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Mainbrücke in Schwürbitz wird neu gebaut

Für den motorisierten Verkehr gesperrt ist die Mainbrücke in Schwürbitz. Eine Sanierung steht nicht mehr zur Debatte. Der Gemeinderat hat nun den Neubau beschlossen. Foto: Annette Körber

Seit 29. August ist die Schwürbitzer Mainbrücke für den motorisierten Verkehr gesperrt. Eine Sanierung ist vom Tisch, es muss neu gebaut werden. Kosten: 1,56 Millionen Euro. Das beschloss das Gremium nun in seiner Septembersitzung am Mittwochabend. Auch wenn klar war, dass daran kein Weg vorbeiführt, sorgte die Situation doch für längere Diskussionen.

Rückblick: Schon 2018 debattierte der Gemeinderat darüber, ob die Brücke saniert oder neu gebaut werden sollte. Damals war sie noch für sechs Tonnen zugelassen. Der Handlungsbedarf stellte sich allerdings noch nicht als dringlich dar. Als 2020 Christian Neubauer vom Planungsbüro SRP Schneider & Partner aus Kronach vier mögliche Varianten – von der Sanierung bis zum Neubau – präsentierte, war die Traglast bereits auf 2,5 Tonnen beschränkt. Im Juli 2021 entschied sich der Gemeinderat schließlich für Variante 2: die Sanierung mit Erhöhung der Traglast auf 16 Tonnen. Und nun Sperrung, Abriss und Neubau?

„Wenn ein Auto über die Brücke fährt, kann es sein, dass es einen Rumser tut, und die Brücke bricht durch.“
Jochen Weber, Bürgermeister

Wie Bürgermeister Jochen Weber rekapitulierte, verstarb der beauftragte Statiker plötzlich, so dass der Auftrag Ende 2021 neu vergeben werden musste. Die K+U Ingenieurgemeinschaft aus Wunsiedel habe ihrerseits die Tragfähigkeit der Mainbrücke überprüft und festgestellt, dass die alters- und konstruktionsbedingten Mängel sich durch eine Sanierung nicht beheben lassen. Mittlerweile bestehe sogar die Gefahr eines Sprödbruchversagens, das Weber so erklärte: „Wenn ein Auto über die Brücke fährt, kann es sein, dass es einen Rumser tut, und die Brücke bricht durch.“

Der Gemeinde sei nichts anderes übrig geblieben, als den Übergang für den motorisierten Verkehr zu sperren. Fußgänger und Radfahrer dürfen die Brücke weiter nutzen. Das bedeutet für alle, die zum Gelände des FC Schwürbitz wollen, dass sie an der Uferpromenade parken und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen müssen. Eine Strecke von insgesamt etwa 500 Metern, so Weber.

Sondergenehmigung für die Brücke bei Gruben

Die Gemeinde habe eruiert, ob eine Umleitung eingerichtet werden könnte. Diese müsste über Trieb, rechts am Nassanger vorbei und über die zu Gruben gehörende Eisenbahnbrücke verlaufen. Die Gemeinde Hochstadt habe aber darauf aufmerksam gemacht, dass die Brücke bei Gruben auch schon auf sechs Tonnen beschränkt und die Straße schlecht ist. Mehr Verkehr über diese Verbindung sei insofern nicht wünschenswert. Deshalb gibt es nun nur eine Sondergenehmigung für zehn Autos, etwa nutzbar für Trainingsleiter.

„Das funktioniert so leidlich, so, wie's jetzt ist“, schloss der Bürgermeister. Damit wollten sich etliche Gemeinderäte nicht zufrieden geben. Roland Braun (SPD) warf der Verwaltung vor, das Thema verschlafen zu haben. Jochen Weber und seinen Vorgänger Dirk Rosenbauer nahm er aus der Verantwortung. Der vorherige Bürgermeister Helmut Fischer aber habe das Thema „immer wieder runtergespielt“. Die Brücke sei nun zwei- bis dreimal geprüft und dafür eine Menge Geld ausgegeben worden.

Braun erinnerte daran, dass auch die Feuerwehr Schwürbitz die Verbindung nutze, weil sie für Brände entlang des Bahndamms gebraucht werde. Es sollte geprüft werden, ob dafür eine Förderung möglich wäre. Weber erklärte, dass es sich nicht um eine Straßenverbindung handle. Die Brücke führe zu einem Feld- und Waldweg. Entsprechend sei sie auch nicht förderfähig. Er verteidigte die Arbeit der Verwaltung und verwies auf den unglücklichen Umstand, dass der Statiker plötzlich verstarb.

Dritter Bürgermeister Hubert Robisch (SPD) zeigte sich erstaunt darüber, dass ein Statiker dem Gemeinderat verschiedene Varianten vorgestellt hat, obwohl die Grundvoraussetzung – also die Sanierungsfähigkeit – gar nicht gegeben ist. Dem entgegnete Weber, dass es sich dabei um eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gehandelt habe. In der Entscheidung für die Sanierung sei berücksichtigt worden, dass die Schwürbitzer keine Betonbrücke wollten, sondern ihre alte erhalten.

„Es ist für jeden ein Wahnsinn, dass sie komplett geschlossen ist.“
Jürgen Spitzenberger, SPD-Gemeinderat

„Es ist für jeden ein Wahnsinn, dass sie komplett geschlossen ist“, fasste Jürgen Spitzenberger (SPD) zusammen. „Für die FC-ler ist es okay, rüber zu laufen, wenn der Zeitraum absehbar ist. Aber das wird sich ja über Jahre hinziehen.“ Spitzenberger wies darauf hin, dass neben dem Spielbetrieb auch Feiern und Familienfeste auf dem Vereinsgelände stattfinden: „Das fällt alles weg. Wir müssen uns echt was überlegen.“ Er bat darum, den FC nicht hängen zu lassen.

Weber bestätigte, dass der Neubau nicht vor 2024 kommen wird. Auf Nachfrage von Ralf Hirle (Die Grünen) erklärte er, was gegen eine Behelfsbrücke spricht: Zum einen gelten für diese im Hinblick auf mögliche Hochwasser die gleichen Vorgaben wie für eine normale Brücke. Zum anderen koste allein die Bewertung, ob sie sich realisieren lässt, der Gemeinde 12.000 bis 16.000 Euro. Dazu kämen Auf- und Abbau und dazwischen eine monatliche Miete.

Sabine Wich: zumindest für Beleuchtung sorgen

„Der FC versteht das alles, muss aber da drüben irgendwie existieren“, betonte Sabine Wich (JSB). Als positiv bewertete sie die Sondergenehmigung für zehn Autos. Sie wies aber darauf hin, dass nun die Wintermonate beginnen. Die Schülermannschaften müssten nach dem Training im Dunkeln zurücklaufen. Deswegen regte sie an, dass die Gemeinde wenigstens eine Beleuchtung finanziert. Der Bürgermeister will darüber mit dem Wasserwirtschaftsamt als Grundstückseigentümer sprechen. Judith May ergänzte, dass sich auch die CSU-Fraktion viele Gedanken gemacht und auch verschiedene Gespräche geführt habe. Alle Ideen seien aber auf Probleme gestoßen.

Der Rest lässt sich kurz zusammenfassen: Die Variante 1, also der Erhalt der alten Brücke, ist vom Tisch. Die Variante 2, die einen Mittelpfeiler als zusätzliche Stütze vorgesehen hätte, wird nicht genehmigt: Der Stützpfeiler könnte zu unkontrollierbaren Wellen oder Treibgut führen, was sich negativ auf den wichtigen Hochwassermesspegel auswirken würde. Also bleibt die Variante 3, eine freitragende Rundbogenbrücke aus Stahlbeton mit 40 Tonnen Traglast.

Dafür entschied sich der Gemeinderat. Auf Anregung von Wich und Braun soll ein Entwurf geprüft werden, der dem alten Erscheinungsbild näher käme – also ohne Rundbogen.

Aus dem Gemeinderat

• Der Gemeinderat hat dem Antrag Jürgen Spitzenbergers (SPD) zugestimmt, der Seniorengemeinschaft für den Landkreis beizutreten. Der Verein bietet Hilfe im Alltag, um Senioren weiterhin ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, etwa Fahrdienste, Grabpflege oder Behördengänge. Kosten: 50 Euro im Jahr. Bürgermeister Jochen Weber merkte an, dass Renate Dorst gerne mehr Fahrten mit dem Seniorenmobil machen würde. Wer also Bedarf hat, sollte sich im Rathaus melden.

• Ohne die Stimmen von Ralf Hirle (Die Grünen), Sabine Wich (JSB), Jürgen Spitzenberger und Roland Braun (SPD) beschloss der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans für das „Sondergebiet Nord IV, großflächiger Einzelhandel“ und die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans. Geplant sind der Lebensmitteldiscounter Lidl, ein Rossmann-Drogeriemarkt und eine Bäckereifiliale.

• In der vorigen nichtöffentlichen Sitzung hat der Gemeinderat die Firma Hildburghäuser Baugesellschaft mbH, Hildburghausen, mit Asphaltarbeiten in der Berggasse in Lettenreuth (20.000 Euro) beauftragt. Das Busunternehmen Gutgesell, Schney, erhält eine Erhöhung des Beförderungsentgelts je Fahrtag auf 338 Euro ab dem Schuljahr 2022/23. Abgelehnt wurde der Antrag auf Übernahme der Kosten für die Sanierung von Zeiger und Zählwerk der Kirchturmuhr in Lettenreuth (17.000 Euro). Preissteigerungen im Zusammenhang mit der Erschließung des Baugebiets „Lettenreuth West“ werden nicht an die Grundstückskäufer weitergegeben. Im Hinblick auf den Anbau eines Kinderwageneinstellraums an die Kinderkrippe „Regenbogen“ soll geprüft werden, ob es eine günstigere Variante gibt.

• Der öffentliche Bücherschrank wird am Dienstag, 27. September, um 15 Uhr offiziell eröffnet.

• Der Abschluss der Sanierungsarbeiten und die offizielle Eröffnung der Johann-Puppert-Schule findet wahrscheinlich Ende November statt.

• Dirk Fischer (CSU) fragte nach, ob sich die Verwaltung angesichts der Energiekrise Gedanken über Einsparmöglichkeiten gemacht habe. Weber führte an, dass man die Wassertemperatur im Hallenbad von 29 auf 27 Grad Celsius senken könnte. Auch werde überlegt, die Beleuchtung der Geh- und Radwege von 22 bis 5 Uhr auszuschalten. Dies könnte umgesetzt werden, sollte eine Anordnung kommen, dass die Kommunen mehr einsparen müssen.
Im Nachgang reichte die Gemeindeverwaltung die Information nach, dass die Gemeinde bereits seit der Umstellung auf LED im Jahr 2018 ihre Straßenbeleuchtung in der Zeit von 22 bis 5 Uhr um 50 Prozent reduziert hat. Auf zahlreichen gemeindlichen Einrichtungen seien Photovoltaik-Anlagen installiert.  Die Kommune nehme die Aufforderung zur Energieeinsparung ernst und werde künftig weitere Maßnahmen ermitteln und ergreifen.

• Klaus Krügl (CSU) bat darum, die Landkreisverwaltung darauf hinzuweisen, dass die Ortsdurchfahrt, die ja Kreisstraße ist, sanierungsbedürftig sei.

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