LICHTENFELS

9-Euro-Ticket: Wanderung auf dem Pfad der Flechtkultur

Am Ufer des Ortswiesensees entlang. Foto: Corinna Tübel

Was ist ein Schelch? Und welche Rolle spielten Wanderlehrer beim Flechten? Die Antworten liegen auf dem Pfad der Flechtkultur, der für Einheimische und Touristen gleichermaßen empfehlenswert ist. Auf rund 14 Kilometern lernen Wanderer wichtige Orte dieser ganz besonderen Kunst kennen, die einst über Jahrhunderte die wirtschaftliche Basis für viele Menschen am Obermain bildete. Auch eine kurze Variante von 7,7 Kilometern ist möglich – so können auch Kinder mitlaufen.

Beide Routen starten am Marktplatz. Der Erlebnisrundwanderweg in seiner vollen Länge folgt zunächst dem schwarzen Kreis auf weißem Hintergrund. So kommen wir an der Stadtpfarrkirche und dem Oberen Tor vorbei zur einzigartigen „Deutschen Korbfachschule“. Hier werden jedes Jahr interessierte und mutige Korbflechterinnen und Korbflechter ausgebildet, denen sich vielfältige Arbeitsplätze eröffnen.

Das Deutsche Korbmuseum hält Exponate aus allen Erdteilen bereit, die die ganze Welt des Flechtens zeigen. Foto: Corinna Tübel

Nach der Eisenbahnbrücke gelangen wir in den Ortsteil Oberwallenstadt, schreiten am Ufer des Mains und dem Hochwasserdamm voran, bis wir in nach Michelau gelangen. In der Korbmachergemeinde folgen wir der Wegmarkierung 4. Vom Ende der langen Mainbrücke aus ist es nicht mehr weit bis zum Deutschen Korbmuseum: Es hält Exponate aus allen Erdteilen bereit, die die ganze Welt des Flechtens zeigen – von Kinder- und Puppenwagen über Miniaturen hin zu Designermöbeln.

Entlang wunderschöner Biotope Richtung Schney

Zurück am Hochwasserdamm, überschreiten wir diesen und stoßen am Ende auf eine uralte Weide mit Hinweistafel. Sie und weitere 22 Infostationen geben kurz und präzise Einblicke in die lokale Geschichte des Flechthandwerks: Wie wurden Weiden transportiert? Welche Techniken gab es? Warum existierte eine Korbmachervereinigung?

Infotafeln entlang des Weges bieten kurz und kompakt Wissen zur Geschichte der Flechtkultur am Obermain. Foto: Corinna Tübel

Wir biegen rechts ab und folgen wieder der Markierung schwarzer Kreis auf weißem Hintergrund. Entlang zweier wunderschöner Biotope führt unser Weg über Schney am Weidenlabyrinth und dem Städtischen Flussbad vorbei. Nach der Unterquerung der Bundesstraße gelangen wir ans ehemalige Innovationszentrum Lichtenfels. Am Mühlbach entlang, über die Coburger Straße kommen wir schließlich zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, dem Marktplatz, zurück.

Die kurze Variante: Weidenlabyrinth und Flussbad

Für die kurze Variante bildet unsere Wegmarkierung durchgehend der schwarze Kreis auf weißem Hintergrund, der gleich an einer geflochtenen Riesen-Ameise vor der Unterführung vorbeiführt. Entlang der Strecke werden wir noch weitere dieser wunderbaren Figuren verschiedenster Art sehen. Rechts am Mühlbach entlang wandernd gelangen wir bald in die Mainauen, die mit vielen Sitzgelegenheiten zum ersten Verweilen einladen. Das nahe Städtische Flussbad, das mit weit ausladenden Bäumen, idyllischen Grünflächen und einer Schwimmrunde im Main ruft, schreiben wir gedanklich auf unsere To-do-Liste für den Rückweg. Wir werden wieder hier vorbeikommen.

Weide rechts, links, vor Augen und dahinter: Wer findet sich im Weidenlabyrinth zurecht? Foto: Corinna Tübel

Denn nur wenige Minuten später erwartet uns das Weidenlabyrinth: Weide rechts, links, vor den Augen und dahinter. Insgesamt 700 Meter an Gängen und über 5000 Weidenstecklinge bieten einen Sichtschutz, der von Jahr zu Jahr dichter geworden ist. So entsteht im Inneren eine gar mystische Stimmung, wenn das Sonnenlicht durch die Ritzen fällt. Mit zwei Eingängen sind die Wege so angelegt, dass jeder zum Mittelpunkt kommen kann.

Fischumleitungsbach, Weidentipi und Campingplatz

Nach der Eisenbahnunterquerung halten wir uns links, überqueren den Main und nehmen Kurs auf den Stadtsteil Schney. Übrigens: Neben der Korbindustrie entstand in Schney auch eine der ersten fränkischen Porzellanfabriken. Kurz vor der Schney führt unser Weg nach rechts und wir umrunden die Baggerseen. An zwei Biotopen vorbei halten wir uns rechts, um nicht nach Michelau zu gelangen, wie es die lange Variante dieser Wanderung will.

Ein Weidentipi lädt zur Ruhepause ein. Foto: Corinna Tübel

Am Wehr kann ein Fischumleitungsbach, der die Staustufen umläuft, bewundert werden. Wir überqueren den Main und wenden uns nach dem E-Werk wiederum nach rechts, bis wir auf den Campingplatz stoßen. Das immense geflochtene Weidentipi fügt sich wunderbar in diese Szene ein, ist es doch ein Stück Lichtenfelser Kultur. Links haltend gehen wir weiter am Baggersee entlang, bis wir an die Eisenbahnunterführung des Hinwegs gelangen. Der Rückweg führt nun wieder am Weidenlabyrinth und Städtischem Flussbad vorbei zum Marktplatz.

Na, was gelernt? Die Auflösung zum „Schelch“ und den Wanderlehrern: Ein Schelch ist ein früher auf dem Main üblicher Schiffstyp mit ungedecktem Laderaum und zwischen zwölf und 20 Meter lang. Ein Wanderlehrer sollte ab dem späten zehnten Jahrhundert den Familien, die tagein, tagaus von ein und dem gleichen Modell lebten, zu neuen Kunstfertigkeiten im Flechten inspirieren und über das Zeichnen die Fähigkeit zum Entwerfen neuer Modelle vermitteln.

Informationen: Wanderung „Pfad der Flechtkultur“: www.lichtenfels.de. Deutsche Korbmachermuseum: Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16.30 Uhr, Montag geschlossen.

Erreichbarkeit: Wer in unserem oder einem Nachbarlandkreis wohnt, kann bequem mit der Bahn oder dem Bus nach Lichtenfels fahren. Wer in Michelau erschöpft ist, kann spontan mit einem der regelmäßig fahrenden Züge oder Busse zurück in die Korbstadt gelangen.

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