MANNSGEREUTH

Mannsgereuth: Gäste aus DDR singen sich 1990 in die Herzen

Mannsgereuth: Gäste aus DDR singen sich 1990 in die Herzen
Gastgeschenke gab es vom Vorsitzenden des Männerchores Judenbach, Bernd Höllein, an den Vorsitzenden des GSV „Zum Lindenbaum“ Werner Knoth Foto: red

Auch in Mannsgereuth erinnern sich die Menschen sich gerne an „30 Jahre Deutsche Einheit“., die am 3. Oktober gefeiert wurde. Denn es gab immer eine besondere Verbindung zu einem Ort hinter dem Eisernen Vorhang.

Vorsitzende nach dem Fall der Mauer: „Wir fahren nach Judenbach!“

Beim Gesangverein „Zum Lindenbaum“ waren sich die beiden damaligen Vorsitzenden Werner Knoth (1.) und Gustav Spörlein (2.) nach der Grenzöffnung am 9. November 1989 sofort einig: „Wir fahren nach Judenbach!“ Da bei der Gründung des Gesangvereins im Jahr 1950 Willi Krempel aus dem thüringischem Judenbach der erste Dirigent gewesen war (Grab auf dem Friedhof in Beikheim), musste mit den Sängern aus Judenbach Verbindung aufgenommen werden.

Die damalige Vereinswirtin Dora Kestel hatte immer Kontakt mit der Familie Krempel gehalten. Und so fand man schnell Ansprechpartner. Nach ersten Anrufen bei den Söhnen Hans und Ulrich Krempel kam sofort Begeisterung auf.

Bereits Ende November fuhren die beiden Vorsitzenden nach Judenbach zu einer Singstunde des Männerchores. Sie können sich noch gut erinnern, mussten durch Grenzkontrollen, Fragen beantworten. „Kofferraum auf“, hieß es damals kurz nach der Öffnung noch. Aber es ging problemlos.

Gleich zur Feier des 40-jährigen Bestehens am 5. Mai 1990 eingeladen

Am Rande der Singstunde dann großes Hallo und freundliche Umarmungen. Vorsitzender Werner Knoth sagte spontan: „Am Europatag 5. Mai 1990 kommt ihr nach Mannsgereuth, wir feiern da unser 40-jähriges Jubiläum“. Bei einer Singstunde in Welitsch wurde dann alles perfekt gemacht.

Mannsgereuth: Gäste aus DDR singen sich 1990 in die Herzen
Zeitungsbild aus dem Jahr 1990. Foto: Werner Knoth

Um die Grenzöffnung, aber auch das Jubiläum des Lindenbaums richtig feiern zu können, hatten die Sänger ein paar Monate später für Übernachtungsmöglichkeiten der Judenbacher Gäste gesorgt. Bereits nach der Ankunft am frühen Nachmittag an der Dorflinde in Mannsgereuth wurden von den Sängern erste Kontakte aufgenommen.

Der Judenbacher Männerchor reißt die Zuhörer förmlich von den Stühlen

Der Höhepunkt war dann der Ehrungs- und Jubiläumsabend am Abend im Saal der Gastwirtschaft Kestel. Neben dem Mannsgereuther Männerchor bestach der Männerchor Judenbach, ein Spitzenchor in der damaligen DDR durch hervorragende Liedvorträge, die die Zuhörer förmlich von den Stühlen rissen.

Der damalige Vorsitzende Werner Knoth zeigte sich über den Besuch der Judenbacher sehr erfreut. Auch organisierte er, dass der Judenbacher Chor später am 1. Juli 1990 am „Europäischen Tag der Musik“ in Küps teilnahm.

Der Redwitzer Bürgermeisters Jochen Neumann stellte bei der Jubiläumsveranstaltung am 5. Mai den Wahlspruch „Singen heißt verstehen“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Anschließend wurden Gastgeschenke ausgetauscht. In gemütlicher und in einer sehr freundschaftlichen Runde feierten viele Mannsgereuther sowie Gäste aus der Sängergruppe Steinachtal und benachbarten Orten das Jubiläum.

„Unvergesslich!“ hieß der einheitliche Tenor dieses deutsch-deutschen Abends.

Wieder bestechen Sänger aus Thüringen mit tollen Beiträgen

Auch beim 50-jährigen Bestehen des Gesangvereins „Zum Lindenbaum“ Mannsgereuth im Jahr 2000 war es für die Judenbacher eine Ehre, nach Mannsgereuth zu kommen. Auch hier bestachen die Sänger aus Thüringen mit ihren hervorragenden Beiträgen.

Bis heute bestehen vereinzelt weiterhin noch freundschaftliche Beziehungen. Fragt man heute Werner Knoth, kommt die Antwort: „Wir, ich meine, neben meiner Person den 2. Vorsitzenden Gustav Spörlein, Chorleiter Herbert Stumpf und Ehrenvorsitzenden Oswald Vetter, haben gleich nach der Grenzöffnung gehandelt. Wir waren das auch unserem ersten Chorleiter Willi Krempel aus Judenbach schuldig, der den Chor gemeinsam mit uns aufgebaut hat“.

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