LICHTENFELS

Ab 33 Infektionen in sieben Tagen drohen Beschränkungen

Trotz des kurzfristigen Ansteigens der Infektionszahlen mit dem Coronavirus in der vergangenen Woche hat der Landkreis Lichtenfels den kritischen Wert für eine Rücknahme der Lockerungen der Kontaktsperre nicht erreicht, wie Pressesprecher Andreas Grosch vom Landratsamt auf Anfrage mitteilt. Es gibt zwei Kennzahlen, die im Rahmen von Neuinfektionen beachtet werden müssen: Die Werte 50 und 35 bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Diese neue, bundesweit eingeführte sogenannte „Sieben-Tage-Inzidenz“ umfasst die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage.

Wie die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis berechnet wird

Demnach dürfte diese Zahl nicht über die Schwelle von 50 Fällen je 100 000 Einwohner steigen, da ansonsten, wie von der Bundeskanzlerin gemeinsam mit den Regierungschefs der Länder angekündigt, den jeweiligen Landkreisen wieder Beschränkungen auferlegt würden. Dies gelte es aber auf den jeweiligen Einzelfall und die Situation vor Ort zu bewerten und sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln, so Grosch.

Neu sei, dass es eine Vorwarnstufe gibt. Dieser Signalwert liegt bei 35 Fällen pro 100 000 Einwohner. „Im Landkreis Lichtenfels haben wir diesen Wert bislang nicht erreicht“, betont Grosch. Am 16. Mai lag der Wert bei 32,9 (also knapp unter der Marke von 35). Am 19. Mai betrug die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis 25,4, was 17 Neuinfektionen in sieben Tagen entspricht. Heruntergerechnet auf die 66 865 Einwohner des Landkreises liegt der kritische Wert bei 33 Neuinfektionen, die in sieben Tagen nicht überschritten werden dürfen, also je nach Rechnung vier Neuerkrankungen pro Tag.

Die Reaktion beim Überschreiten dieses Werts hängt vom Ausbruchsgeschehen ab: Lässt es sich lokal eingrenzen wie beim Pflegeheim am Eichberg, so werde nur die betroffene Einrichtung abgeriegelt, bei einem verteilten Ausbruchsgeschehen und unklaren Infektionsketten müssen auch regionale Beschränkungen verhängt werden. Diese müssen aufrechterhalten werden, bis dieser Wert mindestens sieben Tage lang unterschritten wird. Steige die Zahl weiter und könne die Infektionskette nicht unterbrochen werden, sei auch eine Sperrung der Gebiete für „nicht erforderliche Mobilität“ erforderlich.

„Höchstwahrscheinlich könnte ein Mitarbeiter, der keinerlei Symptome hatte, unbewusst das Virus verbreitet haben.“
Andreas Grosch, Landratsamt Lichtenfels

Die Gesundheitsämter seien verpflichtet, ab Erreichen des Signalwerts dem Gesundheitsministerium zu begründen, woran das liegt und was dagegen unternommen wird. Im Falle des Pflegeheims in Marktgraitz habe das Gesundheitsamt umfangreiche „Umgebungsuntersuchungen“ angestrengt, Abstriche der Bewohner und Mitarbeiter vorgenommen und intensive Gespräche mit der Heimleitung geführt. Außerdem wurde ein Besuchsverbot für das Haus erlassen.

„Höchstwahrscheinlich könnte ein Mitarbeiter, der keinerlei Symptome hatte, unbewusst das Virus verbreitet haben“, sagte Grosch zu den Ursachen der Infektionen im Pflegeheim Marktgraitz und bei Regens Wagner in Burgkunstadt. Der Vorfall habe keine Auswirkungen auf weitere Pflegeeinrichtungen, da jedes Haus sein individuelles Hygienekonzept entwickelt habe, das auf die Situation vor Ort maßgeschneidert sei.

Weitere Hotspots im Landkreis gebe es nicht. Die für die die einzelnen Kommunen genannten Zahlen könnten nicht auf örtliche Einrichtungen bezogen werden, da erkrankte Mitarbeiter an ihrem jeweiligen Wohnort registriert werden. So gebe es keinen Fall von Infektionen im Bezirksklinikum Kutzenberg, auch wenn steigende Fallzahlen in Ebensfeld das vermuten lassen könnten – es sei denn, Mitarbeiter aus anderen Landkreisen wären betroffen.

Um die Seuche einzudämmen und Infektionen nachzuverfolgen, habe das Landratsamt das Gesundheitsamt personell verstärkt. So arbeiten dort zusätzliche Mitarbeiter des Landkreises sowie externe Kräfte. Außerdem unterstütze das ContractTracingTeam die Fachleuchte vor Ort. Dafür ordert das Gesundheitsministerium pro 20 000 Einwohner jeweils ein fünfköpfiges Team ab.

Der jüngste der an Covid-19 gestorbenen Patienten war 67 Jahre alt

Bei den vier am Coronavirus gestorbenen Patienten aus dem Landkreis handelt es sich um drei Männer und eine Frau. Während der erste Tote 89 Jahre alt war, waren die weiteren Opfer 73, 67 und 77 Jahre alt.

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