REDWITZ

Katholische Kirche Redwitz: ein schlichter Hallenbau

Katholische Kirche Redwitz: ein schlichter Hallenbau
Der Altarraum der Redwitzer Kirche zeigt zentral das Mosaik des Kirchenpatrons Michael. Die eigentümliche Spannung, die ... Foto: red

Über viele Jahrhunderte hinweg hatte Redwitz nie eine eigene katholische Kirche. Erst 1952 wurde im Schloss, das die Erzdiözese Bamberg erworben hatte, im sogenannten „Betsaal“ Eucharistie gefeiert. Doch schon sehr früh zeigte sich aufgrund des Zuzugs von Aussiedlern und Vertriebenen, dass diese Verhältnisse für die wachsende Katholikenzahl nicht ausreichend waren. Vor allem das rasche Wachsen der Siemens-Schuckert-Werke und der Bau von zahlreichen Werkswohnungen für die Arbeitnehmer ließen die Zahl der katholischen Gläubigen ansteigen. Ende der 1950-er Jahre lebten in Redwitz rund 1000 Katholiken.

Grundsteinlegung für das Gotteshaus am 9. Juni 1963

Bereits 1953 wurde der Katholische Kirchenbauverein Redwitz e.V. gegründet. Als erster Seelsorger kam 1955 Kaplan Hans Scherbel, der den Neubau der Kirche maßgeblich unterstützte. Bereits drei Jahre später konnte das Baugrundstück erworben werden. Im Jahr nach dem plötzlichen Tod von Kaplan Scherbel wurde am 9. Juni 1963 der Grundstein für die Kirche gelegt. Bereits am 28. Juni 1964 wurde die Kirche durch den Bamberger Weihbischof Dr. Johannes Lenhardt geweiht.

Der Innenraum ist schlicht. Durch die angedeuteten Säulen an den Außenwänden greift er die ursprünglichste aller Kirchenformen auf: den Hallenbau. Wohl sollte diese schlichte Gestaltung auch ein Anklang an die Fabrikhallen der Siemens-Schuckert-Werke sein, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden.

Nichts soll Konzentration auf das heilige Geschehen ablenken

Beim Eintreten in den Kirchenraum wird der Blick sofort nach vorne, in Richtung des Altars gelenkt. Nichts soll die Konzentration auf das heilige Geschehen verstellen oder ablenken. Der Altarraum ist erhöht und durch insgesamt sieben Stufen vom Kirchenschiff getrennt, die angedeuteten Chorschranken verstärken den Eindruck der räumlichen Trennung zwischen Kirchenschiff und Altarraum. Diese Trennung findet sogar im Bodenbelag ihren Ausdruck: Bis zur ersten Altarstufe bedecken Steinplatten den Fußboden, der Altarraum ist mit Marmorplatten ausgelegt.

Im Gegensatz zum Kirchenschiff ist die Nordostmauer des Chors vollständig verglast, der Altarraum wirkt dadurch lichtdurchflutet. Dies verstärkt den geheimnisvollen Charakter dessen, was sich bei der Feier des Heiligen Messopfers ereignet, wie es ein Kirchenlied formuliert: „Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann“.

Typische „Messopferkirche“ im Sinne von van Ackens Programmsch

Katholische Kirche Redwitz: ein schlichter Hallenbau
Der Betsaal im Redwitzer Schloss diente den Katholiken in den 1950er Jahren als Gottesdienstraum. Foto: red

Die Kirche in Redwitz ist mitten in der Zeit rund um das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) geplant worden und entstanden. Dennoch ist der Kirchbau ganz an der alten Liturgie orientiert. Der gesamte Kirchenraum ist längsgerichtet und auf den Altar konzentriert, der Chorraum ist architektonisch klar vom Kirchenschiff getrennt. Damit ist St. Michael eine typische „Messopferkirche“ im Sinne von Johannes van Ackens Programmschrift „Christozentrische Kirchenkunst“. Der mächtige Altarblock war einst als Hochaltar gedacht, bis zur Durchführung der Liturgiereform stand auch der Tabernakel darauf.

Bis heute gab es leider noch keine Anpassung des ausladenden Raumes an die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil einhergehende Liturgiereform. Nach wie vor ist das gesamte liturgische Geschehen auf den Altarraum konzentriert, während das Kirchenschiff hierfür beinahe außen vor bleibt. Bei einer zum 50. Weihejubiläum ausgeführten Renovierung wurden einige Sitzbänke aus dem Kirchenschiff entfernt, wodurch der Eindruck der Trennung zum Chorraum noch verstärkt wurde.

Lichtenfelser Bildhauer Karl Potzler erschuf neun Meter hohes Mosaik

Für die Rückwand des Altars schuf der gebürtige Lichtenfelser Bildhauer Karl Potzler (1920-1995) ein neun Meter hohes Mosaik. Bewusst ging Potzler dabei von der traditionellen Altarbildgestaltung weg, um die Konzentration auf den Altar nicht zu stören und um in Zeichen eine religiöse Wahrheit zu interpretieren, die sich einer bildlichen Darstellung entzieht.

Um dem schlicht-klaren Raum eine Spannung zu geben, wurde das Mosaik absichtlich nicht in die Mitte der Altarrückwand gesetzt. Es zeigt den Patron der Kirche, den Erzengel Michael, nicht als Kämpfer, sondern als Seelenführer, als Himmelsfürst und Lichtbringer. Darauf verweist auch die beigegebene Inschrift: „Signifer Sanctus Michael repraesentet eas in lucem sanctam“ („Der Bannerträger Sankt Michael geleite sie in das heilige Licht“).

Katholische Kirche Redwitz: ein schlichter Hallenbau
Blick auf Redwitz: Markant ragt der Schornstein der Siemens-Schuckert Werke hervor; die St. Michaels-Kirche befindet sic... Foto: red

Das in Naturstein erstellte Mosaik wurde in der Meyerischen Hofkunstanstalt in München vom Entwurf in die Zusammenstellung übertragen. Unter Leitung von Karl Potzler wurde es von zwei Arbeitern in die Wand gegeben. Wie der Künstler selbst sagte, „ist ein Altarbild heute nicht mehr aktuell, weil die Gläubigen nicht vom liturgischen Geschehen abgelenkt werden sollen. Dem Raum sollte durch das Mosaik ein Akzent gegeben werden.“

Der Tabernakel stammt aus der Werkstatt von Karl Potzler, die anderen Ausstattungsgegenstände wurden von Johannes Raphael Potzler (* 1957), München, im Jahr 1986 im Bronzeguss gefertigt.

Der Kreuzweg endet mit der Auferstehung Jesu

Der Tabernakel zeigt auf den beiden Türen den schlafenden Elija, der von einem Engel geweckt wird, welcher ihn auf einen Krug und ein Brot hinweist. Auffällig gestaltet ist der Taufbrunnen, auf den im Jahreskreis die Osterkerze aufgesetzt ist. Der Leuchter, der abnehmbar ist, steht während der Osterzeit vor dem Altar. Die Symbolik weist auf die Zusammengehörigkeit von Taufe und Ostern hin und greift einen Gedanken des Apostels Paulus auf: Wer auf Christi Tod getauft ist, der ist auch auf seine Auferstehung getauft.

Der Kreuzweg, der 15 Stationen umfasst, ist ebenfalls von Potzler gestaltet. Er endet nicht mit der Grablegung Jesu, sondern mit dessen Auferstehung von den Toten.

Im 27 Meter hohen Turm, der sich zur Kirchweihe noch im Rohbau befand, läuten fünf Glocken, die 1965 von der Firma Perner, Passau, gegossen wurden. Sie tragen die Namen „Heilige Dreifaltigkeit“, „St. Michael“, „Heiliger Engel“, „Allerheilige“ und „Arme Seelen“. Die größte Glocke besitzt einen Durchmesser von 1,47 Meter und ein Gewicht von 1,65 Tonnen.

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