Dr. Friedrich Leitz hat schon als Kind in Gruben „geforscht“

REDWITZ

Dr. Friedrich Leitz hat schon als Kind in Gruben „geforscht“

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe trifft wohl die berufliche Tätigkeit von Dr. Friedrich Leitz im übertragenen Sinne. Aus Thonberg (Gemeinde Weißenbrunn) im Landkreis Kronach stammend, kam der heutige Redwitzer schon früh mit der Geologie in Berührung.

In diesem Dörfchen befanden sich Gruben, die er als Kind schon als Spielgelände genutzt hat. Teilweise wurde dort noch gearbeitet. So wurde er von Kindesbeinen an geprägt.

Von Anfang an stand fest, dass es die Naturwissenschaft sein soll

In der Oberrealschule Kronach wurden die naturwissenschaftlichen Interessen geweckt. „Die Schule hat mein Interesse an Naturwissenschaften zumindest nicht gebremst“, sagt der Wissenschaftler rückblickend. Bei der Auswahl des Studienzweiges stand jedenfalls von Anfang an fest, dass es ein Naturwissenschaftliches sein soll.

Beim Fach Chemie hielt sich damals das Gerücht, dass man dafür 20 Semester brauche. Dr. Leitz kannte dann auch zwei Studenten, die gescheitert beziehungsweise ausgestiegen waren. Biologie dagegen war verrufen als „Orchideenfach“, und so entschloss Leitz sich, Geologie zu studieren. „Damals waren die Informationen zum Hochschulstudium miserabel,“ erklärt der Geologe. Er wollte mit konkreter Arbeit sein Geld verdienen. Sein Studium hat er sich durch das Militärgeld finanziert.

In Südddeutschland und in den Südalpen Erfahrungen gesammelt

Das breitgefächerte Studium kam seinen weitgefächerten Interessen entgegen. 1971 legte er das Diplom im Hauptfach Geologie mit den Nebenfächern Mineralogie und Paläontologie (Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter, Fossilien) ab. Nach dem Studium folgten die „Lehr- und Wanderjahre“ in verschiedenen Programmen zur geologischen Grund- und Regionalforschung im östlichen Süddeutschland und in den Südalpen.

1976 promovierte er zum Dr. rerum naturalium (Doktor der Naturwissenschaften) an der Universität Bochum mit dem Thema: „Lithostratigraphie (die räumliche und strukturelle Gliederung von Gesteinseinheiten) des Zechsteins und Buntsandsteins bei Coburg- Kronach (Nordostbayern)“. Anfang der 1980-er Jahre konnte Dr. Leitz stufenweise auf eine freiberufliche Berater-Existenz umsteigen. Da seine Frau im Schuldienst arbeitete, war für die Familie kein Risiko dabei. Die von ihm beratenen Klienten waren Gemeinden, Landratsämter, Privatleute und die Steine- und Erdenindustrie.

Insbesondere die Wasserbohrungen waren sein Lieblingsgebiet. Kein Wunder, waren Großvater und Vater des Wissenschaftlers im Bauwesen und Wasserleitungsbau tätig. Das Element Wasser war also immer gegenwärtig. Wasserbohrungen wurden in Gemeinschaftsarbeit erledigt. Die Betreiber für Hartsteinwerke, Kies- und Bau-Sandgruben waren dankbar für die Wegweisung von Dr. Leitz durch die bau-, wasser- oder bergrechtlichen Genehmigungsverfahren.

Die Wasserversorgung hatte es ihm besonders angetan

Leitz pflegte ein gutes Verhältnis zu den Wasserwirtschafts- und Landratsämtern und zur Regionalplanung bei der Regierung von Bayreuth. So waren die Ortstermine mit anschließendem Kellerwirtschaftsbesuch sehr beliebt. Er hatte ein oft väterliches Verhältnis zu den Sachbearbeitern.

„Das macht kein anderer, das machen Sie,“ hieß es dann oft. Es ging darum, bereits bekannte Stein- oder Sandvorkommen abzugrenzen, ihr Volumen abzuschätzen und einen Abbauplan zu entwickeln. Sein liebstes Arbeitsgebiet war die Wasserversorgung. Beim Absuchen eines Gemeindegebietes oder Firmenareals und beim Begleiten und Auswerten der Bohrungen konnte er alle Register der Stratigraphie (ein Teilgebiet der Geologie, das sich mit der senkrechten und damit auch zeitlichen Aufeinanderfolge der Schichtgesteine befasst) und Tektonik (Teilgebiet der Geologie, das sich mit dem Bau der Erdkruste und ihren inneren Bewegungen befasst) ziehen. 20 Jahre lang konnte er frei arbeiten und in mündlicher und sehr flexibler Zusammenarbeit diese Projekte managen.

Doch dann wurde die freihändige Auftragsverteilung in der Kommunalberatung durch Ausschreibungs- und Vergabeverfahren abgelöst. Mit der Gründung von Beratungsbüros ging laut Leitz ein ruinöser Preiskampf einher, der bis heute anhalte. So zog sich der Geologe im neuen Jahrtausend aus der kommunalen Wasserberatung zurück. Bereut hat er es nicht.

Rund 250 geologische Exkursionen organisiert

Leitz konzentrierte sich fortan auf Privatleute und Industrieunternehmen. Wichtig war ihm zudem die Öffentlichkeitsarbeit. Als Co-Autor wirkte er beim „Kleinen Staffelbergführer“, in einem Jubiläumsbuch der Sparkasse 1990, und in „Weismain 1“ mit. Außerdem organisierte er etwa 250 geologische Exkursionen, beispielsweise am Ebnether Berg. Diese waren möglichst breit landschaftskundlich angelegt, aber mit dem ortsbezogenen geologischen Fundament.

Dazu kamen Ausstellungen, Fragestunden, Erklären und Benennen von Steinen aller Art. Zwischen 20 und 250 Personen beteiligten sich jeweils daran. Die Coronapause nimmt Dr. Leitz als Schnitt. Er will in Zukunft keine Exkursionen mehr anbieten. „Es ist inzwischen gerade bei mehreren Teilnehmern sehr anstrengend“, erläutert der 77- jährige. Über kleinere, leichtere Sachen könne man allerdings reden.