REDWITZ

Zwei Kreuzwege in Redwitz zu Ostern

Zwei Kreuzwege in Redwitz zu Ostern
Einblick hinter die Kulissen in der St. Michal Kirche. Foto: Thomas Micheel

Dieses Jahr feierten die Christen der evangelischen und katholischen Gemeinde in Redwitz den alljährlichen Jugendkreuzweg mal anders: In der Kuratiekirche St. Michael wurde ein Einblick hinter die Kulissen der Oberammergauer Passionsspiele gewährt. Wie fühlen sich die verschiedenen Darsteller in ihrer Rolle und welche eigene Haltung vertraten sie gegenüber der Geschichte? Diese und ähnliche Fragen wurden in einer fiktiven Theaterprobe zum Kreuzweg Jesu beleuchtet. In sieben Szenen nahmen die Verantwortlichen der Pfarreien ihrer Gläubigen mit hinein in jene Geschichte.

Das Ziel des Kreuzwegs war es, die Besucher herausfinden zu lassen, wie sie selbst zu Jesus stehen und seine Geschichte interpretieren. Hierzu entwarf die Redaktion des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend das diesjährige Stück. Bei den Proben für die Passionsspiele wurden die Darsteller befragt, wie sie ihre Rolle empfinden und die damalige Situation einschätzen:

„Es ist schon ein irres Gefühl, von einer Menge getragen zu werden und gleichzeitig so viele Erwartungen zu erfüllen. Ich habe extrem Ehrfurcht vor dieser Rolle“, berichtet der Jesusdarsteller in der ersten Szene. Er wird in Jerusalem triumphal willkommen geheißen. Die Menge jubelt, manche Personen sind jedoch skeptisch. In Szene zwei wandelt sich vor dem Palast des Richters Pilatus plötzlich die Auffassung der Menschen. Sie schreien „Kreuzigt ihn!“

Die Darsteller beschreiben ihre Gedanken

Die Darsteller beschreiben ihre Gedanken: „Mit der Menge einfach mitzuschwingen, ist auch nicht das Schlechteste.“ „Ich soll wie alle sein und soll machen, was alle machen.“ „Wie ich das finde, ist egal. Ich spiele ja nur meine Rolle.“ – „Wann ist dir das Leid anderer egal, weil es einfacher für dich ist?“ – Eine gestellte Impulsfrage zu der Szene, welche auch mitten in den Alltag trifft und die Zuschauer zum Nachdenken antreibt: Hätte ich auch so reagiert? Wie finde ich dieses Verhalten? Möchte ich mich ändern? – Im Gebet bat die Gemeinde um Hilfe: „Du hast uns einen Kopf zum Denken gegeben. Hilf uns, Recht und Unrecht zu unterscheiden. Gib uns die Kraft, eine eigene Meinung zu haben, auch gegen den Strom.“

Die Firmlinge brachten sich im Fürbittgebet ein. Pfarrer Daniel Schwarz und Dekan Lars Rebhan erteilten am Ende des ökumenischen Kreuzweges der Gemeinde den Segen. Speziell an Familien richtete sich ein weiteres Angebot der katholischen Kuratiegemeinde St. Michael von Gründonnerstag bis Karsamstag. Sowohl auf dem weitläufigen Gelände um, als auch in der Kirche, waren Stationen des Kreuzwegs verteilt. Angepasst an die aktuellen Einschränkungen, konnten die Familien den Kreuzweg eigenständig gehen. Alle Stationen waren mit QR-Codes versehen, die einen nach dem Einscannen auf digitale Bücher weiterleitete. In diesen wurden die einzelnen Geschichten erzählt und mit Bildern, Figuren oder anderen Materialien anschaulich gestaltet. Diese Szenenbilder wurden zum Teil von Grundschülern in der Homeschoolingphase des Religionsunterrichts erstellt.

Lieder und Gebete rundeten die Stationen jeweils ab

Zwei Kreuzwege in Redwitz zu Ostern
Beim Mitmachen erfuhren die Teilnehmer, dass es gar nicht so leicht ist, einen Holzbalken, der an das Kreuz Jesus erinne... Foto: Thomas Micheel

Zum Mitmachen waren die Familien ebenfalls eingeladen. „Es ist gar nicht so leicht, einen Holzbalken, der an das Kreuz Jesu erinnert, zu tragen“ Diese Erfahrung konnte während des Kreuzwegs gemacht werden. Auch die eigenen Gedanken, Bitten oder Klagen konnten aufgeschrieben und in eine Art Klagemauer gesteckt werden. Den Abschluss bildete schon ein vorausschauender Blick auf die Auferstehung, auf das bevorstehende Osterfest. An einem extra für diese Aktion vorbereiteten Beet waren alle eingeladen, Blumensamen im Erdreich auszubringen. Aus scheinbar Totem entsteht neues Leben, dieser Gedanke prägte die letzte Station. Mit dieser Aktion bleibt der Familienkreuzweg 2021 auch für die nächste Zeit präsent.

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