MICHELAU

Flechtobjekt als neues Wahrzeichen für Michelau

Der Gemeinderat Michelau hat beschlossen, einen Ideenwettbewerb für Flechtwerkgestalter ins Leben zu rufen: Die Verwaltung hat angeregt, mit einem Flechtkunstwerk den Rathausplatz attraktiver zu gestalten. Foto: Annette Körber

Viel Lob und Zustimmung erhielt am Mittwochabend die Gemeindeverwaltung für den Vorschlag, einen Ideenwettbewerb zur Verschönerung des Rathausplatzes um den Zunftbaum ins Leben zu rufen. Diesen stellte Bürgermeister Jochen Weber in der Gemeinderatssitzung vor. Die konstruktive Kritik, die die SPD-Fraktion dazu einbrachte, wurde aufgegriffen und soll in die Ausarbeitung des Konzepts einfließen.

Die Sitzung war in dieser Form tatsächlich eine Premiere für den ein oder anderen Gemeinderat und in gewisser Weise auch für die drei Bürgermeister: Erstmals seit Februar 2020 fand sie wieder im großen Sitzungssaal des Rathauses in Michelau statt. In der Zwischenzeit war das Gremium Corona-bedingt in größere Räumlichkeiten ausgewichen. Da in dieser Zeit ja auch gewählt worden war, saßen einige Räte an diesem Mittwochabend erstmals am großen Tisch im Sitzungssaal – und Jochen Weber, Hans Borchert und Hubert Robisch erstmals zusammen an der Stirnseite.

„Wir investieren gerne in die Aufwertung und Vermarktung unserer Korbmachergemeinde.“
Judith May, CSU-Fraktionsvorsitzende

Vom Presseplatz aus war durch das offene Fenster das im Blick, worauf sich die Aufmerksamkeit des Gremiums richtete: der Rathausplatz samt Zunftbaum. Dieser biete eine gute Fläche für ein Flechtobjekt, das einen Blickfang für die Korbmachergemeinde darstellen würde, meinte der Bürgermeister. Rund um den Zunftbaum, der ausgespart bliebe, stünde eine Fläche von vier mal 4,50 Metern zur Verfügung.

Zusammen mit Ariane Schmiedmann, der Leiterin des Deutschen Korbmuseums, hat die Verwaltung ein grobes Konzept erarbeitet. Es sieht vor, den Ideenwettbewerb mit dem Korbmarkt im September zu verknüpfen, wenn Flechtwerkgestalter aus ganz Deutschland, aber auch anderen Ländern nach Lichtenfels kommen. Ihnen würde man die Möglichkeit bieten, sich am Montag nach dem Flechtfestival bei einem Ortstermin in Michelau umzusehen.

Als Kostenrahmen sind 20.000 Euro veranschlagt

Im Anschluss könnten sie ihre Vorschläge einreichen, für die es allerdings drei Vorgaben gibt: Das Michelauer Wappen – die Fischreuse – soll eingearbeitet werden, das Flechtobjekt muss aus wetterbeständigem Material sein, und es gilt, den Kostenrahmen in Höhe von 20.000 Euro einzuhalten. Diese Summe habe Schmiedmann als notwendig veranschlagt. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass eine Förderung möglich sein sollte, etwa über das Zentrum Europäischer Flechtkultur (ZEF), in dem Michelau Mitglied ist. Die 20.000 Euro würden im Haushalt 2023 eingeplant.

Die Vorauswahl treffe eine Jury mit den drei Bürgermeistern Weber, Borchert und Robisch, Museumsleiterin Schmiedmann sowie den Korbmachern Waldemar Backert, Roland Ponsel und Nina-Regina Nötzelmann. Diejenigen, die in die engere Wahl kommen, erhielten von der Gemeinde den Auftrag zur weiteren Ausarbeitung und dafür eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 500 Euro. Dann werde ein Gewinner gekürt und mit der Ausführung beauftragt.

„Die Umsetzung eines Flechtobjekts, welches das Ortsbild maßgeblich verschönert und Tradition widerspiegelt, gilt es (...) zu unterstützen.“
Andreas Robisch, SPD-Fraktionsvorsitzender

CSU-Fraktionsvorsitzende Judith May lobte den Ideenwettbewerb: Der Dorfmittelpunkt werde dadurch erheblich aufgewertet. Der Platz sollte dann auch für Weihnachtsmärkte, Feste und andere öffentliche Veranstaltungen genutzt werden. Es gelte, ein Wahrzeichen zu schaffen, das überregional mit Michelau verbunden wird. May betonte aber die Notwendigkeit eines wetterfesten Materials wie Alu, Edelstahl oder Kunststoff. Sie schloss für die CSU: „Wir investieren gerne in die Aufwertung und Vermarktung unserer Korbmachergemeinde, um hier Tradition und Verbundenheit zum Korbmacherhandwerk zu stärken.“

SPD-/JSB-Fraktionssprecher Andreas Robisch zeigte sich ebenfalls angetan: „Die Umsetzung eines Flechtobjekts, welches das Ortsbild maßgeblich verschönert und Tradition widerspiegelt, gilt es (...) zu unterstützen.“ Er stellte allerdings den Standort zur Diskussion: Die Freiflächen am Mainfeld oder zwischen Kirche und der Statue „Michel in der Au“ seien viel stärker frequentiert.

Lieber mehrere kleine Projekte als ein großes

Alternativ regte er an, statt eines großen mehrere kleine Projekte zu realisieren, von denen einige in den Ortsteilen ihren Platz finden könnten. Robisch verwies auf Lichtenfels und die an verschiedenen Orten aufgestellten geflochtenen Märchenfiguren. Schließlich warnte er, dass angesichts der Preissteigerungen die an sich schon nicht wenigen 20.000 Euro nicht ausreichten könnten.

Lutz Weisser von den Freien Wählern nannte den Rathausplatz prädestiniert für das Projekt, zeigte sich aber auch offen für den Ansatz, mehrere kleine Projekte zu verwirklichen. „Grundsätzlich tragen wir das mit, auch in der finanziellen Größenordnung“, erklärte er.

In der Folge konzentrierte sich die Diskussion auf die Standortfrage. Jürgen Spitzenberger (SPD) meinte, dass der Rathausplatz hauptsächlich als Parkplatz wahrgenommen werde. Dem widersprach der Bürgermeister: Er sehe es ja täglich, dass der Platz sehr stark frequentiert sei. An Standorten wie dem „Michel in der Au“ erhielte ein Flechtobjekt nicht so viel Aufmerksamkeit, da sie hauptsächlich vom Durchgangsverkehr beherrscht seien.

„Grundsätzlich tragen wir das mit, auch in der finanziellen Größenordnung.“
Lutz Weisser, FW-Fraktionsvorsitzender

So argumentierte auch Zweiter Bürgermeister Hans Borchert: An anderen Plätzen führen die Leute bloß vorbei. Hier könnten sie sich hinsetzen und das Werk in Ruhe anschauen. Sowohl er als auch seine CSU-Parteifreunde zeigten sich aber offen für die Anregung, dezentral kleinere Objekte aufzustellen. May betonte, dass es Ziel sein müsse, ein Zentrum für Michelau zu schaffen, wie es Schwürbitz oder Lettenreuth hätten. Das sei jetzt hier mit dem verkehrsberuhigten Bereich möglich. Dann könne es aber mit kleineren Objekten an anderen Standorten weitergehen. Dirk Fischer schlug vor, dafür alle zwei Jahre Geld im Haushalt einzuplanen. Die hohen Kosten nannte er notwendig: „Das ist Marketing, das braucht man heutzutage.“

Schließlich einigten sich die Räte darauf, sich nicht von vornherein auf den Rathausplatz festzulegen. „Wenn ein Künstler einen anderen Platz besser findet, kann man sich auch darauf verständigen“, sicherte Weber zu. Unter dieser Bedingung fiel der Beschluss, den Ideenwettbewerb auszurichten, einstimmig.

Aus dem Gemeinderat

• Dritter Bürgermeister Hubert Robisch bat die Verwaltung darum, das Projekt Feuerwehrhaus-Neubau in Michelau so weit vorzubereiten, dass der Gemeinderat sich in diesem Jahr zumindest schon auf einen Standort festlegen kann. Dies wurde zugesichert.

• In der jüngsten nichtöffentlichen Sitzung wurden folgende Aufträge vergeben: Die Sanierung des Kriegerdenkmals in Schwürbitz übernimmt die Firma Eduard Gehring, Kronach, für 23.800 Euro, die Werkraumausstattung in der Johann-Puppert-Schule die Firma Stürmer Werkzeuge-Maschinen KG, Hallstadt, für 15.400 Euro.

• Bürgermeister Jochen Weber teilte mit, dass im Landkreis Lichtenfels eine Sicherheitswacht eingeführt werden soll. Dafür hat sich der Gemeinderat schon 2018 ausgesprochen. Organisation und Finanzierung übernimmt der Freistaat.

• Der Spielplatz am Bolzplatz in Neuensee ist fertig, am Anger steht der Spielturm. Auch die Wohnmobilstellplätze am Rudufersee sind fertig.

 

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