REDWITZ

STC Redwitz: Matchball gegen Corona

Da ist es endlich wieder, das unverwechselbare Geräusch beim Kontakt von Tennisball und Tennischläger. Zwar noch nicht sehr regelmäßig und intensiv, aber die Mädchen und Jungs, die an einem sonnigen Montag auf der idyllisch gelegenen Anlage des Redwitzer Tennisclubs trainieren, spielen alle noch nicht lange Tennis. Coronabedingt mussten sie dann auch noch den ganzen Winter eine Zwangspause einlegen.

„Wir sind ja froh, dass wir überhaupt wieder spielen und Training anbieten können“, sagt Daniel Schöb, der 1. Vorsitzende des 1956 gegründeten Traditionsvereins. Dass er alleine auf der Terrasse vor dem Vereinsheim steht, während er beim ersten Training der Sommersaison nach dem Rechten sieht, ist auch ungewöhnlich. Denn wenn gerade keine Pandemie unseren Alltag bestimmt, schauen hier Eltern ihren Kindern beim Üben zu, warten Clubmitglieder auf den nächsten freien Platz oder treffen sich auf ein frisch gezapftes Feierabendbier.

Nur eingeschränkter Trainingsbetrieb erlaubt

Derzeit ist, unabhängig vom aktuellen Inzidenzwert, lediglich ein eingeschränkter Trainingsbetrieb für Kinder und das Einzelspiel erlaubt. Größere Trainingsgruppen, das Spielen von Doppeln und der Punktspielbetrieb sind genauso wenig möglich wie die Benutzung von Umkleiden, Duschen oder eben das gesellige Beisammensein auf der Anlage. „Das Vereinsleben ist schon ganz anders bzw. kaum vorhanden, und das seit über einem Jahr“, so Schöb.

„Als wir Mitte Februar 2020 unsere letzte Mitgliederversammlung hatten, war Corona für uns noch kein Thema. Vier Wochen später kam dann schon der erste Lockdown, und wir mussten letztlich fast alles absagen, was für das Jahr geplant war.“ Dazu gehörten neben dem Sommerfest als krönendem Abschluss der Vereinsmeisterschaft auch das Tenniscamp für Kinder und vor allem das in der ganzen Gemeinde beliebte Fußballtennisturnier mit großem Oktoberfest. Mit diesen Festen und anderen Bewirtungen sei gut die Hälfte der üblichen Einnahmen des Vereins weggefallen. Auch das Clubheim konnte nicht so häufig vermietet werden wie sonst, so dass insgesamt doch ein beachtliches Loch im Vereinsetat entstanden ist.

„Wir hatten aber zum Glück keine coronabedingten Austritte und konnten von staatlichen Hilfen und einem Zuschuss der Sparkasse für unsere Jugendarbeit profitieren, sind also wirtschaftlich mit einem blauen Auge davongekommen.“

Wöchentlich gab es neue Regelungen

Trotzdem erinnert sich der Vorsitzende mit Kopfschütteln an den ersten Coronasommer: „Wir wussten wochenlang überhaupt nicht, woran wir waren. Es gab wöchentlich neue Regelungen und Vorgaben, die zu beachten und auf der Anlage mit Hygienekonzept und penibler Dokumentation umzusetzen waren. Kurzzeitig stand sogar die absurde Idee im Raum, dass jeder Spieler seine eigenen, entsprechend gekennzeichneten Bälle mitbringen musste und während eines Matches dann auch nur diese berühren durfte. Die Frühjahrsüberholung der Plätze konnten wir wegen der Kontaktbeschränkungen nur in festen Zweierteams erledigen, was dann entsprechend gedauert hat.“

Immerhin konnte im Sommer 2020 mit ein paar Wochen Verspätung ein eingeschränkter Wettspielbetrieb stattfinden, wenn auch nur mit zwei der ursprünglich gemeldeten fünf Mannschaften. Mit der vom TC Staffelstein kurzfristig organisierten Kreisdoppelmeisterschaft Ende September fand eine ungewöhnliche Übergangssaison ein versöhnliches Ende, konnte man bei dieser Gelegenheit doch noch ein nettes Tenniswochenende mit Bekannten und Freunden einiger Nachbarvereine verbringen – natürlich mit Maske, Abstand und Händewaschen. „Den Winterbetrieb haben wir dann mit Trainingsgruppen in den Tennishallen in Lichtenfels und Kronach ganz normal geplant und begonnen“, berichtet Daniel Schöb weiter. Aus dem Mitte November zunächst für vier Wochen verfügten Spielstopp wurde dann ein ganzer Winter ohne Tennis und Clubleben. So mussten die Redwitzer mit ihrem Silvestercup, einem Doppelturnier mit Runde für Runde neu ausgelosten Paarungen, auch auf ihren traditionellen Jahresabschluss verzichten. „Für uns war das alles schon sehr schade, für Hallenbetreiber aber eine echte Katastrophe“, weist der Redwitzer Vorstand auf einen häufig übersehenen Aspekt hin.

Mehr Flexibilität von Behörden gewünscht

Hier hätten sich viele Tennisspieler mehr behördliche Flexibilität gewünscht, denn Tennishallen sind immerhin etwa neun Meter hoch und die Plätze darin wie überall knapp 24 Meter lang. Genug Raum also, um den kontaktlosen Sport zu zweit und unter Einhaltung weiterer, längst selbstverständlicher Regelungen und Verhaltensweisen mit minimalem Restrisiko ausüben zu können. Aber der Winter und die tennisfreie Zeit sind überstanden, und man ist sich auch in Redwitz bewusst, dass der Tennissport bei allen Einschränkungen gerade jetzt vergleichsweise gut dasteht. Um diese Situation bestmöglich zu nutzen und keine Zeit zu verlieren, hat sich der STC Redwitz dieses Jahr entschlossen, seine Plätze von einer Fachfirma statt in Eigenregie für den Spielbetrieb fitmachen zu lassen. Es wäre also alles für spannende Matches vorbereitet. Ob, wann und unter welchen Bedingungen es diese im Rahmen von Mannschaftswettkämpfen geben wird, ist noch offen. Der Bayerische Tennisverband geht derzeit davon aus, dass ab Mitte Juni wieder um Auf- und Abstieg gekämpft werden kann. „Das glaube ich erst, wenn die Mannschaften wirklich auf dem Platz stehen“, meint Schöb augenzwinkernd nach den Erfahrungen des versngenen Jahres. Wenn es aber so kommt und sich die Lage weiter entspannt, dann wird neben den vertrauten Ballgeräuschen eines Tages auch der sportliche Handschlag am Netz als obligatorischer Schlusspunkt eines jeden Tennismatches wiederkommen. Es wäre ein schönes Symbol, dass sich das menschliche Miteinander nicht nur auf dem Tennisplatz endlich wieder zum Besseren gewendet hat.