MICHELAU/SCHWÜRBITZ

Die letzten Kriegstage in Michelau und Umgebung

Die letzten Kriegstage in Michelau und Umgebung
Die Michelauer Mainbrücke kurz nach der Sprengung. Foto: Repro: Horst Habermannn

In diesen Monaten ist eine Sanierung beziehungsweise eine Neubau der Schwürbitzer Mainbrücke Thema im Gemeinderat. Das weckt Erinnerungen an die Brückensprengungen kurz vor Kriegsende 1945. Damals marschierten die Amerikaner auch in Michelau, Schwürbitz und Lettenreuth ein.

Die Schwürbitzer Mainbrücke wurde am 9. April 1945, früh um 5.30 Uhr, entsprechend dem Auftrag des Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht gesprengt. Nötig gewesen wäre dies nicht, handelte es sich doch nur um eine Flurbrücke, also nicht um eine Verkehrsbrücke. Zudem war der Krieg schon verloren. Durch die unsinnige Sprengung entstanden der Gemeinde Schwürbitz Schaden und hoher Geldverlust, so die Aufzeichnungen aus dem Gemeindearchiv Schwürbitz.

Eine wichtige Verbindung zum Hochstadter Bahnhof

Der Übergang über den Main war an dieser Stelle eingerichtet worden, nachdem 1847 die Nordbahn Lichtenfels-Hof in Betrieb genommen worden war. Damals hieß es, nicht den Anschluss an die große weite Welt zu verpassen und einen guten Zugang zur Schiene zu ermöglichen. Der hölzerne Steg über den Main war eine wichtige Verbindung zum Hochstadter Bahnhof.

1851 wurde dieser Holzsteg befestigt, der nach mehreren Hochwassern sehr gelitten hatte. Mit Wiedseilen oder Wieden, dies waren aus passenden Ästen gedrehte Bänder, die für die Flößerei unentbehrlich waren, wurde das wankende Holzgestell befestigt. Fünf „Experten“ wurden mit neun Kreuzern und Kostgeld für ihre Arbeit bezahlt.

Landwirte kamen nicht mehr zu ihren Grundstücken

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Historisch: an der Mainbrücke in Schwürbitz. Foto: Repro: Horst Habermannn

1901 wurde der hölzerne Steg durch eine eiserne Brücke ersetzt. Die Kosten für diese Brücke betrugen damals 42 000 Mark. Dazu musste man ein Darlehen aufnehmen, welches nach der Inflation 1923 abgedeckt war.

Die Mainbrücke fiel dann dem Wahnsinn des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Die Gemeinde war gezwungen, eine Notbrücke zu errichten, um wenigstens den Landwirten den Zugang zu ihren Grundstücken zu ermöglichen. Ein großes Hochwasser im Winter zerstörte diesen Steg.

Vereine, Geschäftswelt und Einwohner spenden für den Neubau

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Badevergnügen: alte Aufnahme der Brücke in Schwürbitz. Foto: Repro: Horst Habermannn

Unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Ackermann beschloss der Gemeinderat Schwürbitz im Februar 1946, diesem Zustand durch die Errichtung einer massiven Brücke abzuhelfen, und beauftragte damit die Firma Karl Eugen Fischer, Burgkunstadt. In hochherziger Weise spendeten die einzelnen Vereine sowie die Geschäftswelt einige ansehnliche Beträge, und auch die Einwohner trugen durch ihr Scherflein wesentlich dazu bei, dass der Bau ohne größere finanzielle Belastung ausgeführt werden konnte. Die Baukosten beliefen sich auf rund 50 000 DM. Am 28. Juli 1946, 12 Uhr, wurde die Brücke feierlich übergeben.

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Schwürbitzer Mainbrücke in der 1990-er Jahren. Foto: Horst Habermann

Der vor einigen Jahren verstorbene Zeitzeuge Georg Krapp aus Schwürbitz war damals bei der Maschinenfabrik Fischer, Burgkunstadt, der Bauleiter, er konnte sämtliche Details genau erzählen. So wurde die Brücke auf den Mainwiesen zusammengestellt und gefertigt, um dann mit Rollen auf die Brückenlager gesetzt zu werden.

Weiße Bettlaken und Tücher statt Straßensperren

Die Michelauer Mainbrücke wurde am 10. April 1945 um 10 Uhr gesprengt, ebenfalls unnötigerweise. Sie wurde bereits am 8. April 1945 von einer Pioniereinheit zur Sprengung vorbereitet.

In der Nacht vom 11. auf den 12. April verschwanden die Sperren, und am Morgen hingen weiße Bettlaken und Tücher aus den Fenstern in Michelau. Auch auf dem Kirchturm wehte eine weiße Fahne. Am 12. April um 15 Uhr rückte bei strahlendem Sonnenschein eine amerikanische Panzereinheit aus Richtung Stöcken in den Ort ein. Wenig später auch aus Richtung Bahnhof, dabei überquerten die Spähwagen und Panzer unterhalb der Brücke den Fluss, dessen Wasserstand gerade niedrig war.

Der vernünftige Bürgermeister Otto Fischer

Dass Michelau nur seine Mainbrücke verlor, ansonsten aber verschont blieb, ist dem damaligen Bürgermeister Otto Fischer zu verdanken. Obwohl Michelau „bis zur letzten Patrone“ verteidigt werden sollte, erließ er am 11. April 1945 einen Aufruf, dass sich die Bevölkerung friedlich verhalten und in den Häusern bleiben solle.

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Einweihung der Michelauer Brücke im Jahr 1946. Foto: Repro. Horst Habermann

Die neue Brücke wurde bereits am 1. Mai 1946 eingeweiht. Sie kostete damals 183 316 Reichsmark.

Vor den Amerikanern in die Luftschutzkeller geflüchtet

Bis zum 29. November 1945 waren Schulhaus und Turnhalle mit 170 beziehungsweise 200 US-Soldaten belegt. Anschließend diente die Sportstätte noch bis 20. Mai 1946 als Sporthalle für die Besatzer.

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Ein amerikanischer Soldat vor der gesprengten Brücke von Michelau. Foto: Repro: Horst Habermannn

Auch in Lettenreuth marschierten die Amerikaner am 12. April 1945 ein. Die 2005 verstorbene Anna Mayer erinnerte sich daran, dass die Bürger in die Luftschutzkeller flüchteten. Der damalige Ortspfarrer Lux ergab sich mit weißer Fahne. Ebenso einige Dorfbewohner. Amerikanische Soldaten verteilten Schokolade an die Kinder.

Straßen und Häuser nach Soldaten durchsucht

Ab 22 Uhr wurde eine Ausgangssperre verhängt. Mit Gewehren machten die Soldaten Kontrollgänge. Vom Kapellenberg aus schossen die Amerikaner nach Isling.

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Mainbrücke Schwürbitz: Aufnahme von 2019. Foto: Horst Habermann

Nach Erzählungen von Zeitzeugen wie dem mittlerweile verstorbenen Altbürgermeister Karl Götz oder Johann Weberpals marschierten in Schwürbitz die Amerikaner zwischen dem 13. und 15. April 1945 ein, nachdem sich die Bevölkerung ergeben hatte. Margareta Habermann (2003 verstorben) erinnerte sich daran, wie die Amerikaner überall in den Straßen und Häusern nach versteckten Soldaten suchten.

Als die Kuhmilch „Mac-Mac-Milch“ war

Sie waren recht friedlich, doch die damals junge Schwürbitzerin hatte zunächst Angst. Ihre Mutter Barbara Strenglein bot den Soldaten Ziegenmilch an, nachdem sie ihre beiden Ziegen gemolken hatte. Sie wollten aber keine „Mac Mac“, sondern Kuhmilch.

Barbara Strenglein, die keine Kuh hatte, ging erneut in den Stall und kam wiederum mit Ziegenmilch heraus, gab aber zu verstehen, dass es sich dieses Mal nicht um „Mac-Mac-Milch“ handele, sondern um Kuhmilch. Daraufhin tranken die Amerikaner diese Milch und zeigten sich zufrieden. Sie verteilten auch Süßigkeiten an die Kinder und Zigaretten an die Erwachsenen.

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Horst Habermann auf der Mainbrücke in Schwürbitz. Foto: Horst Habermann
 

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