MICHELAU

Wirbel um die Johann-Puppert-Schule in Michelau

Wenn die Johann-Puppert-Schule fertig saniert ist, wird sie eine der modernsten Schulen Bayerns sein. Darauf ist Michelaus Bürgermeister Jochen Weber stolz. Foto: Annette Körber

Es ist ein Großprojekt, das – wie viele Großprojekte – am Ende teurer und später fertig wird als geplant. Aber es ist eines, auf das Bürgermeister Jochen Weber stolz ist: Die Johann-Puppert-Schule wird gerade umfangreich saniert.

Ab diesem Schuljahr hätten die Jungen und Mädchen eigentlich in einem fertig renovierten Gebäude lernen sollen. Aber während der Bauarbeiten stellte sich heraus, dass das alte Dach asbestbelastet war. Die Entsorgung gestaltete sich kompliziert. Da die Arbeiten der einzelnen Gewerke terminlich aufeinander abgestimmt sind, verzögerte sich alles, erklärt Weber. Er habe jetzt aber die Zusage, dass die Schule bis September bezugsfertig sei. Die Kosten haben sich mittlerweile auf zwölf Millionen Euro verdoppelt.

Die Johann-Puppert-Schule als größtes Sorgenkind

Und dann liest der Bürgermeister im Obermain-Tagblatt, dass Schulamtsdirektorin Stefanie Mayr-Leidnecker die Johann-Puppert-Schule als ihr größtes Sorgenkind bezeichnet: „Die wird zwar im Moment aufwändig saniert, ich weiß aber nicht, wer dann da rein soll“, sagte sie im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport (das OT berichtete am 12. Mai). Die prognostizierten Schülerzahlen seien besonders für den Übertritt in die Mittelschule generell mit Vorsicht einzuordnen und lägen meist zu hoch.

Diese Aussage löst nicht nur beim Bürgermeister, sondern auch bei Cornelia Zauritz, Rektorin der Johann-Puppert-Schule, und ihrer Schwürbitzer Kollegin Alexandra Engelhardt Unverständnis aus. „Wir haben die Schülerzahlen eher ab- als aufgerundet, um keine Luftschlösser zu bauen“, betont Jochen Weber. Sie basierten auf einem Berechnungsschema, mit dem sie schon seit Jahren arbeite, ergänzt Zauritz. Und sie habe immer offen kommuniziert.

Für die Zukunft rechnet Rektorin Zauritz mit konstanten Zahlen

Die Johann-Puppert-Schule besteht aus einer Grund- und einer Mittelschule. Während die Grundschule definitiv gesichert ist, räumt die Rektorin ein, dass die Mittelschule in den vergangenen Jahren öfter Probleme hatte. Es sei immer wieder vorgekommen, dass eine Klasse nicht gebildet werden konnte. Aber in den nächsten Jahren seien konstant Klassen mit 16, 17 Schülerinnen und Schülern zu erwarten.

Zauritz gibt zu bedenken, dass Klassen übers Jahr auch „anschwellen“: Die jetzige sechste Klasse zum Beispiel sei mit 18 Jungen und Mädchen gestartet, aber mittlerweile auf 24 gewachsen. Ursächlich dafür seien Zuzüge und Kinder, die von der Realschule zur Mittelschule zurückkehren.

Auch die Grundschule in Schwürbitz steht laut Rektorin Engelhardt gut da mit momentan zwei Klassen mit 25 Kindern und zwei Klassen mit 16 Kindern. Die Schulleiterin rechnet für die nächsten Jahre sogar mit einem Zuwachs um 20 Prozent. Wer von hier auf die Mittelschule wechselt, wähle im Normalfall die Johann-Puppert-Schule, sagt sie.

Die Gemeinde bemüht sich um weitere Baugebiete für Familien

Noch stehen hier Bauzäune, aber zum neuen Schuljahr soll die Johann-Puppert-Schule bezugsfertig sein. Foto: Annette Körber

Die Geburtenzahlen sind stabil, betont der Bürgermeister. „Aber ein Baum, der nicht wächst, stirbt.“ Deshalb bemühe sich die Gemeinde weiter, neue Baugebiete zu erschließen, damit sich Familien ansiedeln können. Allein das in Lettenreuth umfasse 31 Grundstücke. Als nächstes richte sich sein Augenmerk auf Michelau selbst. „Das kommt alles der Mittelschule zugute.“

Schulamtsdirektorin Stefanie Mayr-Leidnecker beruhigt auf Nachfrage am Telefon: „So dramatisch ist es nicht.“ Zu ihrer Aussage im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport erklärt sie, dass für die Johann-Puppert-Schule gleichbleibende Schülerzahlen zu erwarten seien. Anderswo dagegen stiegen die Zahlen.

In der Korbmachergemeinde besteht natürlich die Hoffnung, dass sich wieder mehr Eltern für die Johann-Puppert-Schule entscheiden, wenn die Sanierung abgeschlossen ist. „Viele Eltern wollten ihre Kinder nicht in eine Containerschule schicken“, erklärt Weber. Diese soll aber bald Geschichte sein. Und dann werde die Michelauer Schule eine der modernsten in Bayern sein. Rektorin Zauritz zählt auf: „Wir haben Glasfaser, digitale Tafeln in jedem Klassenzimmer und Fachraum, überall W-Lan.“ So eine digitale Tafel, erläutert sie, ist wie ein Computer im Tafelformat: Man könne Bilder, Grafiken, Filme einspielen, könne den erarbeiteten Zwischenstand speichern und am nächsten Tag wieder aufrufen, könne Inhalte aus dem Internet einbinden.

„Wir haben Glasfaser, digitale Tafeln in jedem Klassenzimmer und Fachraum, überall W-Lan.“
Cornelia Zauritz, Rektorin der Johann-Puppert-Schule

Zusätzlich hat sich die Bildungseinrichtung für das Pilotprojekt „Digitale Schule der Zukunft“ des bayerischen Kultusministeriums beworben, verrät die Rektorin. Ziel sei es, heißt es auf der Homepage, Konzepte zeitgemäßen Lernens mit digitalen und analogen Medien und Werkzeugen zu erarbeiten.

Das Pilotprojekt ist eine Reaktion auf Erfahrungen der Corona-Pandemie. Diese hat Zauritz und Engelhardt noch etwas anderes gezeigt: wie froh sie sein können über ihre großen Klassenzimmer. Die Räume in neu gebauten Schulen seien um 40 Prozent kleiner. Das ist ein Vorteil in Zeiten, in denen auf Abstand geachtet werden muss. Die Gemeinde habe sich auch deshalb dafür entschieden, zu sanieren statt neu zu bauen, um die alte Klassenzimmergröße behalten zu können, erklärt Weber.

Umluftsystem statt Luftreinigungsfilter

Momentan werden die Kinder in Containern unterrichtet. Wenn sie ins Haus zurückgezogen sind, soll hier die Leichtathleti... Foto: Annette Körber

Und noch ein Vorteil, sollten im Herbst die Fallzahlen wieder steigen: Die Johann-Puppert-Schule sei im Zuge der Renovierung mit einem Umluftsystem ausgestattet worden, das die Luft komplett austauscht. „Das ist wirklich Luxus“, konstatiert Cornelia Zauritz.

„Die Gemeinde hat ein starkes Interesse an der Schule; sie steht zu 100 Prozent dahinter“, betont der Bürgermeister. Das bestätigt die Rektorin, sie nennt die Gemeinde „wahnsinnig großzügig“. Und freut sich, dass ihr Team ab August für ein Jahr von einer „Bufdi“ unterstützt wird, einer jungen Frau, die den Bundesfreiwilligendienst absolviert. Auch das habe die Gemeinde veranlasst.

Abgerundet wird das Angebot mit der Offenen Ganztagsschule und dem Hort, mit der Schulturnhalle, deren Dach gerade saniert wird, und dem Hallenbad direkt nebenan. Weber stellt heraus, wie komfortabel das ist – vor allem im Vergleich mit anderen Kommunen: „Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain kämpfen seit Jahren um ein Hallenbad.“

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