MICHELAU

Jochen Weber gewinnt die Stichwahl in Michelau

Während die einen das Wahlergebnis noch auf dem Handy studierten, gab es von den anderen schon Applaus für Jochen Weber (Bildmitte), der die Stichwahl gegen Simone Naumann für sich entscheiden konnte. Foto: Klaus Gagel

Die Zahl 13 hat eigentlich keinen guten Ruf. Für Jochen Weber ist sie am Sonntag zur Glückszahl geworden: An seinem 13. Hochzeitstag hat der CSU-Kandidat die Stichwahl ums Bürgermeisteramt in der Korbmachergemeinde gewonnen. „Das ist für mich natürlich ein ganz besonderes Geschenk“, bekundet er mit einem Schmunzeln.

57,1 Prozent hat er geholt, das sind 2177 Stimmen, 232 mehr als vor drei Wochen. „Ich bin überrascht, überwältigt“, sagt Weber und gesteht ein, dass er ein solches Ergebnis nicht erwartet hätte. „Ich freue mich, dass mir die Einwohner das Bürgermeisteramt zutrauen, und danke für das Vertrauen.“

Das erste „Ortskind“ seit der Eingemeindung

Im Wahlkampf hatte Altbürgermeister Fred Köhlerschmidt (SPD) noch darauf hingewiesen, dass ein „Ortskind“ in Michelau noch nie gewonnen hat. Weber ist in Schwürbitz aufgewachsen, hat aber auch Familie in Michelau und wohnt heute in Oberreuth. In den Gemeindeteilen hat er ziemlich klar gewonnen: In Schwürbitz holte er 67,1 Prozent (599 Stimmen), in Neuensee/Lettenreuth insgesamt 64,6 Prozent (579). In Michelau selbst war es knapper, aber eines von drei Wahllokalen ging mit 53,4 Prozent (368) an ihn. In den beiden anderen hatte die parteilose Kandidatin Simone Naumann mit 52,8 (339) und 52,5 Prozent (363) die Nase vorn.

Im Wahlkampf wollte Jochen Weber dem alten „Dörferhass“ nicht zu viel Bedeutung beimessen. Am Wahlabend aber zeigte er sich schon stolz darauf, dass mit ihm erstmals seit der Eingemeindung von Schwürbitz, Neuensee, Lettenreuth und Oberreuth 1978 ein „Ortskind“ zum Bürgermeister gewählt worden ist. Und zwar ein „Ortskind“, das im Jahr der Eingemeindung geboren worden ist.

„Ich bin überrascht, überwältigt. Ein solches Ergebnis hätte ich nicht erwartet.“
Jochen Weber, CSU, Wahlgewinner
Während die einen das Wahlergebnis noch auf dem Handy studierten, gab es von den anderen schon Applaus für Jochen Weber ... Foto: Klaus Gagel

Der Christsoziale hat seit dem überraschenden Tod seines Vorgängers Dirk Rosenbauer im Dezember als Zweiter Bürgermeister die Geschäfte im Rathaus geleitet. Er ist froh, auch für die Mitarbeiter in der Verwaltung, dass nun die Situation geklärt ist: „Wir können uns jetzt auf die richtigen Aufgaben vorbereiten.“ Er möchte sich fortan auf die Sacharbeit konzentrieren.

Gut gelaunt zeigt sich am Sonntagabend auch die parteilose Konkurrentin Simone Naumann, die 42,9 Prozent geholt hat. Das sind 1634 Stimmen. Damit hat sie im Vergleich zum ersten Wahlgang vor drei Wochen 611 Stimmen dazugewonnen. „Ich bin stolz auf mein Ergebnis, grad weil wir das allein auf die Beine gestellt haben“, betont die Einzelkämpferin, die den Wahlkampf zusammen mit ihrem Lebensgefährten bestritten hat. „Kurz gesagt: Ich fühle mich heute Abend rundum wohl.“

„Ich habe so viel Positives erfahren, so viel Zuspruch. Ich kann jetzt mit erhobenem Kopf rausgehen und weitermachen.“
Simone Naumann, parteilos, unterlegene Kandidatin
Jochen Weber gewinnt die Stichwahl in Michelau
Auch die unterlegene Kandidatin Simone Naumann ist stolz auf ihr Ergebnis. Foto: red

Die vergangenen Wochen wertet sie als tolle Zeit: „Ich habe so viel Positives erfahren, so viel Zuspruch“, freut sie sich und dankt ihren Wählern für ihr Vertrauen. „Ich kann jetzt mit erhobenem Kopf rausgehen und weitermachen.“

Das Wahlergebnis nimmt Simone Naumann als Rückenwind mit in ihre weitere Arbeit im Gemeinderat. Dass ihr dort nach ihrem Austritt aus der SPD als Parteilose nun der Rückhalt einer Fraktion fehlt, sieht sie nicht als Problem. „Das wäre es vielleicht, wenn ich neu dazugekommen wäre. Aber ich erlebe auch weiterhin ein gutes Miteinander“, erklärt sie.

Naumann: Wahlbeteiligung zeigt das große Interesse der Bürger

Die Wahlbeteiligung hat bei der Stichwahl mit 73,9 Prozent (3843, davon 32 ungültige Stimmen) nicht ganz die Marke des ersten Wahlgangs erreicht. Am 11. April hatten 75,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Trotzdem zeigten sich beide Kandidaten zufrieden. Simone Naumann erklärt auch, wieso: „Bei Stichwahlen ist die Wahlbeteiligung meistens schlechter.“ Dass sie in Michelau fast gleich hoch geblieben ist, zeige das große Interesse der Bürger.

Ihren Wählern verspricht die unterlegene Kandidatin, ihre Ziele im Blick zu behalten und sich weiterhin für sie einzusetzen – auch, wenn es fürs Bürgermeisteramt nicht ganz gereicht hat.

Den Abend haben beide angesichts der aktuellen Pandemie-Bedingungen ruhig ausklingen lassen. Jochen Weber erreichte das Obermain-Tagblatt vor dem Rathaus, wo er noch ein paar Gespräche führte. Die ersten Glückwünsche von Landrat Christian Meißner, Landtagsabgeordnetem Jürgen Baumgärtner und Bundestagsabgeordneter Emmi Zeulner, aber auch von Bürgermeisterkollegen wie Robert Hümmer aus Altenkunstadt oder Andreas Hügerich aus Lichtenfels waren da schon eingetrudelt. Es werden im Laufe des Abends noch viele dazugekommen sein.

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