MARKTGRAITZ

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Gute Stimmung herrschte beim Festabend 950 Jahre Marktgraitz auf dem abendlichen Marktplatz. Foto: Roland Dietz

„Die trauen sich was, die Marktgraitzer“, sagte Julia Spörlein, Dritte Bürgermeisterin von Weismain, bei der 950-Jahrfeier in der Marktgemeinde Marktgraitz. Und recht hatte sie, war es doch das erste größere Fest mit Publikum in diesem Sommer im Landkreis Lichtenfels.

„Die trauen sich was, die Marktgraitzer.“
Julia Spörlein, Dritte Bürgermeisterin Weismain
Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Die Blaskapelle Marktgraitz spielt ihrer Gemeinde zur 950 Jahr Feier ein Ständchen. Foto: Roland Dietz

Dabei waren Planung und Umsetzung eines Hygiene- und Abstandskonzepts eine enorme Herausforderung. So nutzten die Veranstalterinnen und Veranstalter den durch abgerissene Häuser größer gewordenen Raum auf dem Marktplatz, um die über 80 Sitzgarnituren in gebührendem Abstand zueinander aufbauen zu können.

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Bürgermeister Jochen Partheymüller (re.) und der Historiker Dr. Joachim Andraschke beim Geschichtsvortrag über 950 Jahre... Foto: Roland Dietz

Dazu mussten die Besucherinnen und Besucher am einzigen Eingang ihre Personalien nennen, Speisen und Getränke wurden selbst von den Ständen abgeholt, und schließlich kontrollierte eine Sicherheitswachts, dass alle Vorgaben eingehalten wurden. Dass es hier Schwierigkeiten geben könnte, akzeptierte Bürgermeister Jochen Partheymüller in seiner Begrüßung übrigens nicht: „Wir hatten fast eineinhalb Jahre Zeit, die Regelungen zu lernen, heute muss es klappen.“

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Ein Prosit der Gemütlichkeit. Zweiter Bürgermeister Richard Gesslein mit Begleitung. Foto: Roland Dietz

Mit toller Live-Musik hatte das aus Marktgraitz stammende Duo Gitti und Frank, besser bekannt als „Wir sind Wir“, die ersten Besucher sehr anmutig begrüßt. Und sie hatten gleich einen Höhepunkt zu bieten. So hatten sie das „Graatzer Hecht'n Lied“ neu aufgelegt, und die meisten schunkelten im Dreivierteltakt mit. So war zu hören: „Er ist geschnitzt aus gutem Holz, ist wendig frech und gar net faul, das größte ist und bleibt sei Maul. Ja, ja in Stadt und Land, ist er gar wohl bekannt, er frisst und säuft net schlecht der Graatzer Hecht.“

„Wir lieben Tradition und Brauch, und feiern können wir auch“

Im nichts nach stand das „Graatzer Frankenlied“, das ebenfalls auf die Feierlust der Gratzer anspielt. „Wir lieben Tradition und Brauch, und feiern können wir auch. Als Gott die Welt erschuf, machte er sich Gedanken, wo lebt sich's am besten, und so erschuf er Franken.“

Stellvertretender Landrat Helmut Fischer gratulierte den „Graatzern“ in seinem Grußwort zu ihrem großartigen Jubiläum und stellte die Bedeutung der kleinsten Kommune im Landkreis fest. So stammt der frühere Landrat Reinhard Leutner ebenso aus Marktgraitz wie die Dekane Michael Schüpferling und Lars Rebhan. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) attestierte den Einwohnerinnen und Einwohnern von Marktgraitz, dass diese schon immer ein „fleißiges Völkchen“ waren. Sie wünschte weiterhin ein gutes Miteinander der Generationen, dass sie gemeinsam alle Projekte ausführen können und dass sie weiterhin zusammenhalten.

Blasmusik Marktgraitz spielt ein Geburtstagsständchen

Ein tolles Geburtstagsständchen spielte im Anschluss die örtliche Blasmusik ihrer Gemeinde. Der „Frankenlied-Marsch“ und der Blasmusik-Klassiker „Auf der Vogelwiese“ wurden im Refrain von der Truppe um Dirigent Sebastian Gesslein gar mit Inbrunst gesungen. Ein toller Sound prägte das Stimmungs-Potpourri „Jetzt geht?s rund“. Viel Beifall gab es für das Trompetensolo „Oh mein Papa“ und den „Posaunenglanz“. Sehr stimmungsvoll war der „Tiger-Rag“, bei dem alle Besucherinnen und Besucher begeistert mitklatschten.

Teile aus der neuen Festschrift zum 950-jährigen Bestehen stellten bei einem Frage- und Antwort-Auftritt der Historiker Dr. Joachim Andraschke und Bürgermeister Jochen Partheymüller vor. Auch wenn es wegen der Pandemie nicht möglich gewesen sei, ein Fest wie vor 25 Jahren auf die Beine zu stellen, sei bei dem kleiner und ruhiger dimensionierten Jubiläum die Begeisterung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer genauso groß, so das Gemeindeoberhaupt.

Erste Siedlungen bereits in der Jungsteinzeit

Der Historiker stellte fest, dass Marktgraitz schon viel älter sei als 950 Jahre. Ausgrabungen am Berglein hätten bewiesen, dass bereits in der Jungsteinzeit vor 4000 bis 5000 Jahren Menschen hier gesiedelt haben. „Auch Kelten hatten hier schon 80 vor Christus bis neun nach Christus gesiedelt, als es zu den großen Völkerwanderungen mit brutalen kriegerischen Auseinandersetzungen kam“, so der Historiker.

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Die Country-Band „Rebell-Heart“, die vor 25 jahren schon auf der Bühne stand, mit Bassist Jochen Partheymüller. Foto: Roland Dietz

Ein paar Jahrhunderte später hätten sich die Franken in der Region niedergelassen, die unter dem Karolinger Karl dem Großen im 8. und 9. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung erlebten. Marktgraitz ist laut Andraschke Sitz eines Zentgerichts und ein Urpfarreiort gewesen.

Von 600 bis 1600 immer bedeutende Siedlungen

„Die Ersterwähnung eines Ortes ist wie ein Taufschein und nicht unbedingt der Geburtstag, und wurde damals oft auf den betreffenden Ort übertragen“, sagte der Historiker und erklärte: „So gab es Urpfarrer und Zentgericht seit 680 in Franken. Die Slawen, und dies zeigt sich auch an Flurnamen, waren 100 Jahre später hier.“ Grundsätzlich bleibe festzustellen, dass hier vom Jahr 600 bis 1600 immer bedeutende Siedlung hier gelegen haben.

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Das Marktgraitzer Duo "Wir sind Wir" mit einer musikalischen Neufassung des Graatzer Hecht`n Liedes. Foto: Roland Dietz

Natürlich wurden auch die Namen der Bewohner im Ort genauer betrachtet. „Bei Namen wurden oft der Beruf, das Aussehen oder die Herkunft von Menschen eingearbeitet“, sagte Andraschke. So gebe es Familien mit Namen Partheymüller ab 1700 in Marktgraitz. Noch älter sei der Name Gesslein. „Gesslein ist eine Ableitung vom Bogenkrieger vor dem Jahr 1300, der plötzlich weg war und nach dem 30-jährigen Krieg wieder auftauchte. Er ist eigentlich den Burgunderkriegern mit typischen Kriegsbogen Streitaxt und Schwert zuzuordnen“, erläuterte der Historiker.

Band-Revival nach 25 Jahren

Marktgraitz feiert sein 950-jähriges Bestehen
Bürgermeister Jochen Partheymüller (re.) und der Historiker Dr. Joachim Andraschke beim Geschichtsvortrag über 950 Jahre... Foto: Roland Dietz

Nach diesem Fachvortrag kam es zu einem tollen Revival-Konzert. So hatte 1996 die Country-Band „Rebell-Heart“ bei der Feier die Gäste stimmungsvoll unterhalten. Diese trat nun in der Formation von 1996 mit Stefan Sailer (Gitarre), Uwe Schindler (Keybord), Jochen Partheymüller (Bass) und Sieglinde Hornung (Geige) auf und wurde unterstützt von Schlagzeuger Matthias Berg.

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Gute Stimmung herrschte beim Festabend 950 Jahre Marktgraitz auf dem abendlichen Marktplatz. Foto: Roland Dietz

Sieglinde Hornung bewies, dass sie immer noch ein Ass auf der Geige ist. Bei „Fiddle in the Band“ oder „Amarillo by Morning“ wurde dies besonders deutlich. Nach diesem Gastspiel übernahmen die „Shilouttes“ und spielten Oldies wie „Eight Days A Week“ von den Beatles, „Who`ll Stop The Rain“ von CCR oder „It Never Rains In Southern California“ von Albert Hammond.

 

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