JOHANNISTHAL

Ukraine-Hilfe: Tom Sauer macht sich auf den Weg

Kürzlich bei der Friedensaktion auf dem Kronacher Marienplatz: Tom Sauer mit dem Transporter der „Humanitären Hilfe für Menschen in Not“ und einigen Aktiven der „Aktion Roman“. Foto: Rainer Glissnik

Am Pfingstsamstag wird Tom Sauer von der Humanitären Hilfe für Menschen in Not erneut für die „Aktion Roman“ von Johannisthal aus in ukrainische Notgebiete fahren und die Hilfsgüter unmittelbar zu den Menschen bringen, die darauf angewiesen sind. Er wird sich dann wieder einer Gruppe von Fahrerinnen und Fahrern mit ihren Kleintransportern anschließen, die mit ihren mutigen Fahrten für die Versorgung der Menschen in den besonders vom Krieg betroffenen Gebieten sorgen. Tom Sauer benötigt bis dahin aber noch dringend vor allem Lebensmittel, die er mitnehmen kann.„Als wir uns an einem frühen Montag mit dem VW-Bus und dem Anhänger der Humanitären Hilfe für Menschen in Not e.V. von Lutsk aus auf den Weg nach Sumy machten, waren wir nicht alleine“, berichtet Tom Sauer von seiner jüngsten Fahrt. „Unser Konvoi bestand aus drei Bussen und einem Pkw. Unser Bus war dabei vom Alter her wohl der Jüngste. Die anderen Gefährte hatten deutlich mehr Jahre und Kilometer auf dem Buckel.“

Ein Funkgerät samt Order

Am Start waren als Fahrer ein paar junge Kerle und eine Frau. Es gab eine kurze Info über die geplante Strecke und das Fahrzeug von Tom Sauer und seinem damaligen Mitfahrer Jürgen Jakob wurde als zweites Fahrzeug in den Konvoi integriert. „Wir bekamen ein Funkgerät und die Order am Konvoi dranzubleiben. Das war es auch schon.“ Ein App hatten sie sich runtergeladen, die ihr ständiger Begleiter sein sollte. Beide bekamen so immer mit, wann und wo gerade Luftalarm ist und welche Strecken überhaupt passierbar sind. Gut 1000 Kilometer einfach lagen vor ihnen.

„Unser Konvoi bestand aus drei Bussen und einem Pkw. Unser Bus war dabei vom Alter her wohl der Jüngste. Die anderen Gefährte hatten deutlich mehr Jahre und Kilometer auf dem Buckel.“
Tom Sauer, Ukraine-Helfer

Manche Straßen waren gut ausgebaut, aber es gab auch üble Streckenabschnitte, die den Namen Straße kaum verdienen. Schlaglöcher so groß und tief, wie halbgefüllte Badewannen sind an der Tagesordnung. Bus und Anhänger waren in der Ukraine völlig beladen worden.

Sie fuhren über zig Kilometer Slalom, um den Schlaglöchern auszuweichen und das in einem minimalen Abstand zueinander. Tom Sauer wurde eine fahrerische Meisterleistung abverlangt und natürlich auch den ukrainischen Fahrern, die dies ständig leisten. Nach der Rückkunft stellte Tom Sauer etliche Bombensplitter insbesondere im Hänger fest. Diese wurden beim drüberfahren von der Fahrbahn hochgeschleudert.

Allein der Ukrainer Andreiy – er arbeitete zwei Jahre lang in Osnabrück und sprach deutsch – brüllte über Funk: „Fahren, fahren!“ Er war im ersten Fahrzeug und hatte den Überblick und die Erfahrung. Er wusste, wo es mal Diesel zum Nachtanken gab. Dies waren dann auch Möglichkeiten auch mal aufs Klo zu gehen, aber dies direkt am Fahrzeug, denn zu oft war das Gelände ringsum vermint. Die Ukrainer fahren ohne Gurt und haben ständig das Handy am Ohr.

Bei Geschwindigkeiten bis 120 Stundenkilometern auf holprigen Pisten und ständigen Hindernissen stieg der Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen. Ständig musste Betonblöcken und anderen Hindernissen auswichen werden, die an den Checkpoints auftauchten. Nachts durfte teils nur mit Standlicht gefahren werden und an den Checkpoints mussten die Lichter ganz aus sein und Warnblinklicht an. Wenn dann noch Luftalarm herrschte, dann wurde auf noch schlechtere Nebenstrecken ausgewichen. Die ukrainischen Jungs – manchmal fahren auch Frauen – sahen das eher entspannt und vertrauten auf den Schutz Gottes. Andreiy fährt in der Woche rund 10 000 Kilometer mit seinem Sprinter und zieht einen großen Anhänger. Seine Touren gehen ausschließlich in die Gebiete, die aktuell große Not leiden. Dabei hat er immer ein Lächeln auf den Lippen. Angst ist ihm völlig fremd, denn er sagt er fahre mit Gottes Segen.

„Wir fahren in Städte wie beispielsweise nach Charkiw, Donezk, Luhansk, Butscha, Dnipro und andere Orte mit notleidenden Menschen“, erklärte Andreiy. Er ist einer der unermüdlichen Fahrer. Für ein paar Jahre hatte er einmal in Osnabrück gelebt und spricht daher gut deutsch. Die Verteilung der Hilfsgüter mit kleinen Transporten erweist sich einfach als viel besser, als mit den großen Lastern. Bei Bombenangriffen oder Beschuss können die kleinen wendigen Fahrzeuge viel schneller ausweichen.

Ständig auf Achse für die gute Sache

„Als wir nach Sumy kamen, erlebten wir, dass es kleine Straßen sind, die dorthin führen, erinnert sich Tom Sauer. „Große Laster würden sich da sehr schwertun“, ist für Andreiy ein weiteres Argument. Es sind sehr viele, die allein für die evangelische Gemeinde in Lutsk auf diese Weise tätig sind. Normalerweise fahren täglich drei bis vier Kleintransporter los, manchmal auch deutlich mehr. Keine „Helldriver“, sondern „Heavendriver“ mit Gottes Segen.

Für Spenden

Wenn Tom Sauer von der Humanitären Hilfe für Menschen in Not am Pfingstsamstag erneut zu einem Hilfstransport starten wird hofft er, dass sein Fahrzeug und der Hänger voll sind insbesondere mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Hilfsgütern. Diese können bei den bekannten Annahmestellen und im Sportheim des VfR Johannisthal abgegeben werden. Konserven, Nudeln, Reis, Baby- und Kindernahrung. Gerne auch Süßigkeiten und Kinderspielzeug. Sehr gerne kann auch Tierfutter abgegeben werden. Willkommen ist auch Wasser in möglichst großen Flaschen. Dazu Verbandsmaterial, Hygieneprodukte, Babywindeln. Für Spenden: Stichwort „Aktion Roman“, Konto der „Humanitären Hilfe für Menschen in Not“: DE17 7715 0000 0240 0109 91.

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