SCHNEY

Alte Telefonzelle in Schney: Ein Zeitzeuge ganz in Feuerrot

Alte Telefonzelle in Schney: Ein Zeitzeuge ganz in Feuerrot
Zwei historische Schmuckstücke: Neben dem Telefonhäuschen steht der Brezelkäfer. Er ist fast 71 Jahre alt. Foto: Esther Schadt

Durch eine schmale Tür trat man ein. Bevor es losgehen konnte, musste zunächst eine Münze eingeworfen und an einer Wählscheibe die richtige Nummer eingegeben werden. Der Aufenthalt dauerte in der Regel auch nicht allzu lange. Heute fast vergessen – das Telefonhäuschen. Peter Goller und Dieter Langbein restaurierten ein alten Fernsprecher-Häuschen. Das steht jetzt in Gollers Garten in Schney.

„Mein Sammlerkollege, Gerhard Strössner, mit dem ich Röhrengeräte der Unterhaltungselektronik sammle, erwähnte bei einem Gespräch, dass er auf einem Grundstück nahe seinem Wohnhause eine Telefonzelle Baujahr 1936 stehen hat“, erinnert sich Goller. Diese sei zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Verfall gestanden. „Die mussten wir einfach retten.“

„So ein Modell in einem

Garten stehen zu haben, dürfte

wohl einmalig sein.“

Peter Goller, Sammler

Strössner schenkte ihm diese unter der Auflage, er müsse sich um den Abtransport kümmern. Noch im Jahr 1995 wurde die Telefonzelle von Coburg nach Schney verbracht. „Daheim wurde sie sofort sandgestrahlt und grob mit Rostschutzfarbe eingepinselt. Anschließend fiel die zerlegte Zelle für 25 Jahre wieder in einen Dornröschenschlaf“, berichtet Peter Goller. Es sei das erste standardisierte Häuschen, das es in zwei Ausführungen gegeben habe: Ein Kleineres mit einer Grundfläche von ein mal ein Metern und ein Größeres mit 1,13 mal 1,13 Metern, in das bei Bedarf bis zu drei von außen benutzbare Postwertzeichengeber eingebaut werden konnten.

Nachdem ein Platz im Garten gefunden war, wurde mit der aufwendigen Restauration begonnen, die insgesamt etwa fünf Monate beansprucht habe. „Ich wurde dabei tatkräftig von meinem Schwiegervater Dieter Langbein unterstützt, der ein ausgesprochenes All-Round-Talent ist“, berichtet Goller.

Alte Telefonzelle in Schney: Ein Zeitzeuge ganz in Feuerrot
Das Telefonhäuschen war bereits kurz vor dem Verfall. Foto: ESther Schadt

Für die Beschriftung der Fenstereinsätze im Dach habe Langbein für den Schriftzug „Fernsprecher“ eine Schablone für die Buchstaben in Frakturschrift von Hand gefertigt. Nicht mehr original seien die vielen Glaseinsätze aus verdrahtetem Strukturglas. „Aus Kostengründen und zum Schutz vor Beschädigung beim Mähen durch umherfliegende Steinchen haben wir uns für Kunststoffglas entschieden und die ursprüngliche Beleuchtung mit Glühbirnen im Dach haben wir durch eine moderne LED-Beleuchtung ersetzt.“

Gelb, blau und feuerrot

Die ursprüngliche Farbe der damaligen Reichspost von 1934 bis 1946 sei feuerrot gewesen. Davor waren die Farben gelb, blau und nach 1946 bekanntlich wieder gelb.

„So ein Modell in einem Garten stehend dürfte wohl einmalig sein, denn es konnten damals keine Privatpersonen eine ausrangierte Zelle kaufen. Sie wurden alle verschrottet, nur einige wenige fanden ihren Weg in Museen“, meint Goller.

Die Telefon-Häuschen durch ein Zufall entdeckt

Alte Telefonzelle in Schney: Ein Zeitzeuge ganz in Feuerrot
Originalgetreu: Die Aufschrift „Fernsprecher“ wurde per Hand rekonstruiert. Foto: Esther Schadt

Nur durch Zufall seien Strössner und dessen Vater, die damals beide bei der Post beschäftigt waren, an dieses Häuschen gekommen: Auf ihrem Heimweg trafen diese auf Arbeiter, die gerade dabei waren, die Telefonzelle abzubauen.

An dem Häuschen ist das Bezeichnungsschild „Öffentlicher Fernsprecher“ und innen das Schild „Fasse Dich kurz“ angebracht.

Zum Teil sei auch ein Hocker vorhanden gewesen. Nur ein zeitgenössisches Telefon fehle noch, wie zum Beispiel ein Münzfernsprecher 28c oder ein Ortsmünzfernsprecher 30.

„Erst 1953 war ein neues Fernsprechhäuschen einführungsreif. Typbezeichnung FeH53, das man heute noch ab und zu auf diversen Portalen kaufen kann“, erklärt Goller.

Die meisten Telefonzellen sind für immer verschwunden

Als er das Häuschen 1995 geschenkt bekommen habe, gab es noch etwa 120 000 Telefonzellen in Deutschland. Heute sind davon nicht mehr allzu viele übrig geblieben.

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