MARKTZEULN

Christian Stenglein: Ein Musiker mit Leib und Seele

Christian Stenglein: Ein Musiker mit Leib und Seele
Konzert 2019: Musikverein Marktzeuln. Foto: Heinz Fischer

Als Christian Stenglein am 10. März 1984 das Licht der Welt erblickte, muss wohl eine Muse im Kreißsaal gewesen sein. Und die hat ihn ganz fest geküsst. Anders lässt sich seine Musikerkarriere wohl nicht erklären.

Aufgewachsen in Marktgraitz, erhielt er bereits 1990, gerade 'mal des Lesens und Schreibens kundig, seine ersten Klavierstunden und 1993 seinen ersten Trompeten-Unterricht. Möglicherweise hat Christian Stenglein schon vor dem Alphabet die Noten gekannt.

Christian Stenglein: Ein Musiker mit Leib und Seele
Vierzehnheiligen 2018: Christian Stenglein dirigiert das Kreisorchester. Foto: Andreas Kerner

Nach einer intensiven Ausbildung im Hauptfach Trompete am Landestheater Coburg, an der Städtische Musikschule Kulmbach, bei den Bamberger Symphonikern und der Staatskapelle Weimar führte ihn sein Weg an die Hochschule für Musik Franz Liszt nach Weimar.

„Lasst uns positiv in die Zukunft blicken, den gemeinsamen Weg weiter gehen und neue Akkorde setzen.“
Christian Stenglein zum aktuellen musikalischen Stillstand

In jungen Jahren wurden von Stenglein parallel Chorleiterlehrgänge des Sängerbundes besucht und die Leidenschaft des Dirigierens bei ihm entfacht. Lehrgänge für Blasorchesterleitung folgten an den Akademien des Nordbayerischen Musikbundes in Hammelburg (D- und C-Schein) und der Bundesakademie Trossingen (B-Schein). Aktuell absolviert er Aufbaustudien an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden.

Beim ersten Auftritt einfach umgekippt

Im Jahr 1996 stieß Christian Stenglein als junger Musiker zum Musikverein Marktzeuln und spielte dort zunächst im Register „hohes Blech“ Trompete. Bei seinem ersten Auftritt anlässlich der Kirchweih in Zettlitz kippte er aufgrund einer wohl pubertären Kreislaufschwäche einfach um, gottlob ohne Verletzungen.

Christian Stenglein: Ein Musiker mit Leib und Seele
Christian Stenglein bei der Arbeit: daheim am Klavier, den Dirigentenstab in der Hand. Foto: Heinz Fischer

Der damalige Vorsitzende des Zeulner Musikvereins (der Autor dieser Zeilen) mutmaßte, dass aus ihm wohl nie ein richtiger Musiker werden würde. Ein gewaltiger Irrtum! Christian blieb über seine gesamte Ausbildungszeit und bis heute den Zeulner Musikern treu und übernahm 2009 die musikalische Leitung und das Dirigat. Die Probenarbeit mit ihm kennt der Autor aus eigenem Erleben: Nicht weniger als 100 Prozent Disziplin, 100 Prozent Leistung waren und sind bis heute die Forderungen an seine Musiker.

Auf Nachwuchsförderung großen Wert gelegt

Christian Stenglein versteht es aber ebenso, die Freude am Spiel zu vermitteln und diese Freude auf die Musiker zu übertragen. So wuchs das Orchester in Größe und Leistung ständig. Heute spielen über 50 Aktive. Stenglein erkannte bald, wie wichtig die Nachwuchsförderung ist. So wurde für alle interessierten Kinder im Grundschulalter das Kidsorchester gegründet. Nach der Fusion der jüngsten Musiker mit dem Musikverein Hochstadt 2019 spielen heute über 30 Mädchen und Jungen im Nachwuchsorchester Hochstadt-Marktzeuln.

Unter seiner Leitung nahm man an den Wertungsspielen der bayerischen Blasmusikvereinigungen teil und erzielte von Jahr zu Jahr größere Erfolge. Höhepunkt war das Wertungsspiel in Priesendorf 2017, wo beide Orchester die Höchstnote „ausgezeichneter Erfolg“ erhielten.

Kreisorchester wächst von 15 auf inzwischen 80 Mitglieder

Seit 2010 obliegt Christian Stenglein auch die Leitung des Kreisorchesters Lichtenfels. Ein Zusammenschluss von Blasmusikbegeisterten aus dem ganzen Landkreis. Waren es am Anfang seiner Arbeit gerade mal etwa 15 Aktive, formte er in relativ kurzer Zeit ein symphonisches Orchester mit über 80 Mitgliedern. Auch hier ließen Erfolge nicht auf sich warten. Konzerte in Lichtenfels, Bad Staffelstein, Altenkunstadt und Ebensfeld füllten jedes Mal die Hallen mit begeistertem Publikum. Unvergessen auch das Konzert in der Basilika Vierzehnheiligen 2018. Selbst große Herausforderungen wie die Teilnahme an internationalen Wettbewerben meisterte Christian Stenglein mit seinen Musikern aus dem Landkreis. In Riva (Italien), Kerkrade (Niederlande) und Prag (Tschechische Republik) stellte sich das Kreisorchester einer kritischen Jury.

Internationale Erfolge erzielt

Der kontinuierliche Entwicklungsprozess führte von Mal zu Mal zu immer besseren Ergebnissen und Erfolgen. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das Kreisorchester Lichtenfels auf europäischer Ebene angekommen ist. Ein Ausschnitt der besten Titel wurde vor zwei Jahren auf einer CD eingespielt. Der Erlös ging an „Helfen macht Spaß“, die Aktions des Obermain-Tagblatts.

Bei all diesen Erfolgen ist die Musik für Stenglein aber immer ein leidenschaftliches Hobby geblieben. Beruflich geht der studierte Energietechnik-Ingenieur eher bodenständige Wege im Facility-Management eines großen Online-Versandhauses im Landkreis.

Christian Stenglein: Ein Musiker mit Leib und Seele
Musikalische Familie Stenglein: Ute, Klara und Christian. Foto: Heinz Fischer

Fragt man Christian Stenglein, was denn so toll am Hobby Musik ist, so empfindet er diese als etwas, das sein gesamtes Leben prägt, das ihm viele Wegbegleiter und Freunde in Marktzeuln, im Landkreis und weit darüber hinaus gebracht hat. Ein Leben ohne Musik? Unvorstellbar. Er selbst spielt von Trompete über Saxofon bis Tuba, Gitarre und Klavier so ziemlich alles, was einen guten Ton erzeugen kann. Nach eigenen Angaben besitzt er etwa 40 Musikinstrumente. Genau hat er sie nicht gezählt.

Gattin Ute spielt das Waldhorn

Kann so eine ausgeprägte Leidenschaft auch noch mit einem Familienleben vereinbart werden? Bei Stengleins ist das kein Problem, spielt doch Gattin Ute mit ihrem Waldhorn sowohl in der Marktzeulner Kapelle als auch im Kreisorchester mit. Auch im Nachwuchsorchester und bei den Blockflötengruppen für die musikalische Früherziehung unterstützt sie ihren Christian.

Wenn Proben oder Auftritte anstehen, wird das dreijährige Töchterchen Klara wohl behütet bei den ebenfalls Musik begeisterten Großeltern untergebracht. Sein schönstes musikalisches Erlebnis, so erzählt der Christian, war, als die kleine Klara das erste Mal einen richtig schönen Ton aus einem seiner Blasinstrumente hervorgebracht hat. Der Apfel fällt also auch hier nicht weit vom Stamm.

Christian Stenglein: Ein Musiker mit Leib und Seele
2016: Mit dem kreisorchster in Riva (Italien); Christian Stenglein hinten, ganz rechts. Foto: Tim Birkner

So wäre für Christian Stenglein, seiner Familie und den Musikfreunden alles eitel Sonnenschein, wäre da nicht im vergangenen Jahr dieser böse Virus aufgetaucht, der alle, aber wirklich alle musikalischen Aktivitäten zum Erliegen gebracht hat. Keine Konzerte, keine Auftritte, gerade mal zwei Proben mit dem Musikverein Marktzeuln im Sommer des Vorjahres unter ziemlich schwierigen Bedingungen. Das Ende einer jahrelangen Erfolgsgeschichte?

Optimistischer Blick in die Zukunft

Christian Stenglein blickt optimistisch in die Zukunft, wenn er sagt: „Musik und Liebe gehen durch den Magen! Wie schön ist es, alle Bausteine der Zutatenliste zusammenzufügen und den gemeinsamen Ohrenschmaus zu genießen. Lasst uns positiv in die Zukunft blicken, den gemeinsamen Weg weiter gehen und neue Akkorde setzen nach dem Motto ,Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt, alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt‘.“

Bleibt im Sinne der Worte von Friedrich Schiller zu hoffen, dass diese Schaffenskrise für alle Musiker endet und bald wieder musiziert werden kann – in Marktzeuln und in allen Orchestern und Chören im Landkreis.

 

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