LICHTENFELS

325-Tonnen-Trafo auf dem Weg nach Würgau

Erst bei Tagesanbruch wurde die Länge von 60 Metern deutlich. Der Schwertransport war die ganze Nacht durch im Landkreis Lichtenfels unterwegs. Foto: Dieter Radziej

Es war sicherlich einer der größten Schwertransporte, den es im Landkreis Lichtenfels in dieser Form je gegeben hat. Er führte zu einer ganzen Reihe von Straßensperrungen und erforderte ein logistisches Großaufgebot. Obwohl die Aktion, wie in solchen Fällen üblich, auf die Nacht gelegt wurde, ließen sich viele Landkreisbürgerinnen und -bürger dieses Ereignis nicht entgehen.

Dieser Transport eines riesigen Trafos, immerhin mit einem Eigengewicht von rund 325 Tonnen, war relativ kurzfristig am Montag für die kommende Nacht angekündigt worden. Dennoch waren viele Einwohner und Einwohnerinnen durch Meldungen im Radio und Internet hellhörig geworden. Sie interessierte ganz einfach, wie der Transport, der natürlich präzise geplant worden war, bewältigt werden konnte.

Zugfahrzeuge mit 500 PS und zwölf bis 15 Achsen

Die Zuschauer und Zuschauerinnen fanden beim Bahnhofsgelände in Lichtenfels ein, um das Geschehen aus nächster Nähe mitzuerleben. Die Trafostation war schon verladen und zwischen zwei Tiefladern an den beiden Armen des Tragschnabelwagens befestigt worden.

Dieses Monstrum mit seinem riesigen Gewicht erforderte besondere Zugfahrzeuge. Sie waren mit jeweils 500 PS ausgestattet, hieß es vom beauftragten Unternehmen, der Spedition Kübler GmbH aus Hanau, und mit zwölf beziehungsweise 15 Achsen mit jeweils acht Reifen. Das zeigt, welche Massen hier bewegt wurden.

Die Zuschauer und Zuschauerinnen brauchten Geduld

Das gesamt Transportteil hatte eine Länge von rund 60 Metern und eine Breite von vier Metern. Deshalb ließ sich das nicht im normalen Straßenverkehr bewältigen; es wurde die komplette Straßenbreite dafür benötigt. Nach der Vollsperrung bog der Schwertransport von der Bamberger Straße aus in die Viktor- von Scheffel-Straße ein.

Der Schwertransport brachte einen riesigen Trafo bis ans Etappenziel Weiden. Foto: Dieter Radziej

Hier „zwickte“ es schon etwas, doch stellte dies für die Verantwortlichen unter der Leitung des Koordinators Kai Reinhard vom Schwertransportunternehmen Kübler vor keine nennenswerten Probleme. Allerdings mussten die zahlreichen Zuschauer und Zuschauerinnen, die sich an exponierten Standorten wie der Brücke der Krappenrother-Straße eingefunden hatte, schon etwas länger warten, bis der Schwertransport am Horizont der B 173 auftauchte.

Eisenplatten verstärken den Straßenkörper

Dennoch ging der langsame und immer wieder von allen Seiten kontrollierte Transport wie geplant weiter. Auch in Hochstadt hatten sich Einwohnerinnen und Einwohner eingefunden, teilweise sogar mit Stühlen. Die gesamte Armada bog hier in die Kreisstraße Lif 4 ein, um über Roth Richtung Burkheim weiterzufahren. Anschließend waren gleich vier Verkehrskreisel, einer in Röhrig und drei davon in Weismain, zu bewältigen.

Unterwegs waren an bestimmten neuralgischen Stellen starke Eisenplatten zu sehen. Sie sollten dem Fahrbahnkörper zu zusätzlicher Stabilität verhelfen. Der Schwertransport rollte ohne nennenswerte Unterbrechungen auf seiner vorbestimmten Route, begleitet von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften.

Auf die Jurahöhe: steile Straße, enge Kurven

Als der Morgen schon anbrach, gab es bei der steilen Auffahrt nach Weiden eine besondere Anforderung zu meistern, für die alle Kraft der beteiligten und zusätzlich georderten Fahrzeuge benötigt wurde. Denn hier waren mehrere enge Kurven zu passieren. Die Erleichterung war dann allenthalben zu spüren, als auf den Jurahöhen der Weismainer Stadtteil Weiden zu sehen und die Flurbereinigungsstraße zwischen Weiden und Modschiedel als erstes Etappenziel erreicht war.

Danach hatten sich alle Beteiligten, insbesondere die Mitarbeiter der Koordination, Transportleitung, die Fahrzeuglenker und die für die Verkehrsabsicherung zuständigen Kräfte, die die ganze Nacht unterwegs waren, einige Stunden Schlaf redlich verdient. In der Dienstagnacht legte der Transport dann seine zweite Teilstrecke zurück, die im Umspannwerk von Würgau endete.

Wer den Schwertransport nicht miterleben konnte, hat nochmals die Gelegenheit dazu: Ein zweiter Trafo steht auf dem Bahnhofsgelände in Lichtenfels bereit und wird in den nächsten Tagen ebenfalls zu seinem künftigen Standort chauffiert werden.

Phasenschiebertransformatoren

Vier Phasenschiebertransformatoren, bestehend aus acht Trafokesseln, sollen das Würgauer Umspannwerk zum bayerischen Grünstromverteiler erweitern. Die Trafos ermöglichen eine direkte Lastflusssteuerung bestehender Stromkreise und so die Optimierung der Übertragungskapazitäten zwischen Nord- und Süddeutschland. Mit der bestmöglichen Auslastung bestehender Nord-Süd-Stromkreise wird der Leitungsneubau reduziert und das Bestandsnetz fit für die Energiewende gemacht.

Der Schwertransport wurde am Bahnhof von Lichtenfels von zwei großen Lastern mit Tiefladern in die Mitte genommen. Foto: Dieter Radziej

Im Sommer sind bereits vier Trafokessel über Bamberg geliefert werden. Am Montag gegen 22 Uhr startete am Lichtenfelser Bahnhof nun der erste von vier weiteren Schwerlasttransporten durch den Landkreis Lichtenfels. Die Transportroute führt vom Güterbahnhof Lichtenfels über Hochstadt am Main, Altenkunstadt und Weismain. Nach Zwischenhalt bei Modschiedel führt der Weg am zweiten Transporttag an Stadelhofen vorbei und anschließend durch Roßdorf nach Würgau.

Mit jeweils 940 Tonnen Betriebsgewicht werden die vier neuen querregelbaren Transformatoren Tennet die Möglichkeit geben, zwei bestehende Nord-Süd-Stromkreise zwischen den Umspannwerken Redwitz im Landkreis Lichtenfels und Würgau sowie Raitersaich im Landkreis Fürth bestmöglich zu nutzen. Dabei besteht jeder der Phasenschieber aus zwei einzelnen Trafokesseln, die einzeln ein Transportgewicht von bis zu 326 Tonnen aufweisen.

Pro Stromkreis braucht es zwei Phasenschiebertrafos, die parallel zusammen geschaltet werden. Im Betrieb sind die Geräte vergleichbar mit einem Gas- und Bremspedal beim Autofahren. Der Stromkreis kann stärker ausgelastet werden, wenn mit einem der Phasenschieber im übertragenen Sinn auf das Gaspedal getreten wird. Dies führt zur Entlastung anderer Stromkreise und kommt dann zum Einsatz, wenn bei

anderen Stromkreisen eine Überlastung droht. Wird der Stromkreis mit dem zweiten Spezialtrafo dagegen ausgebremst, können Strommengen auf andere Leitungen umgeleitet werden und Überlastungen auf dem gesteuerten Stromkreis vermieden werden.

Die weiteren Transporte sind aktuell für die letzten zwei Septemberwochen und die erste Oktoberwoche geplant. Ihr Weg verläuft zunächst per Bahn vom Hersteller Siemens Energy und dessen Werk im österreichischen Weiz zum Hafen Linz. Von dort geht es per Binnenschiff weiter zum Hafen Nürnberg und dann per Bahn zum Lichtenfelser Güterbahnhof. Um die Straßen sicher zu befahren ist das Gesamtgewicht auf insgesamt 27 Achsen verteilt. Dadurch erreichen die Transporte eine Gesamtlänge von 56,3 Metern. Alle Transporte werden zwei Tage dauern und im Weismainer Ortsteil Modschiedel tagsüber zwischengeparkt.

TenneT hat bereits seit zwei Jahren das Umspannwerk Würgau für diese bisher größten

Transformatoren im deutschen TenneT-Netz vorbreitet. Insgesamt hat TenneT weitere 70 Millionen Euro in die oberfränkische Anlage investiert. Quelle: Tennet

Um die Lasten bewegen zu können, hatten die beiden Transportfahrzeuge zwölf beziehungsweise sogar 15 Achsen. Foto: Dieter Radziej

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