KRONACH

Lebensretter auf vier Beinen: Kronacher Rettungshundestaffel

Lebensretter auf vier Beinen: Kronacher Rettungshundestaffel
Bettina Griebel (Ausbilderin für Rettungshunde und Eignungsbewerterin) und Timo Griebel(Leiter der Rettungshundesttaffel) mit einem mit moderner Funk- und Computertechnik sowie Notstromaggregat ausgestatteten Einsatzfahrzeug sowie ihren Border Collies, Neo, Jazzman, Finn und Lann... Foto: Karl-Heinz Hofmann

Die Spürnasen der Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) sind bei vielen Notrufen gefragt. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung bei der Personensuche vor allem im unwegsamen Gelände.

Die Rettungshundestaffel des ASB-Kreisverbands Kronach/Frankenwald/Oberes Maintal wurde im März 2015 ins Leben gerufen. Eine kleine Feier zum fünfjährigen Bestehen konnte wegen der Corona- Pandemie bisher nicht stattfinden. Staffelleiter Timo Griebel, seit fünf Jahren fachlicher Leiter, ausgebildeter Einsatzleiter Rettungshund Sanitäter und Hundeführer, der selbst zwei Border Collies hat, hat sich Zeit für ein Gespräch genommen.

22 ehrenamtlich engagierte Hundeführer mit 23 Vierbeinern

Der Grundsatz des ASB Kronach, „Wir helfen hier und jetzt“, gilt besonders für die 22 ehrenamtlich engagierten Hundeführer mit ihren 23 Vierbeinern. Davon sind elf geprüfte Teams nach DIN 13050 für das Rettungswesen in der Flächensuche und ein geprüftes Team im Mantrailing nach der ASB-Prüfungsordnung.

Angefangen hat alles mit vier Rettungshundeführern und zwei -führerinnen, die sich mit ihren Hunden den schweren Ausbildungs- und Prüfungsanforderungen stellten. Die Hauptaufgabe des ASB-Rettungshundeteams liegt darin, vermisste Personen im unwegsamen Gelände suchen. Die Nase eines Hundes hat 220 Millionen aktive Riechzellen und spürt Menschen über Entfernungen von bis zu 500 Metern auf.

Täglich etwa 250 bis 300 neue Fahndungen

Staffelleiter Griebel informiert, dass allein im März 2020 in der Datei des Bundeskriminalamtes rund 11 500 aktuelle Vermisstenfälle gespeichert waren. Darunter waren 9200 in Deutschland als „vermisst“ gemeldete Personen. Täglich werden etwa 250 bis 300 Fahndungen neu erfasst und auch gelöscht. Besteht Lebensgefahr für den Vermissten, weil er zum Beispiel dement oder suizidgefährdet ist, wird eine Suchaktion eingeleitet. Dazu setzt die Polizei Hubschrauber und Wärmebildkameras ein und arbeitet mit der lokalen Gefahrenabwehr zusammen.

Dem sind aber Grenzen gesetzt. Eine große Rolle spielen Tageszeit, Außentemperatur und die Geländebeschaffenheit. Wenn der Mensch etwas sucht, benutzt er seine Augen, oder er muss bei übersichtlichem Gelände mit langen Stangen im Gebüsch herumstochern; es werden lange Suchketten gebildet. Je unübersichtlicher das Gelände ist, umso personal- und zeitaufwendiger wird die Suche. Hier sind Rettungshunde eine sinnvolle Ergänzung.

Auch bei schlechter Sicht kann ein Hund den Menschen entdecken

Flächensuchhunde werden angefordert, wenn größere Gebiete, Waldstücke, Felder oder Wiesen möglichst schnell nach einer vermissten Person abgesucht werden müssen. Ein ausgebildetes Rettungshundeteam ersetzt zirka 50 Personen einer menschlichen Suchkette. Ein Rettungshund kann auch bei schlechter Sicht und dichtem Unterholz einen Menschen in 500 Metern Entfernung riechen und orten. Daher ist die Suche mit Hunden jederzeit möglich und sehr effektiv.

Die ASB-Rettungshundestaffel setzt auch Mantrailer ein. Anders als die Flächensuchhunde sucht der Mantrailer nicht allgemein nach menschlichem Geruch, sondern nach dem Individualgeruch einer bestimmten Person. Dieser Geruch ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Für die Suche benötigt er den letzten bekannten Aufenthaltsort sowie einen Geruchsträger des Vermissten. Mantrailer eignen sich in besonderer Weise für die Suche nach verwirrten Menschen oder Kindern in bewohnten Gebieten und Städten, da sie an der Leine arbeiten.

„Die Mitglieder einer Rettungshundestaffel sind keine Einzelkämpfer, sondern es wird enormer Teamgeist gefordert.“
Timo Griebel, Staffelleiter

„Die Mitglieder einer Rettungshundestaffel sind keine Einzelkämpfer, sondern es wird enormer Teamgeist gefordert. Neben der Ausbildung zum Sanitäter oder Sanitätshelfer sind Gesundheit und körperliche Fitness sowie seelische Ausgeglichenheit wichtige Voraussetzungen. Auch Disziplin, Zuverlässigkeit und Integrationsfähigkeit sind unverzichtbar“, so Timo Griebel.

Eine Ausbildung für einen Rettungshund kann von eineinhalb bis zu drei Jahren dauern, je nach Suchart. Die Prüfung muss zum Erhalt der Einsatzfähigkeit alle 18 Monate wiederholt werden. Ein Hundeführer muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Keine Sucheinsätze nach Straftätern oder Leichen

Bei einem Sucheinsatz ist es immer wichtig zu wissen, seit wann eine Person vermisst wird. Erfahrene Mantrailer gehen von 36 bis 48 Stunden aus, in denen ein Fund noch sehr wahrscheinlich ist.

Doch nicht jede Alarmierung führt auch zu einem Einsatz. So erklärt Griebel: „Rettungshunde sollen Leben retten, somit fallen Sucheinätze nach Straftätern oder sicher zu erwartenden Leichen nicht in unser Aufgabengebiet. Oft klären sich die Vermisstensuchen auch kurz nach Alarmierung, während unserer Rüstphase, auf. Oder die Person wurde anderweitig gefunden oder hat sich selbst gemeldet.“

25 Einsätze für die Rettunghundestaffel im Jahr 2019

So erklären sich auch die Differenzen zwischen Alarmierungen und Einsätzen. Im Jahr 2019 hatten die Kronacher 51 Alarmierungen, die zu 25 Einsätzen führten. Insgesamt leistete die Hundestaffel 5720 Stunden ehrenamtlichen Dienst inklusive Übungen und Ausbildung. Im Jahr 2020 standen 42 Alarmierungen 17 Einsätze gegenüber, und es wurden insgesamt 3518 Stunden für Einsätze, Ausbildung und Übungen geleistet. „Der schönste Erfolg ist für jeden Rettungshundeführer der Fund durch seinen Hund.“

Als erfolgreicher Sucheinsatz gilt jeder Einsatz mit Fund, unabhängig davon, ob der Gesuchte lebend oder tot entdeckt wurde. Auch Hinweise, die zum Verbleib gegeben werden konnten, zählen als Erfolg. Zu den Aufgaben der Hundeführer zählt aber auch die sogenannte „Freigabe“ eines Gebiets, das heißt, dass sie ausschließen können, dass sich die gesuchte Person in diesem Gebiet befindet. Dann kann sich die Suche auf ein anderes Gebiet konzentrieren.

Der Einsatz der Rettungshundestaffel ist kostenlos. Die Staffelmitglieder sind ehrenamtlich tätig, die Hunde sind Privateigentum.

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