MICHELAU

Nachruf: Zum Gedenken an OT-Mitarbeiter Klaus Gagel aus Michelau

Zum Gedenken an OT-Mitarbeiter Klaus Gagel aus Michelau
Klaus Gagel ist am Samstag im Alter von 70 Jahren verstorben. Foto: Georg Klerner-Preiß

Nachruf

Die Verabredung stand. Im Februar wurde mit Klaus Gagel und seiner Frau Susanne eine gemeinsame fränkische Brotzeit für die Jahresmitte, nach der Öffnung der Gaststätten nach dem Lockdown, vereinbart. Und jetzt? Eine Stimme, die weithin bekannt war, schweigt …

Das öffentliche Leben im Landkreis Lichtenfels, an dem Klaus Gagel in vielerlei Funktionen maßgeblich beteiligt war, verliert mit ihm einen Macher, jemanden, der eher für Taten als für platte Worthülsen stand, jemanden, bei dem Intellekt, Empathie und Verlässlichkeit eine lohnende Symbiose eingegangen sind.

Journalistische Qualität und hochwertige Fotos

Es gibt wohl kaum jemanden in der Region, der das Zeitungskürzel -kag- nicht kennt. Über viele Jahrzehnte stand dieses für journalistische Qualität oder aussagekräftige hochwertige Fotos. Dem öffentlichen Leben fehlt von nun an ein tragender Eckstein.

Dass der regionale Handballsport in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit erfahren hat, lag vor allem an Klaus Gagel.

Zum Gedenken an OT-Mitarbeiter Klaus Gagel aus Michelau
Klaus Gagel † Foto: red

Ausgestattet mit einem übergroßen Teleobjektiv, stand er zunächst bei seinem Stammverein, dem TV Michelau, seit Anfang der 1990-er Jahre, später bei allen heimischen Vereinen, stets direkt neben dem Handballtor. Da gibt es ja schließlich die besten Schnappschüsse. Und dieses Bestreben, aus allem immer das Beste herauszuholen, zog sich durch sein ganzes Leben.

Nach dem Studium schnell Karriere gemacht

Musterschüler am Meranier-Gymnasium, Studium der Fächer Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien, Studienrat und bald jüngster stellvertretender Direktor Oberfrankens am Gymnasium Burgkunstadt. Viele Schülergenerationen durften ihn als hochkompetenten Naturwissenschaftler erleben, ehe ihn der Ruf auf den Posten des Oberstudiendirektors am Caspar-Vischer- Gymnasium in Kulmbach ereilte, das er bis zu seinem Eintritt ins Pensionsalter leitete.

Sein charakterlicher Steckbrief ist schnell erzählt und liest sich wie das Kaleidoskop eines gelungenen Lebens: zielstrebig, technikaffin, strukturiert, klar im Wort, ein Familienmensch, geerdet, kulturellen Dingen gegenüber aufgeschlossen, sportlich, augenzwinkernd humorvoll, ohne verletzend zu sein …

Im erlauchten Kreis renommierter Tierfotografen

Man kommt jedoch nicht umhin seine Leidenschaft zur Fotografie besonders zu erwähnen, der er schon in jungen Jahren frönte und diese stets mit technischen Neuerungen optimierte. Sein Foto eines Fliegen fangenden Frosches, das bundesweit Eingang in viele Biologieschulbücher gefunden hat, brachte ihn endgültig in den erlauchten Kreis der renommierten deutschen Tierfotografen. Fortan wurde die Kombination aus seinen journalistischen und fotografischen Qualitäten zu seinem Markenzeichen, so dass er nicht nur der Michelauer Lokalreporter wurde, sondern auch der Vorsitzende der Jury des alljährlichen „Blende-Fotowettbewerbs“.

Klaus Gagel hat mit all diesen unterschiedlichen Rollen und Facetten seiner Persönlichkeit bravourös jongliert. Er hinterlässt Trauer, natürlich in erster Linie bei seiner Familie, aber auch bei Freunden, Weggefährten und seinen Exschülern.

Es ist eine Trauer, die man nicht sehen, nicht hören, sondern nur fühlen kann. Sie ist nicht greifbar, ist nebulös, ohne Umrisse. Nicht erst, wenn man das Kürzel -kag- im Obermain-Tagblatt vergeblich sucht, möchte man diesen Nebel packen und wegschieben, aber die Hand greift ins Leere. Und dennoch; freilich geht mit dem Tod vieles verloren, niemals aber die gemeinsame Zeit und die Erinnerungen. Ein spanisches Sprichwort lautet: „Wer gut sät, erntet gut!“ Klaus Gagel hat gut gesät und Spuren hinterlassen und irgendwie ist er bei der nächsten Brotzeit dabei …

 

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