LICHTENFELS

Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Thottankara am 31. Juli

Seit rund 16 Jahren ist George Thottankara Seelsorger in der katholischen Pfarrei Heilige Familie Lichtenfels. Zum 1. September dieses Jahres geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Foto: Roger Martin

George Thottankara feiert bald seinen 70. Geburtstag. Dieses Alter sieht man ihm nicht an. Aber ist wahr, wie vieles andere momentan, obwohl man es nicht glauben mag, wie er sagt. Seit 16 Jahren ist der gebürtige Inder nun Pfarrer in der „Heiligen Familie“ in Lichtenfels, eine der beiden katholischen Stadtpfarreien. Es ist sein letztes Jahr als aktiver Geistlicher am Obermain.

Am 1. September dieses Jahres geht der 69-Jährige in den verdienten Ruhestand. Erzbischof Ludwig Schick hat George Thottankara auf dessen Antrag hin bereits vor einiger Zeit mit Wirkung vom 1. September von seinen Aufgaben als Administrator der Pfarrei Lichtenfels Heilige Familie und der Kuratie Trieb entpflichtet und versetzt ihn zum gleichen Datum in den Ruhestand – mit Dank und Anerkennung für seine langjährigen Dienste in der Seelsorge. Der Termin für den Abschiedsgottesdienst steht bereits fest: Es ist Sonntag, 31. Juli um 16 Uhr.

„Die Vorbereitung für meinen Abschied hat für mich innerlich schon begonnen“, sagt George Thottankara im Gespräch mit dieser Redaktion. Er verspüre eine gewisse Aufregung angesichts dieser Zäsur. „Es ist schwer, von einer Pfarrei fortzugehen, in der man fast 16 Jahre Seelsorger war,“ sagt er.

Er habe in Lichtenfels viele sympathische und freundliche Menschen kennengelernt und erlebt. Die gesamte Kirchengemeinde sei für ihn ein harmonisches Ganzes. Er sei davon überzeugt, dass sich die Kirchengemeinde Hl. Familie in seiner Zeit gut weiterentwickelt habe.

„Wir haben gut zusammengepasst.“
Pfarrer George Thottankara über sein Team in der Heiligen Familie

Er habe auf eine gute Tradition mit erfolgreichen Vorgängern aufbauen können. Dazu habe er sich jederzeit auf eine sehr gut funktionierende Kirchenverwaltung und auf einen sehr engagierten Pfarrgemeinderat verlassen können. Natürlich habe auch er Anteil an der guten Entwicklung, aber „alles haben wir immer mit einem Team“ erreicht, so der Pfarrer weiter. „Wir haben gut zusammengepasst.“

Gut zusammengepasst haben offenbar auch der Pfarrer und die Gläubigen. Thottankara will, dass Gottesdienste „Tankstellen und Kraftquellen“ für die nächsten Tage sind. Dies wünsche er seiner Noch-Pfarrei auch für die Zeit nach ihm. Es lohne sich, am Sonntag eine Stunde Zeit für Ruhe und Besinnung bei einem Gottesdienst zu investieren.

Diese Einstellung scheint in der Pfarrei „Heilige Familie“ auf sehr fruchtbaren Boden gestoßen zu sein. Beweise dafür sind die Gottesdienst-Besuche, auch in der Corona-Zeit. „Unsere Gottesdienste am Sonntag waren und sind immer gut besetzt“, sagt der Geistliche. Für einen Priester sei dies „das Beste“. In der Pfarrkirche finden 450 Personen Platz, mit Corona-Regeln ist die Zahl auf 80 beschränkt. Diese Art der Zustimmung werde er sicher vermissen, wenn er nicht mehr in Lichtenfels sein wird.

Sommerurlaub ist fester Termin für Familienfest in Indien

Geboren, aufgewachsen und in die Schule gegangen ist George Thottankara in Cheranalloor im Bundesstaat Kerala in Südindien. Er wollte Missionar werden. In Poona, 4000 Kilometer weg von seinem Heimatort, hat er Theologie studiert. 1980 wurde er zum Priester geweiht und war zunächst Kaplan in mehreren Pfarreien.

Über Uetzing, Reichmannsdorf und Oberköst bei Schlüsselfeld kam Thottankara 2006 als Pfarrer zur „Heiligen Familie“. Er habe unbedingt Auslandserfahrung sammeln wollen, sagt der Geistliche zu seiner damaligen Entscheidung, Indien zu verlassen.

Bei den alljährliche Kirchweihen bis Corona mischte sich Pfarrer George Thottankara gerne unter die Besucher und verbrei... Foto: Alwin Funk

In Franken habe er dann allmählich das Gefühl bekommen, dass er hier an der richtigen Stelle ist. Die vollkommen andere Art der Seelsorge bei uns im Vergleich zu seiner Heimat hat ihn offenbar nicht zweifeln lassen. „Das Priesterleben in Indien und in Deutschland ist völlig verschieden. Hier hat Seelsorge feste Regeln. In Indien kümmert sich ein Priester nicht nur um Sakramente und Seelsorge. Er leistet viel Sozialarbeit oder ist in Entwicklungspojekten engagiert.“ Thottankara arbeitete als junger Priester verantwortlich in einer ebenfalls noch jungen Diözese in einem Sozialprojekt für Kinder und Frauen mit.

Die Verbindung zu seinem Heimatland hat George Thottankara stets gehalten. Seit vielen Jahren verbringt er seinen Sommer-Urlaub zusammen mit seinen zwei Brüdern und zwei Schwestern in seiner Heimatstadt. Einer seiner Brüder ist ebenfalls Priester. Seine Eltern leben nicht mehr. Ansonsten habe er nur noch wenig Kontakte, unter anderem tausche er sich häufig mit dem Erzbischof seiner Heimatdiözese aus, für die er auch regelmäßig spendet und Spendenaktionen organisiert.

Mit 70 Jahren setzt das Kirchenrecht eine Altersgrenze

Dass Pfarrer Thottankara nicht noch ein oder zwei Jahre als Priester „drangehängt“ hat, hängt auch mit organisatorischen Veränderungen im Seelsorgebereich zusammen, bei denen Lichtenfels und die Heilige Familie eine wichtige Rolle spielen werden. „Da ist es besser, wenn ich dabei nicht mehr eingebunden bin,“ sagt er. Zudem sei der 70. Geburtstag kirchenrechtlich die altersmäßige „Schallmauer“ für den Priesterberuf.

Die Vermutung liegt nahe, dass George Thottankara seinen Lebensabend in seiner indischen Heimat verbringen wird. Aber es zieht ihn dauerhaft nicht dorthin. In Indien gebe es bereits sehr viele und junge Priester. Seine Heimatpfarrei dort sei ausreichend versorgt. „Die brauchen mich dort nicht mehr“, sagt der 69Jährige.

Auf ehrenamtliche Mitarbeiter in seiner Pfarrei – wie hier die Frauen des Bastelkreises – konnte sich Pfarrer George Tho... Foto: Alfred Thieret

Er will in Franken bleiben und hat sich um die seelsorgerliche Mitarbeit im Caritas-Seniorenheim St. Martin in Eggolsheim nahe Buttenheim beworben. Es wird von indischen Ordensschwestern der Kongregation der Assisi Schwestern von Maria Immaculata geleitet. Thottankara hält dort bereits seit vielen Jahren an seinen dienstfreien Montagen Vormittags-Gottesdienste für die Hausbewohner, da es ansonsten dort noch keinen Hausgeistlichen gibt. Wenn es gewünscht werde, wolle er dort jeden Tag einen Gottesdienst für die älteren Menschen halten. Er sei bereits auf Wohnungssuche in Eggolsheim.

George Thottankara kann sich momentan nicht vorstellen, im Ruhestand keine Seelsorge zu leisten. „Ohne die Seelsorge fehlt mir ein großer Teil meines Lebens.“ Die Berufung dazu sei für ihn so stark, dass er ohne Seelsorge schneller krank werde. „So lange ich kann, will ich als Seelsorger aktiv sein.“

Eggolsheim ist nicht weit weg von Lichtenfels und George Thottankara ist Seelsorger mit Leib und Seele . Es scheint also nicht ausgeschlossen, dass er – wenn hier das Personal zu knapp wird – auch über 2022 hinaus bei uns als Seelsorger auftritt.

 

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