MARKTGRAITZ

Marktgraitz einstimmig gegen einen Funkmast am Sportplatz

Marktgraitz einstimmig gegen einen Funkmast am Sportplatz
So könnte ein möglicher für Mobilfunkmast am Marktgraitzer Sportgelände aussehen. Foto: Roland Dietz

Für eine lebhafte Diskussion sorgten Pläne der Deutschen Telekom zum Bau eines Mobilfunkmasts am Sportplatz im Gemeinderat Marktgraitz. Anschließend hatte Jennifer Pohl, Kommunalbeauftragte der Telekom, niemanden mehr auf ihrer Seite. Sowohl die anwesenden Bürger als auch Gemeinderäte und Bürgermeister Jochen Partheymüller sprachen sich gegen einen Mobilfunkmast aus.

Jennifer Pohl, die online zugeschaltet war, erklärte als Grund für die Baupläne, dass die Datenübertragung im Mobilfunk jedes Jahr um 30 bis 40 Prozent steige. Die Corona-Pandemie habe dies zusätzlich forciert. In Marktgraitz sei das Mobilfunknetz auf Dauer nicht mehr ausreichend. Deshalb sei es notwendig eine zukunftsträchtige Versorgung anzustreben. Am Marktplatz werde derzeit nur 2G/GSM mit einer Rundstrahlantenne angeboten, einen LTE-Sendemasten gebe es nicht. Statt der veralteten Rundstrahlantennen würden inzwischen dreifach-sektorisierte Antennen verwendet. Diese Technik könne aber im Anwesen Marktplatz 9 nicht eingebaut werden. Der nächstgelegene Sendemast mit UMTS und LTE stehe in Redwitz.

Alte Antenne am Marktplatz lässt sich nicht aufrüsten

Eine Simulation zeige, dass mit dem neuen Standort das gesamte Gemeindegebiet, auch die „Seitentäler“ im Bereich Erlenweg und Lettenreuther Straße, versorgt werden könnten. Darüber hinaus werde der Mobilfunkempfang in Trainau, Mannsgereuth und Trübenbach verbessert. Ein gutes Mobilfunknetz sei auch wichtig für die Ansiedlung von neuen Familien und jungen Menschen in Marktgraitz, warb Jennifer Pohl.

Die Deutsche Funkturm GmbH (Tochter der Telekom) beabsichtigt, in der Nähe des Marktgraitzer Sportplatzes den Neubau eines Mobilfunksenders. Daher wurde der Bau eines 40 Meter hohen Schleuderbetonmastes mit zwei Plattformen und Outdoortechnik auf Bodenplatte beantragt.

Fragen nach Strahlenbelastung und Alternativen nicht beantwortet

Schon beim der Standortfrage erhitzten sich jetzt die Gemüter. So forderte Jörg Partheymüller (FW), der Vorsitzender des FC Marktgraitz ist, dass er es nicht möchte, dass der Begriff „Standort Sportplatz“ gewählt werde, da der Verein weder der Besitzer des möglichen Grundstückes sei, noch dem Bau zustimmen werde. Die Frage von Richard Geßlein (CSU) nach der Strahlenbelastung für die Anwohner konnte die Kommunalbeauftragte nicht zufriedenstellend beantworten. Die Telekom halte die vorgeschriebenen Grenzwerte ein, versicherte sie. „Standorte müssen keinen Schönheitspreis gewinnen“ fügte Jennifer Pohl hinzu. Bei der Frage nach alternativen Möglichkeiten gab sie sich sehr zugeknöpft. So werde man an der angestrebten und mit sehr hohen Kosten verbundenen Planung festhalten und kein anderer Standort gesucht.

Anton Hügerich wollte wissen, ob ähnlich wie beim Bau der Hochspannungsstrommasten aus dem geplanten 40 Meter hohen Mast einmal ein 70 Meter hoher werde, bekam er lediglich die Antwort, dass die technische Entwicklung weitergehen werde. Der Wunsch von Bürgermeister Jochen Partheymüller und den Gemeinderäten, eine solche Anlage auf einen der bestehenden Hochspannungsmasten unterzubringen, erteilte Jennifer Pohl ebenfalls eine deutliche Absage. Montage, Unterhalt, Reparaturen und Wartungsarbeiten wären auch wirtschaftlich für die Telekom nicht machbar. Ähnlich sei es mit einem Standort neben einem Hochspannungsmast.

Bürgermeister Jochen Partheymüller kritisierte, dass es keinerlei kommunale Abstimmung für den geforderten Standort gegeben habe. Außerdem sei ein Mobilfunkmast kaum eine Attraktion für junge Familien.

Trotz allem zeigte sich die Kommunalbeauftrage zuversichtlich, eine Genehmigung des Landratsamtes zum Bau auch ohne Zustimmung der Gemeinde zu erhalten. Darauf reagierte die Bürger im Publikum entrüstet. Gerhard Müller sagte, dass bei Arnstein nach allen Abwägungen zunächst kein Mast gebaut werde. In Modschiedel werde von der Telekom und der Kommune nach einer anderen Möglichkeit gesucht und die Bürger nicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Max Seubold kritisierte, dass die Telekom nur den wirtschaftlichen Nutzen sehe. „Unbedingt brauchen wir den neuen Mast nicht, denn selbst im Wald ist ein Netz vorhanden“, meinte er.

„Wir werden uns die Pistole nicht auf die Brust setzen lassen.“
Jochen Partheymüller, Bürgermeister

Etliche Räte forderte eine Unterschriftensammlung gegen die Planungen für einen neuen Mobilfunkmast. Wenn die Bürger den Bau nicht wollten, dann sollte das Landratsamt diesen Willen respektieren, betonten sie. Auch weitere Möglichkeiten gegen einen Bau werden geprüft. „Wir werden uns die Pistole nicht auf die Brust setzen lassen“, betonte Auch Bürgermeister Jochen Partheymüller. Die Gemeinde Marktgraitz hat zur Wahrung ihrer Interessen bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Aus dem Gemeinderat

Ein weiteres Mal war die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone mit Tempo 30 im Bereich Schneidmühle-Steinachstraße- Keltenstraße ein Thema. Stefan Stumpf (SPD) hatte die Anwohner gefragt. Wenn es eine Tempo-30-Zone geben sollte, würde die Vorfahrtsregel „Rechts vor links“ zur der Kreuzung Steinachstraße-Schneidmühle nicht mehr gelten. Dabei hatten sich 26 Anwohner dafür ausgesprochen, dass alles so bleiben möge wie es ist. Nur sieben waren für eine Änderung. Stefan Stumpf war der Meinung, der Wille der Bürger sollte berücksichtigt werden. Nach abermaliger Diskussion machte Bürgermeister den „salomonischen Vorschlag“, die bestehende Regelung beizubehalten und erst in der Keltenstraße eine Tempo-30-Zone einzuführen. Dies wurde einstimmig beschlossen.

Zurückgestellt wurde der Antrag der katholischen Kindertagesstätte St. Michael zum Bau eines Kinderwagenunterstellraumes. Grund dafür war, dass die Anzahl der Wagen steigt und am Behinderten-WC und beim Fluchtweg zu wenig Platz ist.

Marktgraitz einstimmig gegen einen Funkmast am Sportplatz
Ein Kinderwagenunterstellplatz soll rechts vom Eingangsbereich des Kindergartens in Marktgraitz gebaut werden. Foto: Roland Dietz

Vorgeschlagen wurde, einen aus Holz bestehenden Unterstellplatz hinter oder neben der Garage zu errichten. Dies wurde bereits mit den kirchlichen Gremien abgesprochen, wie der Bürgermeister berichtete. Da die Gemeinderäte grundsätzlich dafür waren, werden jetzt die Kosten ermittelt, wobei eine Beteiligung bei der Beschaffung des benötigten Holzes möglich sein könnte.

Zur Neugestaltung des Kirchweihplatzes berichtete Jochen Partheymüller, dass die Planungen aus Sicht des Öffentlichen Personennahverkehrs sehr positiv aufgenommen wurden. Besonders der barrierefreie Ausbau der Haltestelle und des geplanten Wartehäuschens wurden begrüßt. Gegen die Planungen bestünden keine verkehrsrechtlichen Bedenken. Das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) lehne jedoch eine Förderung ab, da das Landratsamt zuständig sei. Das gelte auch für die Erstellung eines Abfallcontainerplatzer am Sportplatz.

Marktgraitz einstimmig gegen einen Funkmast am Sportplatz
Mit den Arbeiten zur Neugestaltung des Kirchweihplatzes in Marktgraitz soll demnächst begonnen werden. Allerdings wird d... Foto: Roland Dietz

Eine Förderung der Marktplatzneugestaltung sei nur bei einer Gesamtkonzeption möglich. Für die nach dem Abriss neu entstandenen Flächen am Marktplatz werden zurzeit Gestaltungskonzepte erarbeitet. Auch hier werden die Anforderungen für möglichst viel Förderung enthalten sein.

Zufrieden zeigten sich die Räte über die Veröffentlichung der ersten Konsultation des Netzentwicklungsplanes Strom 2035. Darin sind die umstrittenen Leitungsprojekte P44 und P44mod nicht mehr enthalten. „Ich bin zufrieden, dass sich die Wehrhaftigkeit von Redwitz und Marktgraitz und ihrer Bürger und Verantwortlichen ausgezahlt hat. Wichtig war, was am Ende herausgekommen ist, und damit können wir leben“, betonte der Bürgermeister.

Unzufrieden zeigten sich jedoch einige Gemeinderäte über die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Beleuchtung. „Orangefarbenes Licht wird oft als zu dunkel moniert“, sagte Richard Geßlein (CSU). „Im Neubaugebiet ist es teils stockdunkel“ schob Tanja Beier (CSU) nach. Bürgermeister Jochen Partheymüller sah die fünf verschiedenen Leuchten-Systeme in ihrer Bauart als Hauptgrund. Dennoch werde das ganze nochmals geprüft und nach Möglichkeit Verbesserungen angestrebt.

Diskutiert wurde nochmals über die Möglichkeit, die geplante 950-Jahr-Feier abzuhalten. „Es ist klar, dass es kein normales Fest wird“, betonte Jochen Partheymüller. Dennoch wollten die Räte keine grundsätzliche Absage. Anton Hügerich (FW) war der Meinung, das damit die Vorfreude auf ein nicht alltägliches Fest zerstört würde. So war man allgemein der Meinung, die Veranstaltung nach den gegebenen Möglichkeiten stattfinden zu lassen. Grundsätzlich müsse die Machbarkeit im Verhältnis zur Corona-Pandemie im Auge behalten werden. Auch hohe Ausgaben und Verträge sollen in diesem Konsens soweit wie möglich heruntergefahren werden. Das Fest werde auch nicht auf 2022 verschoben, da bereits die Feuerwehr ihr 150-jähriges Bestehen feiern möchte, und zwei derartige Veranstaltungen im Ort nur schwer durchführbar seien. Das wurde einstimmig beschlossen.

Auch gegen die Gründung der Vereins „AllianzB303+“ und deren Erarbeitung eines Vitalitätsschecks gab es keine Einwände. Die Arbeitsgemeinschaft umfasst die Gemeinden Ebersdorf bei Coburg, Großheirath, Grub am Forst, Niederfüllbach, Schneckenlohe, Sonnefeld, Weidhausen bei Coburg, Untersiemau und die Marktgemeinden Marktgraitz und Mitwitz. Hier werden zukunftsfähige Konzepte für die interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) wie Innenentwicklungsprozesse, Leerstände, Baulücken und Brachen gemeinsam aufgegriffen.

 

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