SCHWÜRBITZ

Die Sage vom versunkenen Schloss bei Schwürbitz

Die Sage vom versunkenen Schloss bei Schwürbitz
Blick vom Graitzer Spitzberg auf Schwürbitz. Dort soll in grauer Vorzeit ein Raubritterschloss gestanden haben. Foto: Horst Habermann

Mit Volkssagen geht es auf eine Reise in die Vergangenheit der Kulturlandschaft am Obermain. Im Vergleich zum Staffelsteiner Raum sind von den Ortschaften zwischen Michelau und Redwitz nicht so viele Sagen bekannt. Was vom versunkenen Schloss bei Schwürbitz erzählt und vermutet wird, ist umso interessanter.

Diese Geschichte wurde vor fast 100 Jahre von Elise Gleichmann aufgeschrieben und ist im leider vergriffenen Buch „Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes“ von E. u. K. Radunz zu finden.

Die Sage berichtet vom „Spitzerberg“ außerhalb von Schwürbitz. Dort soll in grauer Vorzeit ein Raubritterschloss gestanden haben. Von Weitem sah man in der Nacht die erleuchteten Fenster. Eines Morgens war die Burg mit sämtlichen Insassen spurlos verschwunden. Die Einwohner der umliegenden Dörfer sahen das als Gottesgericht an; an dieser Stelle wurde somit eine Kapelle errichtet. Diese hieß im Volksmund „Käppela“ und wurde viel besucht.

Zweimal in der Woche sei ein Bäckerjunge von Schwürbitz über den Spitzberg gegangen und habe in den umliegenden Dörfern Brot und Semmeln verkauft. An einer bestimmten Stelle des Berges sei jedes Mal ein uraltes, kleines Weiblein aufgetaucht und habe Semmeln gekauft. Diese altmodisch gekleidete Frau sei für den Bäckerjungen die beste Kundin gewesen und nach dem Bezahlen jedes Mal plötzlich verschwunden.

Berichtet die Sage von zerstörter Burg im Bauernkrieg?

An dieser Geschichte ist zweierlei interessant: die Raubritterburg und die ge-heimnisvolle kleine Frau. Ein Schloss oder eine Burg außerhalb von Schwür-bitz mit nachts in weitem Umkreis sichtbar erleuchteten Fenstern stand nach Auskunft des Schwürbitzers Carlo Scheidt auf dem so genannten Graitzer Spitzberg. Schwürbitz liegt näher am Spitzberg als Marktgraitz. Außerdem stand im Nachbarort Graitz ebenfalls eine Burg.

An der Westseite des Spitzberges, so Scheidt, deutet die Bodenformation mit der geschliffenen, begradigten Ebene durchaus auf eine Burganlage mit Innenhof hin. An der Ostseite des kleinen Bergrückens vermutet er eine ehemalige Kirche.

Geschichten vom Bauernkrieg über Generationen weitererzählt

Das erwähnte Raubrittertum im Zusammenhang mit der Burg auf dem Spitzberg geht auf den Beginn des 15. Jahrhunderts zurück, die Besteuerung der ehemals freien Ritterschaft. Dass, wie in der Sage beschrieben, alle Insassen spurlos verschwinden, könnte auf den Durchzug des „Schwäbischen Bundes“ im Juni 1525 hindeuten.

In dieser Zeit wütete am Obermain der so genannte Bauernkrieg. Dieses markante Ereignis hinterließ, das zeigen viele Geschichten und Volkssagen, traumatische Spuren in der hiesigen Bevölkerung. Die Geschehnisse wurden von Generation zu Generation weitererzählt. So ist zum Beispiel von der nicht weit entfernten Burg im Burgkunstadt die Geschichte „Die goldene Wiege“ überliefert.

Tote auf dem Weg nach Marktgraitz am Käppela aufgebahrt

Die Sage vom versunkenen Schloss bei Schwürbitz
Das Schwürbitzer Käppela befindet sich heute am Kapellenweg neben der evangelischen Kirche, diese stand damals noch nich... Foto: Horst Habermann

Die in der Sage erwähnte Kapelle, welche exakt an der Stelle des Raubritter-schlosses gebaut worden sein soll, wird bis heute von Marktzeulner Familien gepflegt und liegt am Verbindungsweg zwischen Schwürbitz und Marktgraitz. Bis ins 19. Jahrhundert haben die Schwürbitzer ihre Toten auf diesem Weg zur Bestattung nach Marktgraitz getragen und vor der Kapelle für eine Andacht aufgebahrt. Schwürbitz ist der größere Ort, hatte aber damals keine Kirche und keinen Friedhof. Die aktuelle Wegkapelle stammt aus dem Jahr 1814 und steht am Kapellenweg. Neben ihr die evangelische Kirche, diese damals noch nicht existierte.

Die geheimnisvolle kleine Frau im zweiten Teil der Schwürbitzer Sage könnte mit den spurlos verschwundenen Insassen der Raubritterburg in Verbindung gebracht werden. Nach der äußeren Erscheinung könnte es aber auch ein Holzfräulein gewesen sein. Die Geschichten vom Huelzfraala waren in Oberfranken weit verbreitet. Vor über 100 Jahren noch meinten Menschen, immer wieder mal ein Holzfräulein im Walde gesehen zu haben.

Diese typisch fränkische Sagengestalt ist dem Menschen ähnlich, aber kleiner und eher den Zwergen gleich. In einem Sagenbuch steht dazu: „Stets trugen sie graue Kleidung. Wenn ihnen der Wind ihre langen, silbergrauen Haare über das Beerenkräuterreich wehte, sah es aus, als zöge der Altweibersommer im Spätherbste darüber.“

Huelzfraala begegnete den Leuten beim Beerensammeln

Im Radunz-Sagenbuch berichtet eine Sage vom Holzfräulein aus dem nicht weit entfernten Schney. Im dortigen Wald riefen die Kinder beim Beeren-sammeln: „Huelzfraala, hosta drei Beerla, gäb me a bo mehra!“ Bewohner von Schney erzählten, beim Holzsammeln immer wieder mal einem Holzfräulein zu begegnen.

Die kleinen Gestalten galten außerdem als Glücksbringer; vertreibt man sie, vertreibt man das Glück. Sie können zukünftige Ereignisse vorhersehen und sind heilkundig. Als einst in der Gegend die Pest wütete, kam das Holzfräulein aus dem Wald und rief den Leuten zu: „Eßt Bimellen und Baldrian, so geht euch die Pest nicht an.“

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