Leserforum: Gegen Politik des Wirtschaftswachstums

Zum Artikel „Spatenstich für Ausbau der B 173 von Michelau bis Zettlitz“ am 19. August im Obermain-Tagblatt ging uns folgende Lesermeinung zu:
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt.
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt. Foto: Daniel Naupold (dpa)

Eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema nicht mehr äußern, der Worte sind genug gesagt, das Kind ist bereits seit geraumer Zeit in den Brunnen gefallen.

Wenn aber hier, mit vielen beschönigende Worten, der Herr Minister Andreas Scheuer meint, Wahlkampf in Oberfranken machen zu müssen, so gilt es doch, Einiges in Erinnerung zu rufen.

Die Südtrasse wollte keiner in der betroffenen Bevölkerung und schon gar nicht vierspurig.

Die Politik hat eine vierspurige Planung in Auftrag gegeben und trägt die alleinige Verantwortung dafür, dass aus einer notwendigen Ortsumgehung nun eine vierspurige Autobahn geworden ist, die spätestens in Oberlangenstadt irgendwann enden wird.

Wenn uns nun lächelnde Politikerinnen auf ihren Wahlplakaten verkünden: „Für unsere Heimat – in Berlin“, so muss man die Frage stellen, wo die Heimatliebe war, als dieses unsägliche Projekt auf den Weg gebracht wurde.

Dieselbe Partei wirbt mit einem großformatigen Plakat, auf dem eine typische bayerische Landschaft auf einem Mikro-Chip dargestellt ist. Viel mehr wird von unserer Heimat auch nicht übrig bleiben, wenn wir den noch immer exzessiven Landverbrauch nicht stoppen.

Ein Herr Minister, der hier mit einem Dienstwagen mit rund 6,5 Litern Hubraum und über 600 PS erscheint und es tatsächlich wagt, den umweltschonenden Aspekt seiner zu 35 Prozent elektrifizierten Fahrt zu verkaufen, hat in Wirklichkeit nichts, aber auch gar nichts begriffen.

Aber seine Prioritäten und auch die seiner Partei sind ja eh andere. Seit seinem Amtsantritt hat er sich 80-mal mit Vertretern der Automobilindustrie getroffen, aber nur einmal mit Umweltverbänden. Anscheinend bereitet er sich hier sehr gewissenhaft auf seine spätere Karriere als Lobbyist vor.

Ob man nun dieses Thema alleine betrachtet, einen lachenden Kanzlerkandidaten im Angesicht der durch den Klimawandel verursachten Flutkatas-trophe oder die unsägliche Maskenaffäre, so sind dies alles Anzeichen dafür, wie weit sich die regierende politische Kaste vom gemeinen Bürger entfernt hat.

Eine Politik, der es eigentlich nur um Machterhalt und ungebremstes Wirtschaftswachstum geht und die dabei die Zukunft der künftigen Generationen aufs Spiel setzt, ist weder christlich noch sozial.

Wir haben beim nächsten Urnengang die Wahl, wählen wir ein „weiter so“ oder denken wir einfach einmal selbstlos an unsere Kinder, Enkel und alle nachfolgenden Generationen, bevor wir unsere Kreuzchen setzen, und an die Welt, wie wir sie ihnen hinterlassen.

Frank Geist, Hochstadt

Schlagworte