MICHELAU

Baumschulgelände Michelau: Rodung für den Wasserschutz

Rodung des Michelauer Baumschulgeländes für den Wasserschutz
Kahlschlag: Nur noch einige Stümpfe sind von den Bäumen und Gehölzen auf dem ehemaligen Pflanzgelände der Baumschule übrig geblieben. Foto: Gerhard Herrmann

Fassungslos steht Holger Köhler, Inhaber der Baumschule Michelau, vor seinem ehemaligen Pflanzgelände am Ortsrand in Richtung Schney. Nur noch einige Baumstümpfe und abgebrochene Äste sind von dem dichten Bewuchs zu erkennen. Die Gemeinde hat das rund zwei Hektar große Areal roden lassen und will dort eine Wiese anlegen, um sie zu verpachten. Übrig geblieben ist nur eine Reihe von Baumschulpflanzen, die bei einer Bieteraktion am 12. Februar an Interessierte verkauft werden sollen.

„Mir blutet das Herz, wenn ich diesen Kahlschlag sehe“, sagt Holger Köhler. Von 2011 bis 2021 hatte er das Gelände gepachtet und dort Gehölze und Bäume gezüchtet. Im Laufe der Jahre waren im hinteren Bereich auf etwa einem Hektar Fläche zahlreiche Pflanzen, die er nicht verkaufen konnte, zu stattlichen Exemplaren herangewachsen. Als naturverbundener Mensch hatte Köhler sie stehen lassen, und zusammen mit angeflogen Samen hatte sich ein kleines Wäldchen entwickelt, in dem sich zahlreiche Vögel und Wildtiere, darunter sogar Rebhühner tummelten, wie er berichtet. Eberesche, Weißdorn, Hartriegel, Eichen, Ahornbäume und Weiden standen dort.

Rückzugsort für Tiere in den ausgeräumten Mainwiesen zerstört

Dass die Gemeinde ihm das Gelände im Wasserschutzgebiet nicht mehr zur Pflanzenzucht überlassen wollte, hat Köhler akzeptiert. Aber er versteht nicht, warum die Verwaltung die Gehölze nicht zur Auflockerung der Landschaft und als Rückzugsraum für Tiere auf den ausgeräumten Mainwiesen hat stehen lassen. „Jetzt hätten bald die Weidenkätzchen geblüht und den Bienen Nahrung bieten können“, sagt er. „Wir regen uns darüber auf, wenn der Regenwald gerodet wird, aber bei uns vor der Haustür machen wir alles platt.“

Das Wasserschutzgebiet werde durch die seit vielen Jahren dort stehende Bepflanzung nicht beeinträchtigt. Die Gehölze wirkten sich sogar eher positiv auf den Wasserhaushalt aus, habe ihm der für Wasserwirtschaft zuständige Mitarbeiter im Landratsamt bestätigt. Stattdessen habe die Gemeinde ohne Not viel Geld ausgegeben: zuerst für ein Gutachten, das nachweisen solle, das dort keine Baumschule betrieben werden sollte, und jetzt für die Rodung und das Ansäen der Wiese. Diese Kosten könnten durch die Pacht kaum ausgeglichen werden, meint er.

Extensive Beweidung soll die Nitratwerte niedrig halten

Rodung des Michelauer Baumschulgeländes für den Wasserschutz
Die restlichen Baumschul-Pflanzen auf dem Gelände hinter der Kläranlage in Richtung Schney will die Gemeinde bei einer B... Foto: Gerhard Herrmann

„Die Rodung ist erforderlich, um den nur einen Steinwurf entfernen Brunnen zu schützen“, erklärt Norbert Eiser von der Gemeindeverwaltung. Oberstes Ziel sei es daher, die Nitratwerte im Grundwasser so niedrig wie möglich zu halten. Daher habe sich die Gemeindeverwaltung seit 20 Jahren darum bemüht, die Nutzung des Geländes durch die Baumschule zu beenden und dem Inhaber Ersatzgrundstücke beschafft. Das Vorgehen sei mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt.

Um den Nitrateintrag ins Grundwasser möglichst gering zu halten, solle das Grundstück als Wiese angelegt und extensiv bewirtschaftet werden. Zweimal im Jahr werde das Gras gemäht, so dass nichts verrotten könne. Hätte man die Bäume stehen lassen, wäre das Mähen dort nicht möglich und verottendes Gras und Laub könnten für einen Nitrateintrag ins Grundwasser sorgen. „Das könnte grad das Bisschen sein, was dazu führt, dass die Grenzwerte überschritten werden“, gibt Eiser zu bedenken. „Wir haben Millionen in die eigenen Brunnen investiert, damit wir nicht von der Fernwasserversorgung abhängig sind – das können wir nicht wegen drei Bäumen in Gefahr bringen“, betont Eiser.

Dass auch von Wald eib Nitrateintrag ins Grundwasser erfolgen könne, habe sich in Neuensee gezeigt. Darum habe die Gemeinde mit den Bauern vereinbart, in den sensiblen Bereichen auf Düngemittel zu verzichten. Die Gemeinde habe die Baumschulpflanzen, die sie für öffentliche Grünflächen nutzen konnte bereits versetzt, und der Rest werde bei der Bieter-Aktion einer sinnvollen Verwendung zugeführt.

Landratsamt sieht naturnahe Hecken und Feldgehölze als unproblematisch

Rodung des Michelauer Baumschulgeländes für den Wasserschutz
Entwurzelt steht einer der letzten Bäume auf dem Gelände. Foto: Gerhard Herrmann

„Die Beseitigung der Gehölzbestände auf dem Grundstück der ehemaligen Baumschule ist wegen der Lage des Grundstückes im Wasserschutzgebiet nicht erforderlich“, teilt dazu Andreas Grosch vom Landratsamt mit. Für die Filterwirkung (Rückhalte- und Abbauwirkung) von Oberflächeneinflüssen sei die Grundwasserüberdeckung maßgeblich. Die beste Reinigungswirkung komme dabei der ungesättigten Grundwasserüberdeckung zu. Dahingegen bewirken Makroporen im Boden, beispielsweise also auch Wurzelgänge, eine Streuung der Sickergeschwindigkeiten (Bypasswirkung) und schränkten dadurch Eliminationsprozesse ein.

Da Baumschulbestände einen hohen Anteil von Ziergehölzen und Koniferen aufweisen, unterscheiden sie sich damit maßgeblich von natürlichen und naturnahen Hecken und Feldgehölzen, so das Landratsamt. Die Pflanzung von sogenannten gebietsfremden Arten in der freien Landschaft sei nach dem Naturschutzgesetz – außerhalb von genehmigten Baumschulen – sogar verboten. Über die künftige Nutzung der Flächen könne die Gemeinde als Grundstückseigentümer und Betreiber der Wasserversorgung im Rahmen der geltenden Gesetze entscheiden. So seien die Gemeinden nach dem Naturschutzgesetz verpflichtet, ihre Grundstücke im Sinne der Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu bewirtschaften.

 

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