NEUENSEE

Bürgerversammlung der Gemeinde Michelau in Neuensee

Nach einer Corona-bedingten Pause im vergangenen Jahr veranstaltet die Gemeinde Michelau wieder Bürgerversammlungen, die erste am Dienstagabend in Neuensee. Da stand Bürgermeister Jochen Weber im gut besuchten Kultursaal und lächelte: „Es ist auch meine erste Bürgerversammlung. Ich bin euer Freund – bitte nicht grillen!“ Den Gefallen haben ihm die Besucher und Besucherinnen getan.

Zuerst gab es einen Einblick in den Haushalt, der ein Volumen von etwa 24 Millionen Euro hat. Die Gemeinde stehe trotz Corona sehr gut da, bilanziert der Bürgermeister: Veranschlagt waren Gewerbesteuereinnahmen von 2,5 Millionen Euro; Stand jetzt lägen sie eine Millionen darüber. Dazu kämen eine Einkommensteuerbeteiligung von drei Millionen Euro und 1,5 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen. Gegenzurechnen ist die Kreisumlage, die fast drei Millionen Euro betrage.

Investitionen in Höhe von zwölf Millionen Euro

Letztlich könne die Gemeinde mit fünf bis 5,5 Millionen Euro planen. Sie hat aber mit der Hochwasserfreilegung, dem Bau der Horte in Schwürbitz und Michelau, der Sanierung der Johann-Puppert-Schule und der Neuanlage der Uferpromenade in Schwürbitz auch Investitionen in Höhe von zwölf Millionen Euro zu stemmen.

Ausgaben habe Michelau für die Schulen, Kindergärten und -krippen, das Hallenbad, das Korbmuseum und die Mainfeldhalle. Insgesamt habe der Schuldenstand zum 31. Dezember 2020 etwa 2,6 Millionen Euro betragen. Rechnet man die Rücklagen in Höhe von 4,17 Millionen Euro dagegen, so sei die Gemeinde eigentlich schuldenfrei. Der Bürgermeister warnte aber schon vor, dass sich das angesichts der geplanten beziehungsweise laufenden Projekte in den kommenden Jahren ändern wird.

Mindestens doppelt so viele Sterbefälle wie Geburten

Sorgen bereitet ihm, dass Michelau schrumpft: von 6381 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 2015 auf 6279 bis Ende Oktober dieses Jahres. In den vergangenen drei Jahren war die Zahl der Sterbefälle mindestens doppelt so hoch wie die der Geburten. Gegensteuern könnte die Gemeinde, wenn sie Bauwilligen Grundstücke anbieten könnte. Aber in Michelau stehe genauso wie in Schwürbitz und Neuensee derzeit kein Bauplatz zur Verfügung.

Jochen Weber informierte darüber, dass er jetzt die Eigentümerinnen und Eigentümer von Baulücken angeschrieben habe. „Also nicht erschrecken, wenn ein Brief von mir kommt“, bat er. In Michelau sei die Erschließung der Baugebiete West IV und von Nord-West III im Fokus. Bisher seien Gespräche mit den Eigentümern erfolglos verlaufen. „Aber auch wenn sie schon drei Mal ,Nein‘ gesagt haben: Wir geben nicht auf“, bekräftigte der Bürgermeister.

„Auch wenn sie schon drei Mal ,Nein‘ gesagt haben: Wir geben nicht auf.“
Bürgermeister Jochen Weber über die Gespräche mit Grundstücksbesitzern

In Lettenreuth-West dagegen konnten die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen werden; hier soll die zweite Teilerschließung im Frühjahr beginnen. Im Herbst kommenden Jahres können Bauwillige dann loslegen. Insgesamt, so kündigte der Bürgermeister an, würden 30 Bauplätze erschlossen; zusätzlich seien Mehrfamilienhäuser geplant.

Wer in der Gemeinde lebt, kann sich über den günstigsten Wasser- und Abwasserpreis im Landkreis freuen. Michelau habe in den vergangenen 15 Jahren eine Menge in die eigene Wasserversorgung investiert. Derzeit wird die Kläranlage, die der Abwasserzweckverband Marktzeuln-Michelau betreibt, ertüchtigt. Die Sanierung der Kläranlage selbst sei abgeschlossen, die des Pumpwerks in Zettlitz soll es bis Ende des Jahres sein.

Sanierung des Zettlitzer Pumpwerks teurer als erwartet

Das heißt, dass die Bürgerinnen und Bürger sich darauf einstellen müssen, dass im Frühjahr nach der Endabrechnung die vierte und letzte Rate der Beitragsveranlagungen erhoben wird. Weber erinnerte daran, dass sein Vorgänger Dirk Rosenbauer in Aussicht gestellt hatte, vielleicht gar keine vierte Rate einziehen zu müssen.

Nun fielen für das Zettlitzer Pumpwerk aber höhere Kosten an als erwartet. Deshalb müsse die letzte Zahlung doch noch eingefordert werden. Sie werde wohl um die zehn Prozent betragen. Die Bilanz des Bürgermeisters verdeutlichte, dass die Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren eine Fülle von Projekten angepackt hat. Dazu zählen neben den schon erwähnten der ökologische Ausbau des Brunnenbachs in Lettenreuth und im Zuge dessen auch der Bau einer neuen Schulbushaltestelle, der Neubau eines Gehwegs in Oberreuth, die Deichsanierung in Michelau, beim Kulturhaus Neuensee die Renovierung der Mietwohnung, die Dachsanierung und die Installation der Außenbeleuchtung und die Erneuerung der Grünanlagen an der Turnhalle in Schwürbitz.

Verzögerungen beim Bike-Park und beim neuen Spielplatz in Neuensee

Verzögerungen gibt es beim Bike-Park in Michelau, bei dem die Gemeinde monatelang auf die Baugenehmigung gewartet hat, und bei der Anlage des Spielplatzes in der Sportplatzstraße in Neuensee, für den erst vor wenigen Wochen die Spielgeräte geliefert wurden. Er soll nun im Frühjahr fertiggestellt werden.

Im kommenden Jahr steht der Neubau eines Geh- und Radwegs beim neuen Rewe-Markt in Michelau an. Dringenden Handlungsbedarf sieht Weber beim Dach der Schulturnhalle, das nicht mehr dicht ist, außerdem hat er das Feuerwehrgerätehaus und die Bodensanierung der Mainfeldhalle im Blick. In Neuensee werden am Berg eine Bushaltestelle errichtet und in Schwürbitz Mainbrücke und Turnhalle saniert.

Die weiteren Bürgerversammlungen finden am Donnerstag, 11. November im Kulturhaus Lettenreuth, am Dienstag, 16. November, im Gemeindezentrum Michelau und am Donnerstag, 18. November, in der Turnhalle Schwürbitz statt.