MICHELAU

Der Michelauer Einkaufskorb im Lockdown

Der Michelauer Einkaufskorb im Lockdown
Weihnachtlich dekoriert präsentieren sich die Schaufenster bei H.W. Aumüller in der Michelauer Bahnhofstraße. Das ändert nichts daran, dass für Susanne und Hu-bert Koch in Folge des Lockdowns das Weihnachtsgeschäft komplett weggebrochen ist. Die Haushaltsartikel blieben in den Re... Foto: Klaus Gagel

„Nicht noch ein Lockdown“, so klagte mancher Inhaber eines Einzelhandelsgeschäftes, als die Planungen der Ministerpräsidenten zum Jahresabschluss offenkundig geworden waren. Sechs Wochen nach der Schließung der Gastronomiebetriebe erwischte es nun auch den Einzelhandel. Der Teillockdown hatte sich als wirkungslos erwiesen. Angesichts der verschärften Corona-Lage haben sich Bund und Länder auf gemeinsame Maßnahmen verständigt, die das öffentliche Leben bis mindestens zum 10. Januar herunterfahren. Was diese Keule für die Geschäftswelt vor Ort bedeutet, das zeigen die Reaktionen innerhalb der Werbegemeinschaft des Michelauer Einkaufkorbs.

Zur Werbegemeinschaft gehören rund 50 Mitgliedsgeschäfte

Der Michelauer Einkaufskorb im Lockdown
„Business as usual“ heißt es bei den Michelauer Einkaufsmärkten. Sie sind vom Lockdown nicht betroffen. Foto: Klaus Gagel

Es handelt sich bei der Michelauer Werbegemeinschaft um einen Branchen-Mix verschiedenster Geschäfte und Unternehmen, die alle mehr oder weniger vom erneuten Lockdown betroffen sind. Zur Werbegemeinschaft gehören rund 50 Mitgliedsgeschäfte. Da ist alles vertreten vom Autohaus bis hin zum Zeitschriftenhandel, der Bereich Lebensmittel, ebenso wie Haushaltswaren und Möbel, Fahrschulen, Physiotherapie und Optiker.

In Sachen Einzelhandel ist die Großgemeinde ein Selbstversorger. Dies betonte der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Bürgermeister Dirk Rosenbauer. In einem Telefoninterview erläuterte er die Auswirkungen des Lockdowns wenige Stunden vor seinem völlig überraschenden Tod.

Zu Beginn des harten Lockdowns am Mittwoch, 16. Dezember, verzeichnete Deutschland einen neuen Höchstwert an Corona-Todesfällen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete an diesem Tag 952 Tote binnen 24 Stunden. Rein rechnerisch war damit etwa alle 1,5 Minuten ein Mensch in Deutschland an oder mit dem Virus gestorben.

Bereits seit dem ersten Lockdown im Krisenmodus

„Natürlich war uns angesichts der Zahlen klar, dass ein neuer Lockdown kommt. Man hatte sich vorher branchenspezifisch darauf eingestellt, im-mer verbunden mit der Hoffnung, dass der Lockdown vielleicht doch nicht kommt“, verriet Dirk Rosenbauer. Dennoch befanden sich alle Geschäftsleute seit dem ersten Lockdown im Krisenmodus. Ständig war man bemüht, die Lage zu analysieren um angemessen zu reagieren.

Man wusste, von einem erneuten Stillstand würden nicht alle in der gleichen Weise betroffen sein, und so kam es auch. Zu den Ausnahmen zählen auch in Michelau der Lebensmittel-Einzelhandel, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Optiker, Tankstellen, Kfz- und Fahrradwerkstätten, Banken und Sparkassen, Poststelle, Reinigungen, Zeitungsverkaufsläden, Tierbedarfs- und Futtermitteanbieter, Weihnachtsbaumverkaufsstände und der Großhandel. Dennoch betrifft die Schließung in der Korbmachergemeinde rund 90 Prozent der Geschäfte.

Allen Beteiligten ist klar, dass es angesichts der Bedrohungslage zu diesem harten Lockdown keine Alternative gibt. „Dennoch haben viele Geschäfte ein Riesenproblem damit, dass der Lockdown gerade zum jetzigen Zeitpunkt kommt, da man gerade das Weihnachtsgeschäft immer voll in der Jahresplanung eingepreist hat. Das betrifft auch die Marketing- und Werbestrategie“, so Dirk Rosenbauer in seinem letzten Pressegespräch.

Viele Geschäfte haben extra Flyer und Prospekte drucken lassen, die plötzlich nutzlos geworden sind. Was die georderten Waren anbelangt, bleiben jetzt natürlich viele Geschäfte darauf sitzen, vor allem wenn es sich um saisonale Angebote handelt.

Wie es mit eventuellen Entschädigungen aussieht, muss man abwarten, hier ist im Detail noch nichts bekannt. „Allerdings laufen diese Dinge voll über die Steuerberater, damit hier kein Schmu getrieben wird“, so Dirk Rosenbauer.

Das ganze Jahr 2020 war aus der Sicht der Einzelhändler sehr schwierig. Immer am Ende des Vorjahres entwickelt man als Geschäftsmann für das kommende Jahr eine neue Strategie, was Wareneinsatz, Dienstleistungen und Marketing anbelangt. Eine Corona-Pandemie war dabei nicht eingeplant.

Nahezu ein Totalausfall war und ist das Weihnachtsgeschäft. Lediglich in den zwei Tagen vor dem 16. Dezember sah man verstärkt Kunden in den Geschäften. „Aber das wird nicht ausreichen, um manche Fixkosten zu decken“, so der Tenor der Geschäftsleute. Etwas Trost spenden lediglich die Rückmeldungen der Kunden. Die zeigen viel Verständnis und Mitgefühl.

Nur fünf Geschäfte betreiben auch Online-Handel

Gerade mal fünf der Mitgliedsgeschäfte engagieren sich im Bereich des Online-Shoppings. Hier besteht sicher Nachholbedarf. Die Konkurrenz aus dem Internet wirkt sich branchenspezifisch unterschiedlich aus. Während Elektrogeräte relativ oft im Internet bestellt werden, weiß es der Kunde zu schätzen, wenn er Kleidungsstücke vor dem Kauf direkt vergleichen und anprobieren kann.

Was den zweiten Lockdown und das Datum 10. Januar anbelangt, ist man bei den Michelauer Einzelhändlern skeptisch. Dennoch hoffen sie inständig darauf, dass es im neuen Jahr nicht einen dritten Lockdown gibt. Da wünscht man sich lieber einen längeren zweiten Lockdown in der Hoffnung, dass dann auf Grund der Impfungen und dem Einhalten der AHA-Regeln der „Spuk“ endlich vorbei ist. Denn wer aufgibt, hat schon verloren. Ohne einen gewissen Optimismus kann man im Einzelhandel ohnehin nicht bestehen.

Eine große, schwer zu schließende Lücke

Und diese Zuversicht brauchen die Mitglieder der Werbegemeinschaft ak-tuell in jeder Hinsicht. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern auch, weil der plötzliche Tod ihres Vorsitzenden Dirk Rosenbauer eine große, schwer zu schließende Lücke in ihren Reihen gerissen hat. 2020 war somit in mehrfacher Hinsicht ein schlimmes Jahr. Da kann man nur hoffen, dass es 2021 besser wird.

 

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