REDWITZ/SCHWÜRBITZ

Slawische Kammer von Redwitz bis Schwürbitz

Slawische Kammer von Redwitz bis Schwürbitz
Blick vom Marktgraitzer Spitzberg auf Schwürbitz, einen Ort der„slawischen Kammer“ am Obermain. Foto: Horst Habermann

Das obere Maintal war immer ein Durchgangsland. Völker kamen, ließen sich nieder, manche zogen wieder zurück. Bevorzugte Wohnplätze lagen vor den Hochwassern des Mains sicher auf den Terrassenkanten. Germanen lösten nach der Zeitenwende die keltische Epoche im oberen Maintal ab. Neben den Franken kamen nach 600 vom Osten her zunehmend Slawen ins obere Maintal. Orte mit slawischem Ursprung gibt es viele im früheren Landkreis Lichtenfels, der bis 1972 bestand.

Dieter George stellt im Historischen Ortsnamenbuch von Bayern im Altlandkreis Lichtenfels fest, ein Schwerpunkt dieser Orte sei in der „slawischen Kammer“ bei den jetzigen Orten Schwürbitz, Marktzeuln, Marktgraitz, Zettlitz und Redwitz an der Rodach gewesen. Der Berg Göritzen, der 1180 als „submonte Gorz“ bezeichnet wurde, gehört auch dazu. Gorica passt zu gora, welches in der slawische Sprache Berg bedeutet.

Schney und Kösten trugen slawische Gewässernamen

Die Siedlungen lagen in der Nähe der Flüsse Rodach und Steinach. Etwas weiter entfernt kommen noch die Orte Schney und Kösten am Main hinzu. Diese beide Orte trugen slawische Gewässernamen, die als solche heute nicht mehr bestehen. Viele Flussnamen mit der Endung „itz“ kennen wir, so Regnitz und Pegnitz. Das slawische „ici“ bedeutet Wasser.

Der Sprachwissenschaftler Joachim Andraschke stellte in seinen jüngsten Forschungen bei der Klassifizierung der Ortsnamen fest, dass viele, die als slawische Namen galten, germanische Namen sind. Er bezieht sich auf archäologische Funde von ostgermanischen, speziell burgundischen Fibeln. Sie sprächen mehr dafür, dass die Siedlungen und damit deren Namen älter und somit germanisch seien.

Ein weiteres Problem bei der Erforschung der slawischen Ortsnamen ist die häufig um Jahrhunderte verzögerte urkundliche Ersterwähnung. Die Namen erscheinen in lateinischen oder deutschsprachigen Urkunden erst, nachdem sie ins Fränkisch-Althochdeutsche integriert wurden.

Viele Orte an Rodach und Steinach

Vom Ort Schwürbitz in der „slawischen Kammer“ wissen wir, dass er zwischen 1285 und 1287 in einem Bericht eines Tauscherwerbs des Domstifts genannt wird. Hier wird er als Swrbeze bezeichnet. 1356 hieß der Ort in einer Verkaufsurkunde Zbwrezze. Mit dem Verweis auf den slowakischen Ortsnamen Svrbice kann man das slawische Wort für Wurzel als Ursprung der Ortes vermuten. Hinter dem Ortsnamen Redwitz steckt der slawische Name Radovici. Es ist der Personenname „Rad“, also Leute des Rad. Das gleiche trifft auf Marktzeuln zu. Hier ist es der Personenname „Sula“. Später wurde daraus „Zula“ und die Umbenennung in Marktzeuln erfolgte erst 1889.

Slawische Kammer von Redwitz bis Schwürbitz
Zeublitz, ein kleiner Ort mit slawischer Geschichte. Foto: Repro: Andreas Motschmann

Auf den Terrassen südlich des Maintals liegen die slawischen Siedlungen Thelitz und Zeublitz. Benachbarte Orte und Berge verweisen ebenso auf slawische Namensgebung, so zum Beispiel die Ortsnamen Trebitzmühle und die Bergnamen Külmitz, Kreibitzen und Kordigast. Im Namen des Nachbarortes Strössendorf soll der slawische Personenname Strez enthalten sein.

Höchster slawische Flurnamenanteil in Westoberfranken

Als älteste Ortsbezeichnung für Zeublitz ist uns Ciblice aus dem Jahr 1136 überliefert. Hier erwirbt Abt Hermann den Ort für das Kloster Michelsberg. Ortsnamenforscher sind sich sicher, dass das slawische „cibule“ für „Zwiebel“ im Ortsnamen von Zeublitz enthalten ist. Die Anlage des Dorfes erinnert an die traditionelle Bauweise als „slawischen Rundling“. Im ältesten Urbar des Zisterzienser-Klosters wird Zeublitz mit den Schreibweisen „Zeiblicz“ und „Czeyblic“ erwähnt.

Nicht nur Ortsnamen, auch Flurnamen verweisen auf slawische Herkunft. So der Name „Tuschera“ in Burgkunstadt. Der Anteil von Flurnamen slawischer Herkunft in Oberfranken ist am Obermain der höchste in Westoberfranken.

Indogermanische Volksgruppe aus Osteuropa

Warum kamen Slawen in unsere Gegend und seit wann siedelten sie am Obermain? Die indogermanische Volksgruppe der Slawen drang im 6. Jahrhundert aus Osteuropa kommend nach Westen bis zur Elbe und Saale vor. Sie waren Bauern, Handwerker, Fischer und geschickte Händler.

Ab dem Jahr 560 wanderten Slawen und Sorben ein. Neuere archäologische Untersuchungen gehen von einer frühestens im späten 7. Jahrhundert einsetzenden Zuwanderung slawischer Siedler in Nordbayern aus. Einige Quellen sprechen davon, dass sie gezielt angesiedelt wurden, sie wären somit die ersten „Gastarbeiter“ in Franken. Viele Slawen waren auf der Suche nach größerem Siedlungsraum und stießen so auf unsere dünn besiedelte Gegend. Größere zusammenhängende Gebiete, die nur von slawischen Siedlern bewohnt oder gar von einem slawischen Stamm beherrscht wurden, gab es In Oberfranken nicht. Von einem friedlichen Nebeneinander mit den fränkischen Nachbarn ist auszugehen.

Bamberg und Forchheim einst Eingangsorte ins Slawenland

Seit dem späten 8. Jahrhundert wurden vor allem in den Traditionen des Klosters Fulda immer wieder Orte im Maingebiet als „in terra sclavorum“ gelegen bezeichnet. Neben Bauern ließen sich auch slawische Adlige, als „Walpoden“ bezeichnet, im nördlichen Franken nieder. Die heutigen Landkreise Forchheim und Bamberg waren „Eingangsorte ins Slawenland“. Eine erste slawische Siedlung dürfte im Gebiet der Regnitzmündung liegen. Der wohl wichtigste Fundort in dieser Region liegt bei Seußling im Landkreis Bamberg. Dieser Platz liefert slawische Keramik in ihrer für Nordbayern ältesten Prägung.

In einem weiteren Beitrag gehen wir in einer künftigen Ausgabe des Obermain-Tagblatts auf die Bedeutung der 14 Missionskirchen ein. Ebenso auf das Alltagsleben der Slawen, und welche Spuren sie noch heute hinterlassen.

 

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