REDWITZ

Wahl Redwitz: Mit parteifreier Brille das Miteinander fördern

Spaziergang im Redwitzer Biotop. Karin und Jürgen Gäbelein mit Beagle-Dame Emma. Foto: red

Vor der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Redwitz am Sonntag, 29. März, steigt die Spannung. Um den Lesern die Qual der Wahl zu erleichtern, veröffentlicht das Obermain-Tagblatt die Porträts der Kandidaten nochmals. Hier das von Jürgen Gäbelein (UBR), der im ersten Wahlgang mit 39,1 Prozent der Stimmen hauchdünn hinter Christian Zorn (CSU, 39,9 Prozent) lag. Für Jürgen Gäbelein hat das Miteinander in der Kommunalpolitik einen größten Stellenwert. Er will das Wir-Gefühl in Redwitz stärken, das Image seiner Heimatgemeinde nach innen wie nach außen verbessern. Der Bürgermeister-Kandidat der „Unabhängigen Bürger Redwitz“ (UBR) sieht es als große Herausforderung für die Zukunft, dass Redwitz an Profil gewinnt. Unter der Fragestellung „Wer oder was sind wir“? wünscht er sich die künftige Gemeindeentwicklung im Einklang mit allen Fraktionen

Das Image der Heimatgemeinde nach innen wie außen verbessern

Außerhalb der Gemeinde wird Redwitz oft wenig beachtet, weiß der 50-Jährige. Nach dem Motto „Was wollen wir dort!?“ Um ein attraktives Image zu erarbeiten, müssten alle an einem Strang ziehen. Ein gutes Vorbild ist für Gäbelein der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich, der alle Stadtratskollegen, egal welcher Couleur, mitnehme. An der Zukunftswerkstatt „Vision 2030“ seien alle Fraktionen beteiligt.

Warum will der Kunststoff-Techniker ab Mai 2020 ins Rathaus? Für den Familienvater ist das Amt kein normaler Beruf, sondern eher eine Berufung. „Weil es mir unheimlich Spaß macht, mich für das Gemeinwohl einzusetzen!“ Stolz erzählt er von zahlreichen Projekten, die er als Gründungsmitglied des Bürgervereins „Lebendiges Redwitz“ in den vergangenen Jahren mit ins Leben gerufen habe. „Bücherbox, Kalender, Häuserschilder, Entenrennen, Kalte Kerwa, Geburtsbaum oder jüngst die gelungene Fotoausstellung - gemeinsam haben wir einiges zur Belebung unseres Ortes geschaffen.“ Das Engagement komme bei ihm von innen heraus, er mache es mit Herzblut.

Der Kandidat der Unabhängigen Bürger Redwitz, Jürgen Gäbelein, sieht der Bürgermeister-Wahl selbstbewusst entgegen. Foto: red

Jürgen Gäbelein sieht das Amt „zweigeteilt“: Einerseits müsse der Bürgermeister die Gemeinde als Repräsentant nach innen wie nach außen vertreten, für sie sprechen, für sie das Beste rausholen. Als kommunikativer Mensch mit viel Führungserfahrung sieht sich der UBR-Kandidat bestens dafür gerüstet. „Ich denke, ich kann Menschen motivieren und zusammenbringen.“

Sein Engagement kann nicht an seinem Gartenzaun aufhören

Andererseits ist der Bürgermeister der Leiter einer Verwaltung, der in Redwitz 30 Mitarbeiter führen und einen gewissen Finanzhaushalt zu verantworten hat „Wie ein kleines Unternehmen – Personalführung, Finanzen, Entwicklungsstrategien. Das gehört als Unternehmer seit 20 Jahren zu meinen Aufgaben.“ Für das Kommunale interessiert sich der 50-Jährige schon immer. Als er eine Familie gegründet und ein Haus gebaut hat, als klar ist, „wir bleiben hier“, ist auch klar, „mein Einsatz hört nicht am Gartenzaun auf.“

Er will im eigenen Ort mit anpacken. Deshalb das Engagement in verschiedenen Vereinen, das nicht unbemerkt bleibt. Um 2000 herum spricht ihn der frühere Zweite Bürgermeister Günther Kohles an, holt ihn zu den Freien Wählern. Gäbelein kandidiert 2002 für den Gemeinderat, der Einzug gelingt aber noch nicht. Im nächsten Wahlkampf ist er an der Seite seines Mentors Kohles eine treibende Kraft und als TV-Vorsitzender allseits bekannt, so dass er 2008 auf Listenplatz 3 erfolgreich ist.

Jürgen Gäbelein ist leidenschaftlicher Mountainbiker; hier macht er Rast an den Ebnether Felsenkellern. Foto: red

Und fast zwölf Jahre später geht der Diplom-Ingenieur für die UBR ins Rennen um die Nachfolge von Christian Mrosek. Mit der Umbenennung zu den „Unabhängigen Bürgern Redwitz“ wollen sich seine Mitstreiter ohne Parteibindung auf die Gemeindepolitik konzen-trieren. Das sei aber keine 100-prozentige Loslösung, denn für den Kreistag kandidiere man schon auf der Liste der Freien Wähler. Für das Unabhängige tritt Jürgen Gäbelein allerdings vehement ein, weil für ihn Parteipolitik in der Kommunalpolitik fehl am Platz ist.

„Ich will eine offene, transparente und unabhängige Zusammenarbeit über alle Fraktionen hinweg!“ Im Gemeinderat seien alle Ortsteile und viele Berufsgruppen vertreten. „Jeder hat das Recht gehört zu werden und sich zu verwirklichen.“ Der respektvolle Umgang ist für den dreifachen Vater eine Selbstverständlichkeit.

„Ich will eine offene, transparente und unabhängige Zusammenarbeit über alle Fraktionen hinweg!“
Jürgen Gäbelein (50), Bürgermeister-Kandidat

Fördern will der 50-Jährige auch die interkommunale Zusammenarbeit. In Lichtenfels gehe viel voran, im Gebiet Bad Staffelstein/Ebensfeld werde touristisch kooperiert und auch Burg-, Altenkunstadt und Weismain agierten verstärkt miteinander. „Aber wir, die Kleinen, nutzen die Chancen der Zusammenarbeit kaum“ – gemeint sind Redwitz, Marktgraitz, Hochstadt und Marktzeuln. Gäbelein stellt sich hier eine Impulsgeber-Rolle seiner Gemeinde vor. Und auch den Blick über die Landkreis-Grenzen hinaus - etwa nach Sonnefeld, nach Küps etc. „Ich bin jetzt zwölf Jahre im Gemeinderat, und es wurde ganz wenig über den Tellerrand hinausgeschaut.“

Seine Stärke sieht der passionierte Mountainbiker darin, dass ich durch die parteifreie Brille gucken kann“. Er traut sich zu, einige Krusten aufzubrechen und mahnt einen respektvollen Umgang auch im Wahlkampf an. „Das ist im Moment ein bisschen wie in der Faschingszeit. Und am Aschermittwoch ist alles wieder vorbei.“ Die drei Kandidaten seien nach der Wahl voraussichtlich im Gemeinderat vertreten oder eben Bürgermeister. Sie sollten sich dann noch ins Gesicht schauen können.

Verwurzelt, in Vereinen aktiv, am längsten im Gemeinderat

Jürgen Gäbelein sieht sich durchaus als sehr chancenreich, „da ich verwurzelt, in den Vereinen aktiv, aus dem Hauptort und am längsten im Gemeinderat bin“. Im Falle seiner Wahl befürchtet er keine gravierenden Auswirkungen aufs Familienleben. „Ich bin schon jetzt sehr eingespannt. Meine Frau Karin ist meist dabei, auch an den Wochenenden.“ Die Kinder seien schon aus dem Gröbsten raus. Und für die gemeinsamen Leidenschaften in der Natur (Wandern, Radeln, Geocoaching) werde er noch Zeit finden.

Jürgen Gäbelein

• 50 Jahre • „Ur–Redwitzer“

• 1976 Grundschule Redwitz • 1980 Gymnasium Burgkunstadt • 1986 Gymnasium Kronach • 1989 Abitur • 1989-1991 Bundeswehr, als Leutnant ausgeschieden (Reserve-Offizier) • 1991-1997 Studium der Kunststofftechnik in Würzburg, Abschluss Diplom-Ingenieur • 1997- 1999 technischer Projektleiter bei der Firma Ros (Automobilzulieferer) in Coburg • 2000-2007 Ingenieurbüro mit einem Partner betrieben • 2008-2010 IHK Bayreuth, Projekt ofraCar (Automobilnetzwerk), als Verein in die Selbstständigkeit geführt • ab 2010 beim Ingenieurbüro „Innocept Engineering“ in Kronach/Neuses, seit 2011 Geschäftsführer • seit 2001 verheiratet mit Karin • drei Kinder: Marcel (18), Jasmin (15) und Cedric (12) • seit 30 Jahren ehrenamtlich aktiv: unter anderem von 2005 bis 2014 Vorsitzender des Turnvereins; seit der Gründung in 2012 2. Vorsitzender des Bürgervereins Redwitz • ab 2008 für Freie Wähler Redwitz (seit 1.1. 2019 UBR Redwitz) im Gemeinderat Redwitz • seit 2008 Fraktionssprecher • Mitglied des Rechnungsprüfungsausschusses • früher Mitglied des Finanz- und Personalausschusses; zurzeit nicht, aber bei vielen Sitzungen dabei („Finanzen sind mein Thema“) • halbpolitisches Amt: Kassenprüfer beim „Innovationszentrum Region Kronach“ (IZRK), einer Wirtschaftsvereinigung, die „netztwerkt“; ihr verdankt er auch den Titel „Botschafter der Stadt Kronach“ • früher Handballer beim TV Redwitz (Jugend), TV Oberwallenstadt, TV Michelau und sogar ein Jahr bei Haspo Bayreuth (3. Liga) • weitere Hobbys: nach der Handball-Karriere Laufen (bis Marathon), heute vor allem Mountainbiken, Wandern und Geocaching

Der Kandidat der Unabhängigen Bürger Redwitz, Jürgen Gäbelein, sieht der Bürgermeister-Wahl selbstbewusst entgegen. Foto: red
Jürgen Gäbelein ist leidenschaftlicher Mountainbiker; hier macht er Rast an den Ebnether Felsenkellern. Foto: red

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