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Michelau: Ozan Tarayici und die Europameisterschaft

Michelau: Ozan Tarayici und die Europameisterschaft
Ab und an kickt Ozan Tarayici mit Tochter Yarem gegen den Ball. Foto: Heinz Fischer

Mit einem Jahr Verspätung hat Mitte Juni die Fußball-Europameisterschaft begonnen, die erstmals in Stadien quer über den Kontinent ausgetragen wird. Viele Fußballfans der Region dürften dem ersten Anstoß sehnsüchtig entgegengefiebert haben, die meisten dürften Deutschland die Daumen drücken. Doch wie ist es um die Mitbürger mit ausländischen Wurzeln bestimmt, die in unserer Mitte leben und unverzichtbar zu uns gehören? Das Obermain-Tagblatt widmet ihnen eine kleine Serie. Schließlich ist „König Fußball“ nicht selten ein völkerverbindendes Element.

Ozan „Ossi“ Tarayici stammt aus dem tiefen Südosten der Türkei. Geboren wurde er in Malatya, Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz in Ostanatolien, nahe der Irakischen Grenze. Bereits als Siebenjähriger kam er mit seinen Eltern nach Deutschland, genauer gesagt nach Michelau, wo er aufwuchs und auch die Schule besuchte. Und wo er seine fußballerischen Fähigkeiten verfeinerte.

Heute lebt er immer noch in Michelau. Mit viel Eigenleistung hat er ein altes Bauernhaus restauriert, in diesem wohnt der 49-jährige Färber zusammen mit seiner 17 Jahre alten Tochter Yarem. Tarayici sieht sich als Europäer, Probleme mit Menschen anderer Nationalität kennt er nicht.

Weil die Deutschen seinen Namen eh nicht richtig aussprechen können

Michelau: Ozan Tarayici und die Europameisterschaft
Wir nur liebevoll „Ossi“ genannt: Ozan Tarayici. Foto: Heinz Fischer

„Ossi“ ist fußballbegeistert. Kein Wunder, hat er hat doch früher auch in der Jugend des FC Michelau gekickt. Tarayici findet es gut, wenn seine Freunde ihn „Ossi“ nennen. „Ozan können die Deutschen eh nicht richtig aussprechen“, sagt er augenzwinkernd.

Bei der Europameisterschaft schaut er natürlich die Spiele der deutschen und türkischen Mannschaft an, darüber hinaus aber auch andere spannende Partien, wenn er Zeit dazu findet. Gerne lädt er zu den Fernsehübertragungen deutsche und türkische Freunde ein. Dann kredenzt er auch Bier und Knabbereien.

Wie ein „Serefe“ hitzige Diskussionen schnell beendet

Natürlich kommt es da auch mal zu mehr oder weniger hitzigen Diskussionen, aber mit einem „Prost“ oder „Serefe“ verträgt man sich schnell wieder. Im Hof hängt eine türkische Flagge. Die aber hat hier einen Stammplatz und nicht unbedingt was mit der Europameisterschaft zu tun.

„Ossi“ ist bekennender Fan von Galatasaray Istanbul. Da der Verein einen Löwen im Wappen führt, liegt es für ihn nahe, in Deutschland sein Herz für den TSV 1860 München schlagen zu lassen. Die Frage, ob er sich eher als Deutscher oder Türke fühlt, beantwortet er mit „fifty-fifty“. Tochter Yarem, mit der er auch ab und zu mal im Hof kickt, ist hier schon eine Generation weiter: Sie fühlt sich schon zu 80 Prozent deutsch.

Diplomatische Antwort: Der Bessere möge gewinnen

Fußball im Allgemeinen und gerade solche internationalen Turniere empfindet Tarayici zweifelsohne als völkerverbindend, auch wenn es vielleicht mal zu Auseinandersetzungen nach den Spielen kommt. Sollte es im Verlauf des Turniers mal zu einer Paarung Deutschland – Türkei kommen, so würde „Ossi“ einfach zu der Mannschaft halten, die das bessere Spiel abliefert.

Wer wird seiner Meinung nach Europameister? Die türkische Mannschaft sieht er mindestens im Viertelfinale, den Titel traut „Ossi“ aber am ehesten den Franzosen zu.

 

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