REDWITZ

Stichwahl in Redwitz: Anständigen Wahlkampf fair abschließen

Mit gerade einmal 15 Stimmen Vorsprung ging Christian Zorn (CSU) am 15. März vor seinem Kontrahenten Jürgen Gäbelein (UBR) über die Ziellinie bei der Bürgermeisterwahl in Redwitz. 744 zu 729 Stimmen oder 39,9 zu 39,1 Prozent lautete das Ergebnis zwischen den beiden Kontrahenten, die dem dritten Bewerber um den Chefsessel um Rathaus, Stephan Arndt (SPD), keine Chance ließen.

Der Sozialdemokrat erhielt mit 392 Stimmen runde 21 Prozent, einen Wähleranteil, den die beiden übrig gebliebenen Kandidaten gerne für sich gewinnen würden. Allerdings gibt die SPD keine Wahlempfehlung für die Stichwahl ab, wie Arndt gegenüber dieser Redaktion betont. Vom künftigen Gemeindeoberhaupt erhofft sich der 33-Jährige eine bessere Bürgerbeteiligung sowie eine Zusammenarbeit im Gemeinderat über alle Parteigrenzen hinweg.

Diese Zusammenarbeit strebt auch Christian Zorn an, egal wie die Wahl am Sonntag ausgeht. „Etwas anderes lässt auch die Zusammensetzung des Gemeinderats nicht zu“, sagt er. Zur Erinnerung: Der neuen, 16-köpfigen Bürgervertretung der Kommune gehören jeweils sechs Vertreter von CSU und Unabhängigen Bürgern Redwitz sowie vier Sozialdemokraten an. Zorn betont, dass auch in der vergangenen Wahlperiode trotz der damals absoluten Mehrheit der Christsozialen die allermeisten Entscheidungen überparteilich getroffen worden seien. Im Übrigen habe der „faire Wahlkampf gezeigt, dass alle Kandidaten das Wohl und die Entwicklung von Redwitz in den Vordergrund stellen“.

Wahlkampf nur eingeschränkt möglich

Apropos Wahlkampf: Dieser sei natürlich durch die Coronakrise und die damit einhergehenden Beschränkungen praktisch zum Erliegen gekommen, wie Zorn betont. „Bis Freitag haben wir noch Flyer an die Haushalte verteilen können, seither hat die Bewältigung der Pandemie Priorität“, so der CSU-Kandidat. Nichtsdestotrotz ist der 40-Jährige in den sozialen Medien aktiv und profitiert auch hier durch seine Vernetzung innerhalb der CSU. So wirbt unter anderem Landtagspräsidentin Ilse Aigner in einem kurzen, am 21. März eingestellten Film für ihren Parteifreund.

Auf solche Unterstützung muss Jürgen Gäbelein (50) verzichten, wobei er darüber gar nicht besonders traurig ist. „Derzeit wird für alle CSU-Kandidaten auf diese Art Werbung gemacht“, sagt der Bürgermeisterkandidat der Unabhängigen Bürger Redwitz und verweist auf die Facebook-Seite der UBR, auf der er und sein Team ebenfalls die Wähler ansprechen.

Holzgabel zur Stichwahl

Da der 50-Jährige mit einer Stichwahl gerechnet hatte, haben er seine Mitstreiter sich außerdem eine „lustige Aktion“ ausgedacht und direkt nach dem Wahlsonntag Flyer mit einer Holzgabel und dem Slogan „Gäbelein sticht!“ an die Redwitzer Haushalte verteilt. Im Übrigen äußert sich der UBR-Kandidat wie sein Kontrahent lobend über den Wahlkampf. Dieser sei bis auf einige „kleine Spitzen“, die aber dazu gehören würden, sehr anständig geführt worden. Das mache ihm Hoffnung, dass auch in der neuen Bürgervertretung in den kommenden sechs Jahren offen und ehrlich miteinander gearbeitet werde.

Was den Wahlausgang am Sonntag angeht, sind sowohl Jürgen Gäbelein als auch Christian Zorn optimistisch. Der Christsoziale deswegen, weil er im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten habe, obwohl er kein gebürtiger Redwitzer ist. Und der UBR-Kandidat, weil er in Redwitz selbst vorne lag (Gäbelein: „In den Ortsteilen wurde schon immer eher für die CSU gestimmt“), und weil er auf die Mehrheit der SPD-Wähler hofft. Auch wenn es, wie eingangs gesagt, keine Empfehlung von Stephan Arndt gibt, hätten UBR und Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren gut im Gemeinderat zusammengearbeitet, betont Gäbelein.

Abschließend bitten beide Bürgermeisterkandidaten alle Bürgerinnen und Bürger, die bisher noch kein Kreuzchen gemacht haben, trotz der Coronakrise von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und noch ihre Wahl für das neue Gemeindeoberhaupt zu treffen. Die Wähler können bis Sonntag, 29. März, 18 Uhr, ihre ausgefüllten Unterlagen in den Außenbriefkasten des Rathauses Redwitz einwerfen.

Weitere Berichte zur Kommunalwahl 2020 finden Sie unter www.obermain.de. Alle Ergebnisse vom Wahlabend sowie erste Reaktionen der Kandidaten lesen Sie außerdem im Liveticker zur Stichwahl am Sonntagabend auf www.obermain.de.