MICHELAU

Michelau fordert Fußgängerquerung über B 173

Die Lösungsvorschläge des Staatlichen Bauamts Bamberg: Die blau gekennzeichnete Variante würde den Weg von Krappenroth zu den Gaabsweihern nutzen und durch eine Unterführung und an der Bundesstraße entlang zum Bahnhof leiten. Die rot gekennzeichnete Variante würde über den histor... Foto: Staatliches Bauamt Bamberg

1937 war er schon in Karten eingezeichnet, genutzt wird er beileibe nicht nur von Wanderern: der Weg, der von Krappenroth zum Michelauer Bahnhof führt. Seit 2019 wird er auf Michelauer Seite an der Bundesstraße durch eine Leitplanke versperrt, angebracht vom Staatlichen Bauamt Bamberg nach Bauarbeiten auf der B 173. Seitdem wird darum gerungen, wie und wo eine sichere Fußgängerquerung eingerichtet werden kann.

„Die Verkehrssicherungspflicht liegt bei der Unteren Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt“, erklärte der Michelauer Bürgermeister Jochen Weber bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend. Und die lehne die bereits besprochene Querungshilfe aus Sicherheitsgründen ab. Dies habe Landrat Christian Meißner bei einem Gespräch im Landratsamt noch einmal bestätigt.

Eine Fußgängerquerung muss eingeplant werden

Weber bekräftigte in der Gemeinderatssitzung die Forderung Michelaus, dass die Verantwortlichen eine Lösung finden müssen: „Der Weg ist da, den können die nicht einfach wegmachen.“ Geschäftsleitender Beamter Norbert Eiser ergänzte, dass rein rechtlich gesehen eine Fußgängerquerung beim Ausbau der B 173 in der Planung berücksichtigt werden müsse.

Die Frage ist nur, wo. Zwei Varianten stehen im Raum, die den Michelauern beide nicht gefallen. Die erste würde beinhalten, dass die bestehende Bahnunterführung unter der dann vierspurigen Bundesstraße hindurch fortgeführt wird. Um dorthin zu gelangen, würde der Fußweg von Krappenroth Richtung Gaabsweiher genutzt. Das ergäbe eine zusätzliche Wegstrecke von 1600 Metern.

„Wir wollen eine Überquerung auf Höhe des Bahnhofs. Dafür wird die Gemeinde weiterkämpfen.“
Norbert Eiser, geschäftsleitender Beamter

Bei der zweiten Variante würde der Fußweg entlang der Bundesstraße Richtung Trieb bis auf Höhe des Kieswerks Schramm verlängert. Dort wird im Zuge der Ausbauarbeiten eine Brücke entstehen, über die Fußgänger dann auf die andere Seite gelangen könnten. Zusätzliche Strecke: 1900 Meter.

Das sorgte für Kopfschütteln im Gemeinderat. CSU-Fraktionsvorsitzende Judith May wies darauf hin, dass Krappenrother den Weg täglich nutzen, um zum Bahnhof und von dort mit dem Zug zur Arbeit nach Bamberg zu fahren. Bei der jetzigen Strecke von etwa 750 Metern kein Problem. Aber „die machen das natürlich nicht, wenn sie dann fast drei Kilometer laufen müssen“. May regte an, das als Argument zu nutzen: „Es ist eben nicht bloß ein Wanderweg.“ Geschäftsleitender Beamter Eiser bekräftigte: „Wir wollen eine Überquerung auf Höhe des Bahnhofs. Dafür wird die Gemeinde weiterkämpfen.“ Unterstützt wissen sich die Michelauer dabei von der Stadt Lichtenfels, die sich mit den vorgelegten Varianten auch nicht anfreunden kann.

Machbarkeitsstudie für die Lif 13 neu kommt

Im Zuge des Ausbaus der B 173 wird für Michelau ein weiteres Thema wieder aktuell: die Lif 13 neu, die Umgehung, für die in der Korbmachergemeinde schon seit Jahrzehnten gekämpft wird. Auch sie war Thema im Gespräch mit dem Landrat. Bürgermeister Weber informierte den Gemeinderat, dass die ursprünglich geplante Trasse nach der Klage des Bund Naturschutz vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vom Tisch sei. Er betonte aber: „Wir wollen alle miteinander nach wie vor eine Verkehrslösung für Michelau.“

Einfach werde es nicht: Michelau ist von FFH-Gebieten, Gewässern und Richtung Schney auch von Wasserschutzgebieten umgeben. Deshalb werde das Landratsamt nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Verkehrskonzept im Rahmen eines ISEK-Programms

Auf Empfehlung Meißners solle die Gemeinde Michelau außerdem ein Ingenieurbüro beauftragen, ein Verkehrskonzept zu erstellen. Der Landrat schlug dafür ein ISEK-Programm vor. Wie Weber dem Gemeinderat erläuterte, sind Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzepte dafür da, Einzelhandel, Gewerbe und Verkehr in einer sensiblen Innenstadt mit historischer städtebaulicher Anlage weiterzuentwickeln.

Wie geht es weiter mit dem Krappenrother Weg? Momentan endet der Pfad von Michelau kommend an der Bundesstraße hinter de... Foto: red

Dabei würden verschiedene Handlungsfelder vorgegeben, neben Verkehr zum Beispiel auch Mobilität, Stadtgestaltung und Baustruktur, Siedlungsräume und Entwicklung, Einzelhandel und Nahversorgung, Wohnen, Baukultur, Grün- und Freiflächen. Man müsse nicht alle abarbeiten, aber es genüge auch nicht, sich allein mit dem Thema Verkehr zu beschäftigen. Ein auf die Gemeinde zugeschnittenes Konzept koste Geld, machte der Bürgermeister klar. Es werde aber auch gefördert. Ein ISEK-Programm dauere mehrere Jahre. „Wir sollten aber dran bleiben, weil wir ja eine Lösung brauchen“, meinte Weber.

Judith May sprach sich im Namen der CSU-Fraktion gegen Interims- und Übergangslösungen sowie bruchstückhafte Verbesserungen innerorts aus. Michelau brauche die Umgehung so schnell wie möglich. Durch die Erweiterung der Deponie in Lettenreuth, das Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr in Marktzeuln und das allgemein gestiegene Verkehrsaufkommen sei die Belastungsgrenze vor allem für den Kernort erreicht.

Die CSU-Fraktion will Druck machen und die Bürger ins Boot holen

Da es auch wieder dauern werde, bis ein Konzept erarbeitet und umgesetzt sei, fordere die CSU, dass unverzüglich mit der Planung begonnen werde: „Nicht später, nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Außerdem beantrage die Fraktion eine vierteljährliche schriftliche Stellungnahme des Landratsamts zum Planungs- und später zum Baufortschritt, die in den öffentlichen Gemeinderatssitzungen zu verlesen seien. May: „Es ist an der Zeit, hier den Bürger ins Boot zu holen, um eine maximale Beschleunigung zu erreichen.“

Aus der SPD meldete sich Jürgen Spitzenberger zu Wort, der sich das Thema Verkehrsentlastung seit Jahren auf die Fahnen geschrieben hat. Er zeigte sich „positiv überrascht, dass sich endlich was tut“. Er regte an, innerhalb des Gemeinderats ein Gremium zu bilden, dass sich damit befassen sollte.

Der Gemeinderat beauftragte schließlich einstimmig die Verwaltung, mit der Regierung von Oberfranken ein ISEK-Programm abzustimmen.

Aus dem Gemeinderat

• Für den Rechnungsprüfungsausschuss berichtete Katja Ament (CSU) von der Prüfung der Jahresrechnung 2020. Sie merkte an, dass viele Kinder aus Michelau Kindergärten außerhalb der Gemeinde besuchen. Es sollte eine bessere Auslastung der eigenen Kindergarten angestrebt werden. Dazu schlug Dirk Fischer für die CSU-Fraktion vor, auf der Homepage der Gemeinde Werbung für die örtlichen Kindergärten zu machen. Bürgermeister Jochen Weber will die Anregung mit den Trägern – den Kirchen – besprechen.

• Geprüft wird der Antrag von Ralph Herbst (CSU), an der Kreuzung Bergstraße-Hügelstraße in Neuensee zwei Verkehrsschilder „Achtung! Kinder überqueren die Straße“ aufzustellen. In der Hügelstraße befinden sich ein Spielplatz und die Schulbushaltestelle, deshalb sind hier viele Kinder unterwegs.

• Was die Neuausweisung des Vorranggebietes für Windkraftanlagen 500 „Fornbach-West“ betrifft, so schließt sich Michelau der Stellungnahme des Landratsamts Lichtenfels an: Weder sind Belange des Landkreises noch der Gemeinde berührt.

• Zur Glasfasererschließung informierte Bürgermeister Weber darüber, dass die Gemeinde laut Auskunft des Bayerischen Gemeindetags nicht nur ein Unternehmen unterstützen darf. Das heißt, dass Michelau auch der Telekom die Möglichkeit einer Informationsveranstaltung einräumen muss. Zurzeit seien Mitarbeitende der Telekom in der Gemeinde unterwegs. Dem Bürgermeister ist zu Ohren gekommen, dass sie behaupten, im Auftrag der Gemeindeverwaltung zu handeln. Weber stellte klar, dass das nicht der Fall ist: Michelau hat einen Kooperationsvertrag mit dem Konkurrenten, der Deutschen Glasfaser, abgeschlossen.

• In der nichtöffentlichen Dezembersitzung hat der Gemeinderat entschieden, eine Rahmenvereinbarung für die Wasserversorgung (Reparaturen und Sanierungen) mit der Firma Richter-Bau in Altenkunstadt abzuschließen (15 100 Euro). Für die Atemschutzausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Michelau werden 24 MSA M1 Pressluftatmer ohne Lungenautomat bei der Firma NeoVia, Ludwigsfelde, gekauft (36 600 Euro). Der Gemeinderat stimmte außerdem dem Nachtrag zur Sanitärinstallation der Firma HLS-Metallbau GmbH, Sonneberg, für den Schülerhort Michelau (14 800 Euro) und der Vergabe des Planungsauftrags für die Leistungsphasen 3-9 der Sanierung der Mainbrücke Schwürbitz an die Firma K+U Ingenieurgemeinschaft, Wunsiedel, zu (76 400 Euro).

Schlagworte