SCHWÜRBITZ

Flößer bringen Brauwirtschaft in Schwürbitz zum Blühen

Flößer bringen Brauwirtschaft in Schwürbitz zum Blühen
Auf dem Ortsplan von 1855 ist die Floßlände als „Ängerlein“ bezeichnet. Foto: Günter Dippold

Die laufende Hochwasserfreilegung von Schwürbitz verändert das Gesicht des Ortes. Vor allem wird ein kulturlandschaftliches Element, wenn die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, nicht mehr ohne Weiteres zu erkennen sein: die Floßlände.

In Schwürbitz legten einst die Flößer aus dem Frankenland an, denn nach dem Zusammenfluss von Main und Rodach konnten größere Flöße zusammengefügt werden. Zehn bis 14 Flöße, die auf der Rodach herantransportiert worden waren, vereinigten die Flößer hier zu einer größeren Einheit, zu einem „Hallstadter“ oder, wie man auch sagte, einem „Bischberger Stück“. Benannt waren sie nach der nächsten Station: In Hallstadt oder in Bischberg, nach dem Zufluss der Regnitz, wurden dann noch umfangreichere Flöße zusammengestellt.

Für den Weitertransport auf dem Main war pro Holzmenge weniger Personal erforderlich, so dass von Schwürbitz Floßknechte und andere Hilfskräfte in ihre Heimatorte zurückgeschickt wurden.

Die harte Arbeit auf den Flößen machte durstig

Die Weiterreisenden versorgten sich bei dieser Gelegenheit mit Lebensmitteln, und sie kehrten in den Wirtshäusern des Ortes ein, denn die harte Arbeit auf dem schattenlosen Fluss machte Durst. Dank dieser Kundschaft florierte in Schwürbitz das Brauwesen mehr als in jedem anderen Dorf der Umgebung. Eine Statistik von 1820 weist für Schwürbitz sage und schreibe neun Brauhäuser aus.

Einige Jahre zuvor hatte der Landrichter von Banz, damals für diesen Raum zuständig, erklärt, „daß bisher im Orte Schwürbitz jeder Gemeindberechtigte ohne vorgängige Erlaubniß Bier braute und ausschenkte, und sogar ohne alle Anfrage die vollkommene Einrichtung zum Bierbrauen sich anschaffte“.

Doch die Flößer brauchten nicht nur Bier, sondern auch andere Lebensmittel. So gab es 1820 in Schwürbitz, das wenig mehr als 700 Einwohner hatte, neun Bäcker, vier Metzger und vier Kramläden.

Die Floßlände war ein wichtiger Umschlagplatz, nicht nur für Stämme. Die Hallstadter Stücke waren groß genug, dass man auf ihnen auch Handwerkserzeugnisse mitführen konnte. Die Floßordnung aus dem Jahr 1802 spricht beispielsweise von „den Weißbüttnern z. B. in Marktzeuln, welche blos auf das Wasser arbeiten“. Sie schickten ab Schwürbitz sowohl fertige Ware, also Fässer und andere Gefäße, als auch Fassdauben auf die Reise.

Nicht minder bedeutsam waren die Büttner aus Ebersdorf und Frohnlach mit ihren Erzeugnissen. 1793 bemerkte ein Beamter, bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts hätten diese Büttner „schlechte Arbeit“ hergestellt, und sie hätten sich nicht selbst um den Absatz beim Endkunden bemüht, sondern ihre Ware „um ein Spottgeld, mit Schmach und Demüthigung, an die Flößer zu Schwürbitz und der Orten verkauft, ja um die Abnahme gleichsam gebettelt“.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bessere Ware gefertigt

Die Lage habe sich erst gebessert, als Ebersdorfer und Frohnlacher in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts qualitativ hochwertigere Ware gefertigt hätten und „einige selbst nach Frankfurth geflößet“ seien. Von dort seien sie mit viel Geld heimgekehrt. Noch 1857 notierte der Ebersdorfer Lehrer zum Vertrieb der Büttnerware: „Die meisten Erzeugnisse [...] werden auf dem Mainfluß nach Frankfurth und auch auf die Märkte geschafft.“ Wo die Ebersdorfer ihre Wasserreise antraten, wissen wir nicht. Aber Schwürbitz war gewiss nach wie vor eine Möglichkeit.

Auch Flechtwaren wurden den Flößern mitgegeben. Schon 1622 lieferte der Schwürbitzer Georg Kühlmann Körbe für den Fürstbischof von Würzburg; auf dem Floß wurden sie an den Bestimmungsort gebracht. Dass 1780 Holland als Absatzmarkt für Michelauer Körbe benannt wurde, deutet auf Flößer als Transporteure (und vielleicht sogar Zwischenhändler) hin.

Eisenbahn sorgte für Bedeutungsverlust

An Bedeutung als „Hafen“ verlor Schwürbitz erst, als ab 1861 eine Bahnlinie Hochstadt mit Gundelsdorf, ab 1863 dann mit Stockheim verband. Immer öfter wurden in der Folge Stämme mit der Bahn bis Lichtenfels, Zapfendorf oder Bamberg transportiert und erst dort ins Wasser gerollt. Schwürbitz wurde dadurch umgangen. Die Floßlände büßte nach und nach an Bedeutung ein, den Brauern, Bäckern und Metzgern von Schwürbitz gingen die Flößer mehr und mehr als Kundschaft verloren.

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