsanwalt Bernd Legal vertretene Angeklagte mit ruhigen Worten. Mehr noch: Seit dem damaligen Auffinden habe er „keinen Kontakt mehr mit dem Stoff“ gehabt, so der 30-Jährige. Vor Jahren noch, so die Rede, habe der tägliche Konsum bei 0,5 bis ein Gramm pro Tag gelegen. Doch seitdem kam es zu einer psychotherapeutischen Behandlung mit Abstandsgewinnung. Drei Jahre vorher sah die Sache noch anders aus, denn vorbestraft war der Angeklagte durchaus. Das Bundeszentralregister wies einen Eintrag wegen vorsätzlichem unerlaubtem Erwerb aus. Im Laufe der Verhandlung sollte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft von der Idee abrücken, dass die aufgefundenen Marihuanamengen womöglich für Verkauf und Handel bestimmt gewesen sein könnten. Hintergrund dessen war die für minder erachtete Qualität.

Doch ansonsten betonte Saam in ihrem Plädoyer die „einschlägige Vorstrafe“. Neun Monate Haft zur Bewährung erachtete sie für schuld- und tatangemessen und sprach sich für eine Bewährungszeit von drei Jahren aus. Überdies für 100 Arbeitsstunden als Bewährungsauflage. Verteidiger Legal sah gleichfalls keine Anhaltspunkte für ein Handeltreiben gegeben, dafür aber Gründe, „keine längere Freiheitsstrafe als sechs Monate“ zu fordern.

Acht Monate Haft zur Bewährung

Letztlich und nach kurzer Dauer der Beratung sollte das Urteil wie ein Kompromiss aus beiden vorher geäußerten Forderungen wirken. Zu acht Monaten Haft auf Bewährung fiel das Urteil aus. Drei Jahre lang wird der Verurteilte unter Bewährung stehen, zwei Jahre davon auch unter Beobachtung eines Bewährungshelfers. Doch auch mit 100 Arbeitsstunden, die binnen vier Monaten abzuleisten sind, hatte es nicht sein Bewenden, denn viermal pro Jahr hat der verurteilte Lichtenfelser den Nachweis zu erbringen, dass er abstinent blieb.

Sein Bruder sollte zu diesem Zeitpunkt den Gerichtssaal längst verlassen haben. Der Urteilsverkündung wohnte er nicht bei, und überhaupt kam es zwischen den Brüdern nicht mal zu Blickkontakt.

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