SCHWÜRBITZ

Mainbrücke Schwürbitz: Neu bauen oder sanieren?

Nicht mehr verkehrs- und standsicher ist die Mainbrücke in Schwürbitz. Soll sie saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden? Über die verschiedenen Möglichkeiten wurden die Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Dienstag informiert. Foto: Annette Körber

42 Jahre ist es her, dass bisher letztmals ein Gemeinderat in Schwürbitz tagte: 1978 kam das Dorf zu Michelau. Nun war es wieder so weit. Corona bedingt kamen die Räte am Dienstagabend in der Turnhalle zusammen. Da traf es sich gut, dass mit der Mainbrücke und dem Radweg auch zwei Schwürbitzer Themen auf der Tagesordnung standen.

Wobei nur zum Radweg ein Beschluss gefasst wurde. Es geht um die im Rahmen der Hochwasserfreilegung geplante Verbindung vom Kirchweihplatz zur Mainbrücke. Damit die Bauarbeiten fortgeführt werden können, war nun zu entscheiden, ob eine wassergebundene Decke aufgebracht werden soll. Auf Vorschlag des Bürgermeisters Dirk Rosenbauer beschloss der Gemeinderat, den Radweg aus der Baumaßnahme herauszunehmen und vorerst zurückzustellen.

Rost und Korrosion, Durchfeuchtung und Pilzbefall

Bei der Mainbrücke ging es dieses Mal um eine umfassende Information. Das Bauwerk, das 1902 errichtet, im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut worden ist, ist derzeit nur bis 2,5 Tonnen zugelassen. Rost und Korrosion machen dem Stahltragwerk zu schaffen, dem hölzernen Fahrbahnbelag Durchfeuchtung, Pilzbefall, Abfaulungen und Holzausbrüche.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist klar. Der Gemeinderat muss aber noch entscheiden, ob saniert oder neu gebaut werden soll. Dazu hatte der Bürgermeister Christian Neubauer vom beauftragten Planungsbüro SRP Schneider & Partner aus Kronach eingeladen. Der Ingenieur stellte vier mögliche Varianten vor: eine einfache Instandsetzung, eine Instandsetzung mit einer Traglasterhöhung auf 16 Tonnen, einen Ersatzneubau und einen Ersatzneubau im Stahlfachwerkbau. Die Sanierungen sollen gewährleisten, dass die Brücke danach 45 Jahre hält, die Neubauten sollen 100 Jahre halten. Eine Vollsperrung ist bei allen Varianten während der Bauarbeiten nötig.

Eine einfache Instandsetzung veranschlagte der Fachmann auf 350 000 Euro, wobei in 20 Jahren noch einmal 150 000 Euro fällig wärn, weil der Holzbelag keine 45 Jahre durchhalten würde. Spätere Instandhaltungsmaßnahmen hinzugerechnet, kam Neubauer auf 695 000 Euro. Die Variante würde nur die unbedingt notwendigen Arbeiten beinhalten: Fahrbahnbelag und Korrosionsschutz erneuern, Schweißnähte ausbessern beziehungsweise verstärken, lokale Instandsetzungsarbeiten an Widerlagern vornehmen.

Die Tragkraft würde im Vergleich zum Ist-Zustand nicht wesentlich erhöht. Soll diese auf 16 Tonnen angehoben werden, müsste der Fahrbahnbelag durch GFK-Paneelen ersetzt werden. Zu den bereits für Variante 1 aufgeführten Arbeiten kämen eine Unterkonstruktion aus Stahl, zusätzliche Querlager, lokale Verstärkungen und eine neue Absturzsicherung. Die Kosten schätzte Neubauer auf 440 000 Euro, inklusive spätere Instandhaltungsmaßnahmen auf 650 000 Euro.

Bei einem Neubau warten Kosten im sechsstelligen Bereich

Bei beiden Ersatzneubauten gibt es danach keine Tonnagebeschränkung mehr. Allerdings kommen beide deutlich teurer. Die Variante 3 schlägt mit 1 390 000 Euro zu Buche, die Variante 4 mit 1 300 000 Euro, mit Instandhaltungsmaßnahmen auf 1,7 Millionen Euro. Die Neubauten werden vormontiert und eingehoben beziehungsweise eingeschoben. Beide werden über Bohrpfähle gegründet, bei der Variante 4 wird das oben liegende Tragwerk als Strebenfachwerk gestaltet. Die beiden Varianten unterscheiden sich in ihren Maßen: Nummer 3 hat 50 Meter Stützweite, 3,50 Meter Fahrbahnbreite und 5,30 Meter Gesamtbreite, Nummer 4 ebenfalls 50 Meter Stützweite, aber 3,60 Meter Fahrbahnbreite und 4,40 Meter Gesamtbreite. Bei beiden müssten die Zufahrtsrampen angepasst werden.

Eine Empfehlung sprach der Ingenieur nicht aus. „Die Randbedingungen müssen klar sein“, betonte er: Für was wird die Brücke gebraucht? Er war davon ausgegangen, dass es keine Förderung geben würde, da die Straße dafür in eine Orts- beziehungsweise Gemeindestraße umgewidmet werden müsste. Roland Braun (SPD) wies aber darauf hin, dass die Brücke auch von der Feuerwehr genutzt wird, wenn diese zu Bränden am Bahndamm ausrückt. Dadurch könnte eine Förderung, zum Beispiel aus FAG-Mitteln, doch möglich werden, überlegte Neubauer. Dies sollte die Verwaltung noch abklären. In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass erst eine Tonnageerhöhung auf 16 Tonnen – also Variante 2 – die Brücke für Rettungskräfte überhaupt befahrbar macht.

Der Gemeinderat wird in einer späteren Sitzung das weitere Vorgehen beschließen.

Ach, und dann gab's noch zwei weitere Schwürbitzer Themen: Bürgermeister Dirk Rosenbauer gab bekannt, dass die Koinor-Stiftung dem Dorf eine weitere Mitfahrbank finanziert. Eine Einwohnerin hatte dies beantragt mit der Begründung, dass ältere Schwürbitzer sich doch schwer täten, die Steigung zur bereits bestehenden Bank zu bewältigen.

Eine weitere Mitfahrbank für Schwürbitz

Andrea Hoch (Freie Wähler) erinnerte daran, dass sie genau dies schon einmal in eine Gemeinderatssitzung eingebracht habe. Damals habe sie die Antwort erhalten, dass es keinen geeigneten Standort gebe. Rosenbauer gestand ein, den jetzt auch noch nicht zu haben. Er wollter aber die Gelegenheit, die die Koinor-Stiftung bot, nicht verstreichen lassen.

Das zweite Thema: Es haben sich noch keine Schulweghelfer für Schwürbitz gefunden. Wer sich vorstellen kann, ein bisschen Zeit für die Sicherheit der Kinder im Ort zu investieren, kann sich bei der Gemeinde melden.

Aus dem Gemeinderat

• Da die Gemeinderatssitzung im September ausgefallen ist, das Mehrgenerationenhaus aber den Finanzierungsnachweis für nächstes Jahr bereits erbringen musste, hat Bürgermeister Dirk Rosenbauer die zweckgebundene Co-Finanzierung in Höhe von 5000 Euro für 2021 schon zugesagt. Das Gremium genehmigt dies nun auch für die gesamte Förderperiode bis 2028. Auf Anregung von SPD-Fraktionsvorsitzender Simone Naumann wird in einer der nächsten Sitzungen aber noch beraten, ob der Fördersatz als freiwillige Leistung der Gemeinde erhöht wird. Naumann: „Für viele kleine Vereine ist das MGH ein Segen, weil sie kein eigenes Vereinsheim haben. Dort können sie die Räume kostenlos nutzen. Ohne das MGH könnten viele gar nicht überleben.“

• Folgende Auftragsvergaben aus der vorigen nichtöffentlichen Sitzung gab Rosenbauer bekannt: ökologischer Ausbau des Brunnenbachs in Lettenreuth (etwa 103 000 Euro) an die Firma Göhl Straßenbau GmbH aus Bamberg (inzwischen abgeschlossen), Wasserleitungshausanschluss für Hallenbad und Johann-Puppert-Schule (etwa 26 300 Euro) an die Firma Richter-Bau aus Altenkunstadt, Kantinen- und Personalküche im Hort in Schwürbitz (etwa 28 900 und etwa 4400 Euro) an das Küchenparadies in Bad Staffelstein, Abbruch der Decken in der Johann-Puppert-Schule (etwa 70 500 Euro) an die Firma Selekta GmbH & Co. KG aus Rückersdorf.

• Das Hallenbad öffnet wieder ab 26. Oktober. Das Korbmuseum ist seit 6. Oktober wieder geöffnet, und zwar – das ist neu – ab sofort das ganze Jahr über von Dienstag bis Sonntag.

• Jugendbeauftragter Michael Stettner (JB) informierte die Räte darüber, dass die Arbeiten zur Umgestaltung der BMX-Bahn in einen Bike-Park im vollen Gang sind. Nach Rodungsarbeiten Anfang des Monats sei nun der Bautrupp mit schweren Maschinen vor Ort. Auch die Jugendlichen seien jeden Tag draußen und arbeiteten kräftig mit. „Das wird etwas Tolles, auch mit Außenwirkung über Michelau hinaus“, zeigte sich Stettner überzeugt. Er freute sich, dass auch für kleine Kinder ein Parcours entstehen soll.

• Andreas Robisch (JSB) bat darum, zu prüfen, ob man die Kleinfeldanlage nicht wenigstens für die Vereine öffnen könnte. Er sei von Fußballern der 1. Mannschaft des FC Michelau darauf angesprochen worden. Rosenbauer verwies auf die Satzung der Anlage, die die Nutzung auf Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren beschränkt. Sie müsste zuerst überarbeitet werden. Die Corona-Pandemie erschwere die Situation zusätzlich, da es sich um öffentliches Gelände handele. Hier würden andere Regeln gelten als auf einem Vereinsgelände. „Wir nehmen die Bitte aber gern auf.“

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