LICHTENFELS

56-Jähriger von Vergewaltigung freigesprochen

Justizgebäude Coburg
Das Justizgebäude in Coburg mit dem Landgericht. Foto: Tina Scheler

Mit einem Freispruch endete am Mittwoch am Landgericht Coburg das Verfahren gegen einen 56-jährigen Mann aus dem Landkreis Lichtenfels. Ihm war vorgeworfen worden, zwei geistig behinderte junge Frauen zum Sex gezwungen zu haben. Die Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Klaus Halves war zu dem Schluss gekommen, dass es keine hinreichenden Belege für strafbare sexuelle Handlungen gebe.

Im Hinblick auf die im Raum stehenden Vergewaltigungen brachte es Staatsanwalt Dr. Ingo Knecht-Günther auf den Punkt: „Es ist aus meiner Sicht nicht gelungen, ausreichend Licht ins Dunkel zu bringen.“ In einem der beiden ihm zur Last gelegten Fälle habe der Beschuldigte bestritten, dass es sexuelle Kontakte mit der jungen Frau gegeben habe. Im Fall des anderen geistig behinderten Mädchens habe er von einvernehmlichem Sex gesprochen.

„Es ist aus meiner Sicht nicht gelungen, ausreichend Licht ins Dunkel zu bringen.“
Dr. Ingo Knecht-Günther, Staatsanwalt

Unter dem Strich, so der Staatsanwalt, stehe in beiden Fällen Aussage gegen Aussage. Die Aussagen der beiden jungen Frauen hätten keine klaren Belege für nicht einvernehmlichen Sex liefern können. Manche Angabe habe sich nachweislich als falsch erwiesen. So beantragte der Staatsanwalt, was die mutmaßlichen Vergewaltigungen betrifft, einen Freispruch.

Laut Anklage soll der Beschuldigte aber auch eine der Frauen bedroht haben. Während sie sich mit einem Bekannten unterhielt, habe er sein Fahrzeug auf den Gehweg in die Richtung der Frau gesteuert, um sie zu erschrecken. Diese Aktion sollte zum Ziel haben, die Frau so einzuschüchtern, dass sie keine Anzeige erstattet.

Neben Vergewaltigung wurden dem 56-Jährigen deswegen zusätzlich versuchte Nötigung, versuchte gefährliche Körperverletzung und ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen. „Dafür gibt es neben der Frau einen weiteren Zeugen“, meinte Knecht-Günther. Für diese Tat sei daher eine einjährige Freiheitsstrafe angemessen. Sie könne allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden, nachdem der Beschuldigte nicht vorbestraft sei. Schließlich erlaubte sich der Anklagevertreter noch eine persönliche Bemerkung: „Dennoch ist es für mich mehr als befremdlich, dass ein Mann um die 50 mit einer viel jüngeren und geistig behinderten Frau Geschlechtsverkehr ausübt.“

Auch andere Anklagepunkte nicht zweifelsfrei nachgewiesen

Nach Auffassung von Verteidiger Peer Christ gibt es „viele Hinweise, dass in dem einen Fall der Geschlechtsverkehr nicht gegen den Willen der jungen Frau stattgefunden hat“. Im Fall des anderen Mädchens habe das Verfahren „keinerlei Nachweis“ für eine sexuelle Straftat erbracht. Auch die Sache mit dem Auto sei nicht zweifelsfrei belegt worden. Dem schloss sich die Kammer an, die den 56-Jährigen von allen Punkten der Anklage freisprach.

Der 56-Jährige, der das Urteil mit sichtlicher Erleichterung aufnahm, war bei einem Fahrdienst für behinderte Menschen tätig. Seine Aufgabe als Begleiter sei gewesen, die betreuten jungen Frauen und Männer sicher zur Schule und zurück zu bringen. So hatte er die Frau, die er vergewaltigt haben soll, kennengelernt. Dann hatte es sich, wie der Beschuldigte schilderte, ergeben, dass die Mutter der etwa 20-Jährigen mit zwei weiteren Töchtern in das Haus des Angeklagten einzog.

In dem Haus sollte es schließlich zu der Vergewaltigung und einem weiteren sexuellen Übergriff gekommen sein. Der Kontakt zu einer weiteren Frau, ebenfalls mit geistiger Behinderung, sollte über seine erste Bekanntschaft zustande gekommen sein.

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