SCHWÜRBITZ

Schützenmeister Michael Tischler brennt für seinen Verein

Schützenmeister Michael Tischler brennt für seinen Verein
Mannschaftsbild im Schießstand - auf „seine“ Zweite Mannschaft ist Michael Tischler stolz: (v. li.) Stefan Wich, Jessica Kluge, Jasmin Münch und Mannschaftsführer Michael Tischler. Foto: red

Das Schützenhaus geschlossen, alle Termine abgesagt, die sportlichen Aktivitäten gleich null, nicht mal Rasenmähen ist nötig. Wie geht es da dem Vorsitzenden Michael Tischler und den Mitgliedern der Zimmerstutzen-Schützen-Gesellschaft 1874, die sich seit Jahrzehnten für Verein, Sport und Liegenschaft einsetzen?

Das vergangene Jahr hatte so verheißungsvoll begonnen. Am 17. Januar 2020 hielt man die turnusgemäße Generalversammlung, in der der Vorstand um Schützenmeister Tischler bestätigt wurde. „Lockdown“ oder Schützenhausschließung, diese Wortschöpfungen waren unbekannt; die Schützen planten Arbeitseinsätze und Veranstaltungen. Am Faschingssamstag war noch die Theatergruppe mit ihrem Showfasching zu Gast im Schützensaal. Und erstmals seit Jahren gab es wieder einen stimmungsvollen Rosenmontagabend. Eine große Bar wurde installiert, der DJ bestellt und natürlich ein Fass Bier angestochen.

Wie lassen sich die Fixkosten decken ohne Veranstaltungen?

Heute, knapp ein Jahr später, sieht die Schützenwelt ganz anders aus. Man fragt sich, wie man dauerhaft die Fixkosten decken kann, wenn so gar nichts mehr geht. Und der Schützenverein Schwürbitz ist ja nicht der einzige Verein, der solch' schwarze Gedanken wälzt.

Es muss doch möglich sein, dass die Dachorganisation, der BSSB Gau Nord, wenigstens auf die jährlichen Verbandsbeiträge verzichtet? Dies würde jedem einzelnen Schützenverein helfen, durch die einnahmenlose Zeit zu kommen. Eine diesbezügliche Anfrage Michael Tischlers bei Gauschützenmeister Klaus Jentsch blieb allerdings unbeantwortet. „Und da darf man als Schwürbitzer noch zufrieden sein“, so der Schützenmeister: Die Zuschüsse zum jüngsten Umbau des Schießstandes und die Hilfen zur Renovierung des vorderen Daches flossen und halfen.

Integration, Tradition, Zusammenarbeit, Kameradschaft

Hier habe man auch dem leider verstorbenen Bürgermeister Dirk Rosenbauer zu danken, betont Tischler. Auf Rosenbauers Unterstützung hätten sich die Schützen vom ersten Tag seiner Amtszeit an verlassen können. Er hofft, dass der eingeschlagene Kurs in seinem Sinne fortgeführt wird.

Michael Tischler geht in seinem Amt auf, man spürt, wie er für die Sache brennt, trotz mancher Mühe, „den Haufen zusammenzuhalten“, wie er sagt: Es gebe viele starke Charaktere unter den Schützen. Das Ehrenamt versteht er als eine tragende Säule des Gemeinwesens. Integration, Tradition, Zusammenarbeit, Kameradschaft könnten innerhalb eines Vereins optimal gelebt werden.

Nachwuchswerbung unter besonderen Bedingungen

Allerdings müsse ein Schützenverein auch immer auf erwachsene Neumitglieder hoffen. Bedingt dadurch, dass der Schießsport erst richtig gelebt werden kann, wenn der „Nachwuchs“ zwölf Jahre oder älter ist, kommt so manche Mitgliedschaft erst gar nicht zustande. Es gebe so ein großes Angebot, dass Kinder in diesem Alter oft schon anderweitig gebunden sind. Erschwerend komme hinzu, dass es nicht mehr so selbstverständlich sei, sich einem Verein anzuschließen. Außerdem ist der Schützenmeister der Meinung, dass für ein positives Image der Schützen zu wenig getan werde.

Michael Tischler kommt ins Schwärmen, wenn er an früher denkt. Er ist mit neun Jahren, im Sommer 1982, in den Verein eingetreten. Seine erste Königsabholung fand im Hof seiner damaligen Schule in der Rathausstraße von Schwürbitz statt: „Da wundert man sich als Kind schon, wenn plötzlich entlang des eigenen Klassenzimmers ein Ausschank aufgebaut ist und man sich Freilimo holen darf, so viel man will.“

Kaum ein Verein unterstützt seine Jungschützen so wie die Schwürbitzer

Sportlich hat seine Generation seinem damaligen Jugendleiter Ludwig Barth viel zu verdanken. „Ohne den Ludwig wäre man auf der Göritze nie so erfolgreich geworden, und man zehrt heute noch davon!“, betont so der Schützenmeister. Jungschützenkönig wäre er gerne einmal geworden, doch das blieb ihm verwehrt. Dafür war er als junger Mann 1997/98 und 20 Jahre später 2017/18 stolzer Regent des Vereins.

Schützenmeister Michael Tischler brennt für seinen Verein
Bild mit Collage: Schwelgen in alten Zeiten. Eine Bildercollage zeigt frühere Aktivitäten der Schützen Foto: Stefan Motschenbacher

Seine Laufbahn im Verein ging weiter als erfolgreicher Jugendleiter. In den sechs Jahren seines Wirkens konnte er viele Jugendliche dazu animieren mitzumachen. Die Jugendwerbung liegt ihm heute noch am Herzen. Tischler ist sich sicher: Im Landkreis lasse sich kaum ein Verein finden, der einem interessierten und talentierten Jungschützen bei der Ausstattung mit der teils teuren Ausrüstung so unter die Arme greift wie der Schützenverein Schwürbitz. Organisatorisch, in der Ausbildung sowie finanziell.

Lob und Respekt vom mehrfachen Weltmeister

Vor zwei Jahren konnte man sogar ein Training mit einem mehrfachen Weltmeister anbieten. Jürgen Wallowski aus Oberkotzau nahm sich zwei Tage Zeit, um sein außergewöhnliches Können und Wissen an die Mitglieder der Schwürbitzer Mannschaften weiterzugeben. „Und wenn solche Ausnahmeschützen dann unseren Schießstand, unseren Wirtschaftsraum und unsere Außenanlagen mit Lob auszeichnen und Respekt ausdrücken, dann weiß man wieder, wofür man es macht!“

Nach der Renovierung der Schießanlage kamen zahlreiche Vereinsvertreter, um sich die europaweit neueste Technik anzuschauen, und waren erstaunt über die Möglichkeiten. Dass dafür viele Helfer nötig sind, will der Schützenmeister nicht vergessen. „Und dies über Generationen.“ 1969 hätten einige Unentwegte nicht eher locker gelassen, bis eine eigene Schießstätte entstand. Immer wieder bauten die Schützen in den vergangenen 50 Jahren um, aus oder neu. So entstanden Waldbar, Musikpavillon, Gastwirtschaft, Nebenzimmer, Biergarten, Lagerraum und zwei Biergärten.

„Befruchtende“ Zusammenarbeit mit den anderen Ortsvereinen

Und nicht zuletzt half der Verein der Theatergruppe Schwürbitz auf der Suche nach einer angemessenen Spielstätte. Deshalb fanden die 37. Schwürbitzer Theatertage und der Showfasching auf der Göritze statt. Auch wenn das einige Mitglieder kritisch begleiteten: Der Schützenmeister findet die Zusammenarbeit mit den anderen Ortsvereinen sehr „befruchtend und ertragreich“. Auch Radfahrerverein und Geflügelzüchter halten ihre Vereinsabende gerne im Wirtschaftsraum der Schützen ab.

Was dem Schützenmeister etwas Kopfzerbrechen macht, ist das traditionelle Schützenfest. Zum einen sei es nicht mehr so wie früher, dass man ein Publikum hat, das vier Tage im Biergarten sitzt. Zum anderen brächen auch die Helfer weg, die gerne Abende lang in der Schänke standen. Zum 150-jährigen Bestehen, das im Jahr 2024 ansteht, müsse man sich daher differenziert unterhalten.

Ehrgeizige sportliche Ziele für die Mannschaften und persönlich

Das Schützenfest 2021 werde nur stattfinden, wenn man komplett ohne Corona-Auflagen feiern könne. Auflagen und Vorschriften hätten es schon vor der Pandemie erschwert, ein zünftiges, unbeschwertes Schützenfest zu veranstalten. Tischler will den Aufwand wegen Corona auf keinen Fall noch erhöhen.

Schützenmeister Michael Tischler brennt für seinen Verein
Familienbild: Drei begeisterte Schützen. Michael mit seiner Frau Jeanine und Tochter Jule, die er liebevoll „Schatten“ n... Foto: Stefan Motschenbacher

Sobald man wieder sportlich aktiv werden könne, möchte er die vorhandenen drei Mannschaften wieder an den Start bringen. Michael Tischler führt die 2. Mannschaft an. Diese machte zuletzt in der Gauoberliga sogar der 1. Mannschaft „Feuer“. Beinahe wäre es soweit gekommen, dass beide Teams in der Bezirksliga und damit gegeneinander angetreten wären. So hochklassig schießen im Gau Nord, der mehrere Landkreise umfasst, nur wenige Mannschaften.

„Immer einen Schritt voraus sein!“
Leitspruch des, Schützenmeisters Michael Tischler

Persönlich möchte Tischler einmal in seiner Schützenlaufbahn bei einer bayerischen Meisterschaft antreten. Dazu passt auch sein Leitspruch: „Immer einen Schritt voraus sein!“

Er verschweigt nicht, dass er für sein Engagement bei den Schützen den Rückhalt der Familie braucht. Seine Gattin Jeanine, die selbst aus einer Schützenfamilie stammt, stärkt ihm den Rücken, wenn es um Termine der Schützen geht. Und Tochter Jule ist immer dabei, wenn für den Verein gearbeitet, organisiert oder gefeiert wird. Der Schützenmeister wünscht allen Mitgliedern, dass sie gesund bleiben und man sich bald wieder treffen kann.

 

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