MICHELAU

Schnelles Internet: Wer macht das Rennen in Michelau?

Zwei Wettbewerber möchten in der Gemeinde Michelau das Glasfasernetz ausbauen. Bürgermeister Jochen Weber und der Gemeinderat haben sich für einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser entschieden. Foto: Gemeinde Michelau

Verwunderung und Besorgnis machten sich unter den Gemeinderätinnen und -räten im Dezember in der Jahresschluss-Sitzung breit. Auslöser war die Information, dass die Deutsche Telekom beabsichtigt, ein Markterkundungsverfahren für den Ausbau des Glasfasernetzes zu starten. Das Gremium hatte schon im Juli vergangenen Jahres in nichtöffentlicher Sitzung entschieden, einen Kooperationsvertrag mit einem anderen Unternehmen, der Deutschen Glasfaser, abzuschließen.

Diese will am Samstag, 15. Januar, mit der Nachfragebündelung beginnen. Das Verfahren, mit dem der Bedarf ermittelt wird, dauert bis 9. April. Wenn in dieser Zeit mindestens 33 Prozent der Michelauer Haushalte einen Vorvertrag abgeschlossen haben, wird die Deutsche Glasfaser noch in diesem Jahr mit dem Ausbau beginnen. Die Deutsche Telekom wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, von 1. Februar bis Ende April mit 50 Prozent der Haushalte einen Vorvertrag abzuschließen. Sie würde erst 2023 mit den Arbeiten starten.

„Die Telekom will Neuensee erst mal nicht mit ausbauen.“
Jochen Weber, Bürgermeister

Die Reaktion des Gemeinderats mag überraschen: Ist es nicht eine gute Sache, wenn gleich zwei Unternehmen anbieten, Michelau mit seinen Ortsteilen ans schnelle Internet anzuschließen?

Erst mal schon. Schließlich hat die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig eine stabile Leitung ist, mit der auch große Datenmengen schnell übertragen werden können. Das Coronavirus hat dazu geführt, dass sich das Leben für viele in die eigenen vier Wände verlagert hat. Samt Homeschooling und Homeoffice, mit Videokonferenzen, digitalem Zusammenarbeiten aus verschiedenen Büros heraus, Präsentationen und Seminaren. Aber auch samt Zoom-Runden im Freundeskreis, Online-Sportkursen, VHS-Seminaren, Vorträgen und Film-Streaming.

Welche Gemeindeteile die Deutsche Telekom anschließen möchte

Beide Unternehmen versprechen eine Breitbandversorgung mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde und Anschlüsse bis ins Haus. Und das auch noch eigenverantwortlich und auf eigene Kosten. Der Gemeinderat hat sich letztlich für einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser entschieden: „Die Telekom will Neuensee erst mal nicht mit ausbauen. Sie konnte dem Gemeinderat auch keine Zeitschiene nennen, wann Neuensee folgen würde“, erklärt Bürgermeister Jochen Weber. Das Unternehmen halte einen Anschluss dieses Gemeindeteils für unwirtschaftlich.

Lettenreuth habe die Firma auch nicht auf dem Schirm gehabt, plane dieses Dorf aber jetzt mit ein. Außerdem rechnet die Telekom mit Michelau und Schwürbitz. Oberreuth ist bereits von der SÜC erschlossen.

„Wir sind auf den Ausbau im ländlichen Raum spezialisiert.“
Dominik Beyer, Pressesprecher der Deutschen Glasfaser

Die Deutsche Glasfaser dagegen sichert zu, die Gemeinde vollumfassend ans schnelle Internet anzubinden, also inklusive Neuensee. Geplant ist, Anschlüsse bis zu jeder Wohneinheit zu verlegen, informiert Projektmanager Boris Schulcz. Alle, die einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser abschließen, bekommen auch die letzten Meter bis ins Haus dazu. Sie binden sich dafür für zwei Jahre an das Unternehmen. Danach steht es ihnen frei zu wechseln.

„Wir sind auf den Ausbau im ländlichen Raum spezialisiert“, erklärt Pressesprecher Dominik Beyer. „Seit zehn Jahren gehen wir dahin, wo der Bedarf am größten ist. Wir sind da Profis. Daher können wir das auch wirtschaftlich darstellen.“

Nehmen sich die Unternehmen gegenseitig die Kunden weg?

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass mindestens 33 Prozent der Haushalte in der Gemeinde einen Vorvertrag mit dem Unternehmen abschließen. Und da kommt die Telekom ins Spiel, die als renommiertes Telekommunikationsunternehmen sicher auch in Michelau und den Ortsteilen viele Bestandskunden hat. Diese könnten es nun bequemer finden, bei ihrem bisherigen Versorger zu bleiben, befürchten Bürgermeister Weber und die Gemeinderätinnen und -räte.

Dann könnte es für den Mitbewerber nicht reichen. Es könnte aber auch passieren, dass am Ende keines der Unternehmen genug Interessenten hat. Dann würde auch keines von beiden den Ausbau des Glasfasernetzes in Angriff nehmen.

„Überrascht und verwundert“ über den Vorstoß der Deutschen Telekom

Ausbau des Glasfasernetzes
Schnelles Internet für alle Michelauer Gemeindeteile – das ist das Ziel des Gemeinderats.Symbol Foto: Sina Schuldt/DPA

„Wir hoffen, dass die Deutsche Glasfaser ihre 33 Prozent bekommt“, fasst Weber die Haltung des Gemeinderats zusammen. Und fügt hinzu: „Wir sind sehr überrascht und sehr verwundert.“ Denn eigentlich war erwartet worden, dass nur das Unternehmen aktiv wird, für das sich das Gremium entscheidet.

Der Kooperationsvertrag ist sozusagen ein Vorvertrag, das heißt, eine Absichtserklärung: „Die Gemeinde bestätigt damit, dass sie eine Wegenutzungsvereinbarung mit der Deutschen Glasfaser abschließt, wenn diese genug Interessenten hat“, erklärt der Bürgermeister. „Wir sprechen dem Unternehmen sozusagen unser Vertrauen aus.“ Um dieses Vertrauen hat sich die Deutsche Glasfaser sehr bemüht: „Wir folgen einem kooperativen Ansatz auf allen Ebenen. Wir sind seit Monaten mit der Gemeinde Michelau im Gespräch“, betont Pressesprecher Beyer.

Logistische Unterstützung und Werbung für den Favoriten

Auch wenn die Gemeinde finanziell nichts beiträgt, sei man doch auf ihre Unterstützung angewiesen, bemerkt Projektmanager Schulcz. Gerade jetzt in der Phase der Nachfragebündelung, in der das Unternehmen die Werbung hochfährt und verschiedene Informationsveranstaltungen und Beratungstermine anbietet. Die Gemeinde kann bei der Organisation helfen, Kontakte vermitteln und auch selbst das Projekt bewerben. Dem dient auch der Bürgermeisterbrief, der mittlerweile alle Haushalte erreicht haben sollte. Weber erläutert darin ebenfalls die hier dargestellten Zusammenhänge und verweist auf die Online-Infoveranstaltung am 17. Januar (siehe Infokasten).

Infoveranstaltung

Die Gemeinde Michelau weist darauf hin, dass am Montag, 17. Januar, um 19 Uhr eine Online-Infoveranstaltung der Deutschen Glasfaser über Zoom stattfindet. Hier der Link für alle, die über PC beziehungsweise Notebook teilnehmen wollen: deutsche-glasfaser.zoom.us. Wer über ein Smartphone oder Tablet teilnehmen möchte, muss im Vorfeld die kostenlose „Zoom Cloud Meetings“-App aus dem App Store beziehungsweise Google Play Store herunterladen. Die Meeting-ID (Raumnummer) für die Teilnahme lautet: 997 629 12044. Anschließend meldet man sich mit Namen und einer E-Mail-Adresse an. Diese Daten werden nur für die Anmeldung verwendet und nicht gespeichert oder (weiter)verarbeitet. Für alle, die nicht die entsprechenden technischen Möglichkeiten haben, überträgt die Gemeindeverwaltung die Veranstaltung live vor dem Rathaus. Danach werden vor Ort Mitarbeiter der Deutschen Glasfaser für Fragen zur Verfügung stehen.
 

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