LICHTENFELS/REDWITZ

Warum heißen die Redwitzer Ölpumper?

Alte Ansichtskarte aus Redwitz, dem Ort der Ölpumper. Foto: Repro: Andreas Motschmann

Wir kennen die Lichtenfelser Dümpelschöpfer, die Altenkunstadter Hefnklöß, die Staffelsteiner Passauf, die Weismainer Kaulhaazen oder die Michelauer Fraaßkrüeten. Hat jeder Ort im Landkreis einen Spitznamen? Welcher Stadt oder Ortschaft ordnen wir die folgenden zehn Beispiele heimischer Orte zu? Wo gibt es die Affen, Frösch, Esel, Schnecken und Staabeißer? Welche Orte schmücken sich mit diesen eher derben Spitznamen Maascheißer, Abortdeckel, Hundsfresser, Strohesser oder Furzenbrenner?

Wie kam es zu den Redwitzer Ölpumpern?

Wir stellen heute die Geschichte eines Spitznamens vor. Redwitz, es war das Jahr 1843. Ein Bauer wollte Wasser für das Vieh aus seinem Hausbrunnen entnehmen. Da sah er mit Verwunderung eine Ölschicht auf dem Wasser des Eimers. Er pumpte fünf, zehn, zwanzig Eimer voll. Aber immer wieder zeigte sich der schimmernde Ölbelag. Mit einem erstaunten „Donnerkeil“ rannte er auf die Straße und rief: „Leud, Öl! Ich hob lauder Öl im Brunna!“ Schnell kamen die Nachbarn und zum Schluss alle Einwohner zusammen und bestaunten das Öl im Brunnen.

Nachricht von der Ölquelle ging bis nach Amerika

An Arbeit dachte keiner mehr. Jeder füllte seine Ölflaschen. Am hellichten Tag wurden die Lampen mit dem neuen Öl angezündet. Der Brunnenbesitzer glaubte schon, er sei nun ein „gemachter Mann“ und müsse sein Lebtag nicht mehr arbeiten. Die Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Nachbarorten. Ein Bericht lief beim Bezirksamt in Lichtenfels ein. Die Kunde drang sogar bis nach Amerika. Redwitz war mit Petroleum versorgt. Nach einigen Tagen kam die große Ernüchterung. Als ein Junge wieder eine kostenlose Ölfüllung mit der Kanne aus dem Brunnen holen wollte, war vom Öl keine Spur mehr zu sehen. Bald war das Rätsel gelöst. Dem Kaufmann nebenan waren mehrere Ölfässer ausgelaufen. Das Öl hatte sich den Weg in den Brunnen des Nachbarn gesucht und die „Petroleumquelle“ gespeist. So groß vorher der Neid der umliegenden Ortschaften gewesen war, so groß war nachher das Gespött. Die Redwitzer hießen von nun an die „Ölpumper.“

Jeder Name hat eine kleine Geschichte

Woher stammen die Spitz- und Necknamen für alle Ortschaften? Sicher gibt es zu jedem Namen ein Ereignis oder eine kleine Geschichte. Zuweilen bezogen sich die Spitznamen auf geografische Begebenheiten, zum Beispiel die Nähe zum Main zum Bach oder einem Weiher. Oft waren landwirtschaftliche Bedingungen wie Bodenbeschaffenheit oder bevorzugte landwirtschaftliche Produkte der Grund für den Spitznamen. So heißen die Arnsteiner „Schdaaquedscher“, da es auf dem Jura viele Steine gibt.

Das echte Fränkisch kann derb sein. Selten diente diese Derbheit dazu, jemanden zu beleidigen. Das Verrichten eines durchaus menschlichen Bedürfnisses hinsichtlich einer gewissen Erleichterung musste oft für die Bildung eines Spitznamens herhalten. So gibt es im Landkreis die Weiherscheißer, die Bachscheißer und die Krautscheißer. Weitere typisch fränkische Spitznamen: Mogela, Hannla, Brünnla, Bibbera, Hosn und Schniedhazn.

Menschen einer Gemeinde hatten schon immer das Bedürfnis, sich von den Nachbargemeinden abzugrenzen. Man empfand den Nachbarort als Rivalen und gab ihm gerne einen Spitznamen. Auch Nachbarregionen wurden gerne mit einem Spitznamen belegt: Die Lichtenfelser grenzen sich von den Coburgern ab und bezeichnen sie als „Preußen“; die Franken grenzen sich von den Altbayern ab.

Wirtshausschlägerei wegen Spitznamen

Was sich liebt, das neckt sich! Es blieb nicht aus, dass man Leute aus anderen Ortschaften ein bisschen neckte, eine besonders im Wirtshaus beliebte Beschäftigung. Trieb man es zu bunt, riskierte man eine handfeste Abreibung. Manche Raufereien wurden nur durch das Zurufen von Spitznamen eines Ortes provoziert.

Es wäre schön, wenn auch im 21. Jahrhundert die Spitznamen unserer Orte nicht in Vergessenheit gerieten. Vielleicht können sie und ihre kleinen Geschichten auf der Webseite der jeweiligen Gemeinde oder Stadt aufgeführt werden. Dann erfahren wir, wie die Kümmeler zu Türken und die Lettenreuther zu Blutsaugern wurden, die Kleukheimer zu Katzen und die Altdorfer zu Affen.

Die Islinger Furzenbrenner und dieWolfdorfer Hundsfresser

Im Buch „Der Landkreis Lichtenfels in Geschichte und Geschichten“ von E. u. K. Radunz finden wir eine Liste von fast 80 Namen unseres Landkreises. Wir erfahren von den Görauer und Schönsreuther Frösch, den Degendorfer Strohessern und den Islinger Furzenbrennern, den Wolfdorfer Hundsfressern und den Oberküpser Eseln. Die Erzählungen über Ortschaften und ihre Spitznamen in diesem leider vergriffenen Heimatbuch rufen Erinnerungen wach.

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