LICHTENFELS

Abgeordnete Emmi Zeulner: „Revolution in der Pflege nötig“

MdB Emmi Zeulner: „Revolution in der Pflege nötig“
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (2.v. li.), traf sich mit MdB Emmi Zeulner (2. v. re.), Landrat Christian Meißner (li.) und Vertretern der Pflege. Foto: Dominik Schreiner

Rund 160 Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Pfleger fehlen derzeit in Oberfrankens Kliniken. Woran liegt das? „Der Job ist unattraktiv für junge Menschen – der finanzielle Anreiz fehlt und der Leistungsdruck ist sehr hoch“, berichtet ein angehender Pfleger aus dem Regiomed Klinikum Lichtenfels in einer Pressemitteilung des Büros der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner.

„Es geht um eine leistungsgerechte Bezahlung, gesellschaftliche Anerkennung und wohl um den wichtigsten Punkt: die Möglichkeit im Pflegebereich ,Mensch' sein zu können und nicht nur als ,Arbeitsmaschine' angesehen zu werden. Deswegen ist es zwingend notwendig die personellen Ressourcen zu erhöhen“, erklärt Emmi Zeulner. Für sie ist deshalb eine „Revolution in der Pflege“ dringend notwendig.

Aus diesem Grund hat die Bundestagsabgeordnete den Bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek in das Regiomed Klinikum Lichtenfels eingeladen, um mit ihm sowie den ortsansässigen Pflegefachkräften im Rahmen eines Runden Tisches – direkt aus der Praxis - über die Lücken des Pflege-Systems zu sprechen. „Das Gesundheitssystem darf nicht geprägt sein von Gewinnmaximierung, sondern muss gekennzeichnet sein durch Menschlichkeit, Nähe, Geborgenheit und medizinische Versorgung auf höchstem Niveau“, fordert dabei die Abgeordnete Zeulner. Denn Pflegefachkräfte seien weitaus mehr als „nur“ Pflegefachkräfte – sie sind Ansprechpartner, Freundin und medizinische Hilfe zugleich.

„Entlassungsmanagement“ ein wichtiges Thema

Während des Gesprächs mit Staatsminister Holetschek sowie der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner wurde das Thema „Entlassungsmanagement im Krankenhaus“ angesprochen: „Wenn ältere Patientinnen und Patienten ins Krankenhaus kommen, steht in vielen Fällen kein Angehöriger als Ansprechpartner zur Verfügung. Hier liegt dann die Hauptaufgabe bei uns, eine adäquate Versorgung im Bereich Kurzzeit- und Langzeitpflege zu koordinieren. Das ist ein tagtäglicher Kampf und nimmt immens viel Zeit in Anspruch“, sagt eine Krankenschwester. „Hier braucht es einfach eine bessere Koordinierung“, fordert sie.

Auch im Bereich der praktischen Ausbildung gelte es nachzusteuern. „Die generalistische Pflegeausbildung bietet zwar eine tolle praxis- sowie theorieorientierte Ausbildung für Pflegefachkräfte. Doch bei der praktischen Ausbildung müssen die Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter parallel zu ihrem eigentlichen Job als Gesundheits- und Krankenpfleger noch zusätzlich Lehrlinge ausbilden. Das ist eine große Aufgabe für uns Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter - es würde uns sehr viel helfen, wenn hier die Möglichkeit einer Freistellung geboten wäre und zusätzlich finanzielle Anreize geschaffen werden würden“, erklärt eine Praxisanleiterin des Lichtenfelser Klinikums dem Staatsminister Holetschek.

Rahmenbedingungen müssen verbessert werden

Staatsminister Holetschek sagte: „Die Leistung der Pflegekräfte in den Krankenhäusern im Kampf gegen die Corona-Pandemie verdient allerhöchste Anerkennung, Dank und großen Respekt – und dies seit mittlerweile weit über einem Jahr. Klar ist aber auch: Beim Pflegeberuf müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden – hier muss noch an einigen Schrauben gedreht werden.“ Erste wichtige Schritte seien bereits getan: Dass die Freistellung von Praxisanleiterinnen und -anleitern durch den Ausbildungsfonds finanziert wird, sei eine der wesentlichen Neuerungen durch das Pflegeberufegesetz. Leider scheine dies in der Praxis noch nicht überall bekannt zu sein, so der Minister. Hier seiend alle Akteure gefordert, noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Der Minister ergänzte: „Die Pflege steht für mich ganz oben auf der Agenda. Wir müssen hier für Verbesserungen sorgen – das sind wir sowohl den Patientinnen und Patienten, den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen als auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pflegeberufen schuldig!“ Auf Initiative Bayerns sei die Pflege bereits aus den Fallpauschalen herausgenommen worden. Damit könnten an Krankenhäusern Tarifvergütungen über das Pflegebudget verlässlich refinanziert werden. Attraktive Vergütungsstrukturen seien aber Aufgabe der Tarifvertragsparteien. Und auch die Krankenhausträger seien gefordert: „Sie können die Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte zum Beispiel auch durch verlässliche Schichtmodelle weiter verbessern.“

Mehr als nur Applaus notwendig

„Der Respekt vor der Pflege braucht mehr als nur Applaus. Hier braucht es dringend eine Revolution in der Pflege“, fügt die Abgeordnete Zeulner hinzu. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist bereits mit der Herausnahme der Pflege aus den Fallpauschalen getan: „Die Pflege soll zukünftig nicht mehr das Sparschwein der Krankenhäuser sein. Das war ein harter Kampf, den ich mit Kollegen in den Koalitionsgesprächen gegen den Widerstand des Bundesgesundheitsministeriums und anderen durchgeboxt habe. Es scheitert im Gesundheitssystem nicht am Geld. Sondern es geht um eine gerechte Verteilung und Transparenz“, erklärt MdB Zeulner.

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